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Baustellenvorbereitung: Nur was für die Großen?

Für viele Unternehmer klingt „Baustellenvorbereitung“ nach Submissionswesen und Großbaustelle. Doch das ist ein großer Trugschluss. Geld lässt sich mit einem Bauvorhaben nur verdienen, wenn der Bauablauf so gestaltet ist, dass alles so läuft, wie im Angebot vorausgeplant. Was alles zu einer guten Baustellenvorbereitung gehört, soll hier beleuchtet werden.

Telefonieren sei das Organisieren von Dingen, die nicht geregelt sind, sagt Prof. Martin Thieme-Hack von der Hochschule Osnabrück in Bezug auf den Baustellenalltag. Denn Telefonate und Besorgungsfahrten werden auf den meisten Baustellen notwendig, um kostspielig Planungs-, Organisations- und Kommunikationsdefizite zu kompensieren. Obwohl die Fehlerbehebungskosten in der Phase der Arbeitsvorbereitung noch verhältnismäßig niedrig sind, vertrauen nach wie vor viele Unternehmer darauf, dass die Sache schon irgendwie laufen wird; ganz gleich, ob es sich um kleine oder große Baustellen handelt. Dabei geht es ja nicht darum härter und schneller zu arbeiten, ist sein Kollege Prof. Rudolf Haderstorfer aus Weihenstephan überzeugt: „Wir wollen intelligenter arbeiten.“ Geht man von einer durchschnittlichen Rendite zwischen 2 und 4 % aus, ist es denn auch geboten, die Abläufe so zu organisieren, dass die Rädchen sauber ineinandergreifen und so möglichst hohe Produktivität gewährleistet wird.

„Kein Projekt sollte beginnen, bevor die Arbeitsvorbereitung abgeschlossen ist“, meint Haderstorfer und rät, sich dafür Zeit zu nehmen. Der gesamte Bauprozess muss einmal im Kopf durchgespielt werden. Alle Schnittstellen müssen geplant, alle Abläufe synchronisiert werden.


Bauvertrag und Planwerk gründlich prüfen

Bei Großbaustellen sind der Bauvertrag und das Planwerk die wichtigsten Grundlagen für die Arbeitsvorbereitung.

Welche Rechte/Pflichten sind definiert?
- Besteht zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer Einigkeit, was die Ziele und das Ergebnis anbelangt? Schließlich geht es darum, Ausschreibung, Planwerk und Baustellensituation zu prüfen.
- Welche Positionen sind die Schlüsselpositionen, die über einen Großteil des Risikos bestimmen?
- Decken sich die Mengen in der Ausschreibung, mit dem, was sich vor Ort beziehungsweise aus der Planung ergibt?
- Lassen sich Positionen finden, die Zusatzleistungen oder Nachträge rechtfertigen?
- Welcher Zeit- und Maschineneinsatz ist erforderlich?
- Lassen sich Alternativen zu den ausgeschriebenen Materialien einsetzen?
- Wie können Arbeitspakete sinnvoll gebündelt werden?

Haderstorfer rät, alle Schritte in einer Bauablaufplanung festzulegen, die später nicht nur Planinstrument ist, sondern auch der Steuerung des Bauablaufs dient und Ansprüche aus Bauzeitenclaims belegt.
Bei kleineren Baustellen ist das nicht viel anders. Hier liegen in der Regel kein umfangreiches Vertragswerk oder eine Ausschreibung vor. Dafür sollte die Planung so exakt sein, dass Auftraggeber und Auftragnehmer eine sichere gemeinsame Basis haben. Was ist aber, wenn gar keine Ausführungsplanung vorliegt? Hier setzt die Idee von Frank Balzer an (siehe DEGA GALABAU, 8/2011, Seite 24), der eine bezahlte Ausführungsplanung zur wichtigen Voraussetzung der Vorbereitung macht. Denn erst auf der Basis eines solchen Plans ist eine Grundlage geschaffen, auf der die Abläufe der Baustelle vorausgedacht werden können.

Außerdem muss vorher eine strukturelle Basis geschaffen werden, die es dem Betrieb ermöglich, die immer wiederkehrenden Abläufe einer Baustelle so zu standardisieren, dass möglichst wenig Räder während des Auftrags neu erfunden werden müssen. Welche betrieblichen Optimierungen man auch als Inhaber eines kleinen Unternehmens realisieren kann, beschreibt Bernhard Gebert in seinem Beitrag auf S. 20, DEGA Galsbau, 8/2011).

Die Arbeitsvorbereitung wandelt sich

Die Arbeitsvorbereitung wird sich verändern. Nicht in den Feldern ihrer Betrachtung, aber in ihrem Ablauf. Sie wird immer mehr in ein Projektmanagement eingebunden sein und sie wird sowohl digital als auch mobil. Gerade durch die neuen Handys können immer mehr Informationen immer schneller zur Verfügung gestellt werden. Das wird auch die Arbeitsvorbereitung nicht unberührt lassen. Sie wird berücksichtigen müssen, dass alle Abläufe auf den Transport via mobile Endgeräte ausgelegt werden.
Eines aber wird sich nie ändern: Nämlich, dass eine gut durchdachte Baustelle mit gut durchdachten Abläufen die einzige Versicherung ist, mit Bautätigkeit Geld zu verdienen. Und das wird den Baustellenerfolg findiger Unternehmer immer von dem weniger findigen Unternehmer unterscheiden.

Tjards Wendebourg, Redaktion DEGA GALABAU

 

(c) DEGA GALABAU online, 26.7.11


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