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Fachkräfte finden und binden

Für Großunternehmen sind die Auswahl der richtigen Mitarbeiter, das Management der Arbeitsbedingungen und die professionelle Mitarbeiterführung seit Jahren selbstverständlich. In kleinen Betrieben wird dieser „Aufwand“ oft als überflüssig erachtet. Doch eine nette, familiäre Atmosphäre reicht heute nicht mehr, um gute Fachkräfte zu bekommen und zu halten.

Seit etwa einem Jahrzehnt wird vor einem zukünftigen massiven Fachkräftemangel in Deutschland gewarnt. Noch hängt das Ausmaß des erwarteten Mangels stark von der jeweiligen Statistik ab, die man betrachtet. Zumindest deutet jedoch die demografische Entwicklung darauf hin, dass die Firmen in wenigen Jahren nicht mehr aus Unmengen von Bewerbern wählen können, sondern dass die Mitarbeiter sich den Betrieb aussuchen werden.

Ob Automobilbranche oder Banken, die Konsumgüterindustrie oder große Beratungsfirmen – alle sind auf der Suche nach den besten Mitarbeitern. Vom attraktiven Gehalt über spannende Herausforderungen bis zu umfassenden Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten werfen diese Firmen alles in die Waagschale, was hilft, gute Mitarbeiter zu finden und zu halten. Immer mehr Branchen buhlen um eine stetig sinkende Anzahl potenzieller Bewerber. Damit wird es auch für kleinere Firmen wichtiger, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren und damit die Mitarbeiter zu finden, die sie brauchen.Doch welcher Galabau-Betrieb weiß schon, welche Mitarbeiter er genau benötigt? „Mitarbeiterführung fängt mit der Mitarbeitergewinnung an“, sagt Albrecht Bühler, Landschaftsbauunternehmer aus Nürtingen und Gründer der Initiative für Ausbildung.

Die richtigen Fragen stellen

Vor der Antwort auf die Frage „Wen wollen wir?“ steht die Antwort auf die Frage „Wer sind wir?“. Was macht Ihren Betrieb für Talente attraktiv? Was haben Sie potenziellen Bewerbern zu bieten? Warum sollte sich ein Auszubildender oder eine Fachkraft gerade bei Ihnen bewerben? Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen? Und nicht zuletzt: Was unterscheidet Sie von den Mitbewerbern in der Region? Die Beantwortung dieser Fragen sind der erste Schritt zum Aufbau einer Arbeitgebermarke. Das geht übrigens am besten im Team. Nutzen Sie Checklisten und binden Sie Ihre Mitarbeiter in diesen Prozess ein. Kommunizieren Sie anschließend die inneren Werte Ihres Unternehmens – in der Presse, in Anzeigen, in Broschüren. Wenn Sie wissen, was Ihr Betrieb nicht nur fachlich, sondern auch als attraktiver Arbeitgeber zu bieten hat, haben Sie eine gute Basis geschaffen, um zu überlegen, wer zu Ihnen passt. Welche Eigenschaften sollte ein Mitarbeiter mitbringen? Worauf legen Sie als Unternehmer Wert? Was erwarten Ihre Mitarbeiter von einem neuen Kollegen? Legen Sie diesen Maßstab an, wenn Sie neues Personal einstellen.


Auf gute ­Zusammenarbeit!

Sie haben den Mitarbeiter gefunden, der zu Ihnen passt? Gratulation. Damit sich beide Seiten miteinander wohlfühlen, müssen die Arbeitsbedingungen stimmen. Laut einer Studie des Finnischen Instituts für Arbeitsmedizin ist ein wesentlicher Faktor für die Arbeitsfähigkeit von Menschen – also die Fähigkeit, eine Arbeit nicht nur erledigen zu können, sondern das auch gerne zu tun – die wahrgenommene Unterstützung, die der Mitarbeiter durch seine Führungskraft erfährt. Diese Unterstützung beginnt beim vernünftig ausgestatteten Arbeitsplatz und reicht über interessante Aufgaben und ein vernünftiges Gehalt bis zum wertschätzenden Umgang miteinander.

Vor allem Letzteres ist für eine konstruktive Zusammenarbeit entscheidend. Das höchste Gehalt wird bestenfalls als Schmerzensgeld empfunden, wenn man sich im Arbeitsumfeld unwohlfühlt. „Eigentlich ist es einfach: Gute Mitarbeiterführung braucht Zeit, Aufmerksamkeit, echtes Interesse an Menschen und die Bereitschaft, etwas zu geben. Wichtig ist darüber hinaus noch eine Struktur, in der diese Punkte verankert sind“, sagt Albrecht Bühler. Beispiele dafür sind regelmäßiges Feedback und Mitarbeitergespräche, aber auch familienfreundliche Arbeitszeiten für Mütter und Väter mit kleinen Kindern.

Für Mitarbeiter sind Punkte wie Sicherheit, Gerechtigkeit, Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit wesentlich, um sich im Unternehmen wohlzufühlen. Diese Dinge erfordern von einer Führungskraft nicht viel Zeit: Zu sagen, was man tut, und zu tun, was man sagt, sich zu entschuldigen, wenn man einen Fehler gemacht hat, und gute Leistung zu belohnen sollten im zwischenmenschlichen Umgang eigentlich selbstverständlich sein.


Motivation durch Herausforderung

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, die Arbeit aber trotzdem lustlos erledigt wird, könnte es daran liegen, dass die Herausforderungen fehlen. An einem sicheren Arbeitsplatz mit netten Kollegen wird es schnell langweilig. Woran so mancher Chef sich die Zähne ausbeißt, gelingt einer verantwortungsvollen, abwechslungsreichen, interessanten Tätigkeit mit links: Menschen zu motivieren. Und mit der Aussicht, dass immer wieder eine herausfordernde Aufgabe folgen wird, lässt sich auch die eine oder andere unvermeidliche Routinetätigkeit ertragen. Überlegen Sie daher als Chef, als Bauleiter oder Vorarbeiter immer wieder, welche wichtigen Aufgaben Sie delegieren können, um Ihren Mitarbeitern Erfolgserlebnisse zu verschaffen.


Weiterentwickeln lassen

Ebenfalls motivierend für Mitarbeiter sind Möglichkeiten, sich fachlich und persönlich weiterzubilden und vielleicht sogar weitere Schritte auf der Karriereleiter zu gehen. „Die interne Weiterentwicklung von Mitarbeitern, verbunden mit der Übernahme von neuen Verantwortungsbereichen, ist ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur“, ist Albrecht Bühler überzeugt.

Es kann vorkommen, dass ein Mitarbeiter sich nicht innerhalb des Betriebs, sondern woanders weiterentwickeln möchte. Oder dass Sie als Arbeitgeber feststellen, dass der Mitarbeiter nicht ins Team passt. Arbeitsbeziehungen sind Weggemeinschaften auf Zeit. Albrecht Bühler sieht es pragmatisch: „Wichtig ist, die gemeinsame Zeit möglichst positiv zu gestalten. Wenn sich die Wege trennen, ist ein guter Abschied wichtig.“ Danken Sie Mitarbeitern für den gemeinsamen Weg und wünschen Sie Ihnen viel Erfolg. Nehmen Sie sich Zeit für ein gutes Zeugnis, in dem Sie das positive Potenzial des Mitarbeiters hervorheben. Halten Sie den Mitarbeitern Türen offen, anstatt sie zuzuschlagen. Denken Sie daran: Alles, was Sie tun, angefangen vom professionellen Bewerbungsmanagement bis zum wertschätzenden Abschied, prägt Ihr Image als attraktiver Arbeitgeber.

Susanne Wannags, Geltendorf (in DEGA GALABAU 12/2011)

 

(c) DEGA GALABAU/campos online, 29.11.11


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