
Intelligenzfrage – Teil 2
KI kann fast alles – so scheint es. Aber wo heute noch ihre Grenzen liegen, zeigt Stefan Leszko auf gewohnt süffisante Weise an einem einzigen Bild. Hier ist der humoristische Nachschlag zu der Kolumne in DEGA GALABAU 4/2026.
von Stefan Leszko, Unterpleichfeld erschienen am 29.04.2026Wenden wir uns nun den umstehenden Personen zu. Es ist nicht ersichtlich, wozu sich ganze Gruppen von Menschen in Bürokleidung auf einer Baustelle aufhalten sollten, unverkennbar aber ist, dass die KI den Eindruck erwecken will, besagte Menschen würden Baupläne studieren. Dazu wäre es zweckmäßig, die Pläne anzusehen. Auch das möchte ich Ihnen demonstrieren: Wie Sie sehen, schwebe ich rechts im Bild und sehe auf die Szenerie hinunter. Nun fliege ich weiter nach links und richte, ohne den Kopf zu bewegen, meinen Blick nach oben. Würde ich jetzt behaupten, das Geschehen unter mir zu betrachten, würden Sie mir das hoffentlich nicht glauben.
Nun sehen Sie sich die KI-Gestalten an: Sie halten zwar Papierbögen in den Händen, aber ihre Blicke verlieren sich irgendwo oberhalb derselben im Nichts. Dazu ziert ihre Gefrieser ein rätselhaftes Lächeln, das besser zur Mona Lisa passen würde als auf eine Baustelle. Das Bild war schon vorher nicht stimmig, aber dieser griechische Chor gibt ihm den Rest. Kein guter, nicht einmal ein mittelmäßiger Zeichner würde dergleichen zu Papier bringen. An dieser Stelle wird jeder KI- Produzent seine zuvor mit demonstrativer Herzlichkeit ausgestreckte Hand zum Fäustchen ballen, um sich sodann in dasselbe zu lachen. „Verehrter Herr Berufsnörgler!“ wird er sagen, „Sie können mosern, soviel Sie wollen, das bringt Ihnen gar nichts, wir werden doch gewinnen, weil nämlich heutige Zeitschriftenleser viel zu doof sind, um solche Details zu bemerken, außerdem schauen sie eh nur noch mit einem Auge hin, weil sie mit dem anderen auf ihr Handy glotzen, und solche Leute wie Sie wird es bald nicht mehr geben, weil die KI billiger ist als Ihr Honorar und es den Verlegern nur ums Geld geht, wie dem Bill und dem Mark und dem Donald und überhaupt jedem guten Kapitalisten!“
Aber da hat sich der Herr Produzent verrechnet. Leute wie ich sind nicht teuer. Die teuren Zeichner sind heute minimalistisch-modern, und um die zu ersetzen, braucht man keine KI. Wer, nur so zum Beispiel, einen billigeren Ersatz für Martin Fengel sucht, wird in jedem Kindergarten seine Wahl zahlreiche Kandidaten finden, die für einen Schokoriegel gleichwertige Werke schaffen. Da kann nicht mal KI made in China preislich mithalten. Brauchen wir also KI? Die Frage lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Ich persönlich brauche sie nicht. Umso mehr danke ich Herrn Diplom-Ingenieur Daniel Düsentrieb für die Entwicklung des Rückenpropellers, mit dem ich nun endlich Staudenbeete pflegen kann, ohne hineinlatschen zu müssen. Diese Fähigkeit hatte ich nämlich - sehr im Gegensatz zu KI – schon immer schmerzlich vermisst.








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