
Leitfaden hilft Banken
Die Oganisationen Global Nature Fund (GNF) und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten (VfU) haben einen Leitfaden erarbeitet, der helfen soll, Biodiversität konkret in der Kreditvergabe zu berücksichtigen. Dieser steht zum kostenlosen Download zur Verfügung.
von UBi/Redaktion erschienen am 09.04.2026Die Publikation „Biodiversität in der Kreditvergabe – Ein praxisorientierter Ansatz zur Identifikation und Anwendung von KPIs in drei ausgewählten Sektoren“ entstand im Rahmen des Projekts Unternehmen Biologische Vielfalt (UBi). Sie richtet sich an Banken, die Biodiversitätsrisiken und -chancen systematisch in ihr Kerngeschäft integrieren möchten. Der Leitfaden stellt erstmals einen praxisnahen Ansatz zur Entwicklung biodiversitätsbezogener Key Performance Indicators (KPIs) für das Kreditgeschäft vor.
Naturverlust trifft Bankbilanzen
Studien der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen, dass ein Großteil der von Banken finanzierten Unternehmen im Euroraum stark von Ökosystemleistungen abhängig ist. Gleichzeitig fordert das im Rahmen der Convention on Biological Diversity verabschiedete Globale Biodiversitätsrahmenwerk von Kunming-Montréal mehr Transparenz über naturbezogene Risiken in Finanzportfolios.
„Biodiversität ist längst kein reines Nachhaltigkeitsthema mehr – sie ist finanziell relevant für Finanzinstitute und die von ihnen finanzierten Unternehmen. Sie betrifft Kreditrisiken, Geschäftsmodelle und die Zukunftsfähigkeit ganzer Branchen“, erklärt Andrea Reuter, Projektmanagerin beim GNF. „Banken haben hier einen enormen Hebel – über ihre Finanzierungsentscheidungen.“
Konkrete KPIs statt abstrakter Ziele
Im Mittelpunkt der Publikation steht das Kreditgeschäft als zentrales Steuerungsinstrument. Entwickelt wurden konkrete, anwendbare KPIs für drei besonders biodiversitätsrelevante Sektoren:
- Agrar- und Lebensmittelwirtschaft
- Immobilien
- Chemie
Der entwickelte Ansatz identifiziert wesentliche biodiversitätsbezogene Auswirkungen in diesen Branchen und ordnet sie entlang wichtiger Treiber des Biodiversitätsverlusts ein. Grundlage ist das sogenannte State-Pressure-Response-Modell. Gleichzeitig werden die Kennzahlen mit der Mitigationshierarchie verknüpft – also dem Grundsatz „Vermeidung vor Reduktion vor Wiederherstellung“.
Die vorgeschlagenen KPIs eignen sich unter anderem für Sustainability-Linked Loans (SLLs), also Kredite, deren Zinskonditionen an zuvor festgelegte Nachhaltigkeitsziele gekoppelt sind. Darüber hinaus können sie auch für Portfolioanalysen, Sektorrichtlinien oder Transformationsleitlinien genutzt werden.
„Viele Institute wissen, dass sie sich mit Biodiversität befassen müssen – aber es fehlt an praktikablen Instrumenten“, so Patrick Weltin, Referent Sustainable Finance beim VfU. „Genau hier setzen wir an: mit messbaren, prüfbaren und branchenrelevanten Kennzahlen.“
Biodiversität im Finanzsystem verankern
Die Publikation versteht sich als Diskussionsgrundlage und Impulsgeber. Sie zeigt, wie Banken trotz begrenzter Datenverfügbarkeit und sich wandelnder Regulierung schrittweise praktikable Steuerungsgrößen entwickeln können.
Trotz regulatorischer Anpassungen bleibt Sustainable Finance ein zentraler Bestandteil des europäischen Transformationspfads. Neben dem Klimathema rückt Biodiversität zunehmend als zweite große ökologische Dimension der Finanzmarkttransformation in den Fokus.
„Wer Biodiversität frühzeitig in seine Kreditprozesse integriert, reduziert nicht nur Risiken, sondern positioniert sich strategisch im Transformationsprozess“, betont Weltin.







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