
„Unsicherheit ist ein schlechter Ratgeber“
Während in Nordrhein-Westfalen die öffentliche Hand kräftig investiert, bremsen Unsicherheiten viele private und gewerbliche Auftraggeber aus. Gartenschauen und Förderprogramme sorgen für Bewegung, doch Fachkräftemangel, Bürokratie und Nachfolgefragen prägen den Alltag vieler Betriebe. Der VGL NRW arbeitet daran, diese Herausforderungen gemeinsam mit seinen Mitgliedern anzugehen. Ein Blick auf die Stimmungslage.
von Susanne Wannags erschienen am 14.01.2026Auch wenn in der jüngsten Konjunkturumfrage des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e. V. (VGL NRW) noch mehr als die Hälfte aller Mitgliedsbetriebe mit der aktuellen Auftragslage und Auslastung zufrieden sind und sie mit gut beurteilen: „Trotzdem signalisiert fast die Hälfte, dass sie die aktuelle Auftragslage kritisch sehen. Das zeigt: Optimismus darf uns nicht blind machen, wir müssen genau hinschauen, wo Herausforderungen entstehen“, sagt Josef Mennigmann, der seit 2022 Präsident des größten Landesverbandes ist.
Von den über 1.000 ordentlichen Mitgliedern haben vor allem diejenigen, die zu einem Großteil für öffentliche Auftraggeber tätig sind, Grund zum Optimismus. „Der öffentliche Sektor entwickelt sich stabil, doch genau dieser Erfolg zieht mehr Wettbewerber an. Für unsere Mitgliedsbetriebe bedeutet das, dass Qualität und Effizienz entscheidend sind, um Aufträge zu sichern“, weiß Mennigmann.
Großprojekte als Impulsgeber
Ein zentraler Motor dieser Entwicklung im öffentlichen Bereich sind die zahlreichen Großprojekte im Land – allen voran die IGA 2027. Für die Internationale Gartenschau, die mit ihrem dezentralen Konzept 53 Städte in der Region umfasst, gibt es Fördergelder vom Land und aus Eigenmitteln der Kommunen. Mit rund 120 Mio. Euro insgesamt rechnet IGA-Geschäftsführer Horst Fischer. Davon fließt auch ein erheblicher Teil in die blau-grüne Infrastruktur. „Diese Investitionen in die blau-grüne Infrastruktur eröffnen unseren Betrieben konkrete Projekte, in denen innovative Lösungen und Nachhaltigkeit gefragt sind“, sagt Mennigmann.
Gartenschauen bringen nicht nur im Vorfeld Aufträge für die Branche, sondern sind für den GaLaBau auch eine Gelegenheit, sich zu präsentieren. Zu den Gartenschau-Highlights zählen die fünf Zukunftsgärten in Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen, Emscherland und Lünen – die Antworten auf die Frage geben sollen, wie wir morgen leben wollen. In Gelsenkirchen sind beispielsweise große Beiträge des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus und des Friedhofsgartenbaus geplant.
Grün in der politischen Wahrnehmung halten
Landesgartenschauen – 2026 in Neuss und 2029 in Kleve sowie 2031 die Bundesgartenschau in Wuppertal – sind zwar nicht ganz so investitionsträchtig wie die IGA, jedoch ebenfalls wichtige Impulsgeber für die Weiterentwicklung der grünen Infrastruktur. Aus der Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege (LAGL) wurde in diesem Jahr ein gemeinnütziger Verein, die ehemalige LAGL GmbH ist aufgelöst. Das macht Zuständigkeiten klarer, eröffnet vielfältigere Finanzierungsmöglichkeiten und beseitigt bürokratische Hürden.
Sowohl die internationalen Gartenschauen als auch die Gartenschauen der kommenden Jahre und Jahrzehnte sorgen dafür, dass Grün in den Köpfen der Öffentlichkeit und der Politik präsent bleibt. Bei Entscheidern stetig dafür zu sorgen, dass das Stadtgrün zwischen all den Themen, die die Kommunen beschäftigen, nicht untergeht, sieht Mennigmann als eine Kernaufgabe des VGL NRW. „Wir dürfen den Klimawandel trotz vieler anderer kommunaler Probleme nicht aus den Augen verlieren. Für uns als Branche heißt das: Wir müssen uns weiterhin für eine zukunftsfähige blau-grüne Infrastruktur einsetzen.“

Privat- und Gewerbekunden zögern
Während die öffentliche Hand investiert, zeigt sich im Privat- und Gewerbebereich ein anderes Bild. Lange Zeit waren Privatkunden, Wohnungsbaugesellschaften und Gewerbebetriebe eine zuverlässige Klientel, die die Auftragsbücher der GaLaBau-Betriebe füllte. Dort ist es deutlich zurückhaltender geworden. „Während anspruchsvolle Privatkunden weiterhin investieren, halten viele mittelständische Haushalte ihr Budget zurück. Diese Zurückhaltung ist eine direkte Folge wirtschaftlicher Unsicherheit – ein Faktor, der Entscheidungen stark beeinflusst und auf den wir als Branche reagieren müssen.“
Auch im Wohnungsbau und bei Industrie- und Gewerbekunden ist die Nachfrage verhalten. „Der Grund ist immer derselbe: Unsicherheit. Und Unsicherheit ist ein schlechter Ratgeber.“ Allerdings, so Mennigmann: „Als Branche geht es uns noch immer gut. Die hohe Nachfrage während der Corona-Jahre hat uns sehr verwöhnt – damals wurde ja überdurchschnittlich investiert.“
Eintrübungen über die Branche hinaus
Mit Unsicherheit werden Arbeitnehmer, Verbraucher, Unternehmer, Kommunen und politisch Verantwortliche weiterhin klarkommen müssen – diesen Eindruck bestätigt ein Blick über die Branche hinaus. So zeigt die aktuelle Herbstumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer, dass sich die Stimmung in deutschen Betrieben weiter eintrübt. Auch das Wirtschaftswachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück – sowohl in Deutschland als auch in Nordrhein-Westfalen. War das RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung für 2025 noch von einem Plus von 0,3 % für das bevölkerungsreichste Bundesland ausgegangen, wird es wohl bei 0,1 % Prozent bleiben. Für 2026 rechnet das RWI mit einem Wachstum von 1,1 %.

Regionale Auftragslage bleibt heterogen
Unabhängig von gesamtwirtschaftlichen Trends lohnt sich ein Blick auf regionale Unterschiede, zum Beispiel zwischen ländlichen und urbanen Regionen. Aus Gesprächen mit Verbandskollegen weiß Mennigmann, dass sich hier keine pauschalen Aussagen treffen lassen. Auch wenn im Ruhrgebiet die IGA 2027 insgesamt für eine gute Auftragslage sorgt, gibt es dort Kommunen, die kein Geld für Investitionen haben. Im Rheinischen Revier, der Region westlich des Rheins, zeigt sich hingegen ein differenziertes Bild: Zwar entsteht nach außen der Eindruck, es gehe im Bereich öffentlicher Aufträge ruhiger zu, tatsächlich jedoch sind die Betriebe gut ausgelastet.
Darüber hinaus zählt das Rheinische Revier bereits heute zu den künftigen wirtschaftlichen und strukturellen Schlüsselregionen – ein regelrechter „Mega-Hotspot“, in dem mit Blick auf die IGA 2037 schon an zahlreichen Stellen gezielt investiert wird. Im Münsterland wiederum sind die Auslastung und Auftragslage fast durchweg gut, obwohl diese Region sehr ländlich geprägt ist.
Fachkräftemangel als Daueraufgabe
Ein Dauerthema, das Betriebe in allen Regionen beschäftigt, ist der Fachkräftemangel. „Fachkräftemangel ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, das unsere Branche langfristig begleitet. Für uns als Unternehmen ist es entscheidend, systematisch in Ausbildung zu investieren und kontinuierlich Präsenz auf Ausbildungsmessen zu zeigen. Nur so können wir Talente gewinnen und langfristig sichern“, so Mennigmann.
Auch die Social-Media-Plattformen sind ein wichtiger Baustein im Recruiting, vor allem bei jungen Menschen. „Social Media ist für uns ein Schlüssel, um junge Menschen zu erreichen. Immer wieder berichten Bewerber, dass sie zunächst auf unseren Auftritt aufmerksam wurden und sich dann gezielt über die Ausbildungsmöglichkeiten beim AuGaLa informiert haben.“ Auch wenn es sich einige Firmeninhaber wünschen würden: Ein Landesverband kann das Problem des Fachkräftemangels nicht lösen. „Wir stehen unseren Mitgliedern jedoch beratend zur Seite, stellen zahlreiche Angebote und Materialien zur Verfügung und motivieren die Betriebe immer wieder, sie auch tatsächlich zu nutzen.“

Wie sieht der Bildungsweg der Zukunft aus?
Damit verknüpft ist die Frage, wie die Bildungslandschaft langfristig aufgestellt sein soll. Auszubildende zu gewinnen ist das eine, Fach- und Führungspersonal das andere. Seit Jahren wird in politischen Gesprächen immer wieder der „Grüne Campus NRW“ thematisiert. Kontrovers ist das Vorhaben dabei nicht – im Gegenteil: Die grundsätzliche Zustimmung ist breit, es mangelt jedoch seit langem an der konkreten Umsetzung.
In einem Positionspapier konkretisiert der VGL NRW den Grünen Campus: Zentral und gut erreichbar im Bundesland gelegen, soll dieser Bildungs-, Zukunfts- und Wissensstandort die Fachkräfte von morgen ausbilden und damit Klimaschutz, Klimaanpassung, nachhaltige Stadtentwicklung und Handwerk stärken. Die erforderlichen Investitionen stellten damit nicht nur einen Beitrag in die Zukunftsfähigkeit der grünen Branche, sondern des Landes NRW dar.

Akteure an einem Tisch
In der Aus- und Weiterbildung gibt es viele Akteure: Ministerien, Berufsschulen, Hochschulen, Fachschulen, überbetriebliche Ausbildungsstätten (ÜBA), Unternehmer NRW, Landwirtschaftskammer, Gewerkschaft, Bezirksregierungen, die Agentur für Arbeit und natürlich die Unternehmen. Vertreter dieser Organisationen an einen Tisch zu bekommen, ist das Ziel des Bildungsforums NRW, das dieses Jahr zum dritten Mal stattfand.
Die Veranstaltung Ende Oktober stand unter dem Motto „Zukunft gestalten, Bildung neu denken“. Zwei Tage lang diskutierten Fach- und Führungskräfte aus Betrieben, Bildungseinrichtungen und Politik über zentrale Zukunftsfragen der beruflichen Bildung im GaLaBau.
Duales System: ein Erfolgsmodell
In Impulsvorträgen, Workshops und Diskussionsrunden wurden praxisnahe Lösungsansätze entwickelt: Das Themenspektrum reichte von Nachhaltigkeit und Digitalisierung über „Future Skills im GaLaBau“ bis hin zur Verbesserung von Sprachkompetenz und mentaler Gesundheit im Ausbildungsalltag. Aber auch Wege zu einem reibungslosen Übergang von Schule in den Beruf, Maßnahmen zur Stabilisierung von Ausbildungsverhältnissen oder die Potenziale für Quereinsteiger durch Teilqualifizierungen wurden intensiv diskutiert.
Matthias Heidmeier, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW betonte in seinem Impulsvortrag „Wege zur Fachkraft: Flexibel und zukunftsorientiert“ die Bedeutung der dualen Ausbildung als Erfolgsmodell und empfahl, die berufliche Bildung als gleichwertige Alternative zum Studium zu sehen. Er betonte zudem, wie wichtig eine stärkere Kooperation zwischen Schulen, Kammern und Verbänden zukünftig sei.
Handlungsplan für eine zukunftsfähige Ausbildung
Das Bildungsforum 2025 endete mit einem gemeinsamen Handlungsplan, der die konkreten Schritte zur Weiterentwicklung der beruflichen Bildung im GaLaBau festlegt. Um die Branche für die Zukunft fit zu machen, sei es wichtig, dass alle Akteure weiterhin konsequent daran mitwirken. „Mit dem Bildungsforum schaffen wir einen Raum für den gezielten Austausch unter allen, die zur Bildung im GaLaBau aktiv beitragen und sie mitgestalten. Nur gemeinsam können wir die Grundlage für eine zukunftsfähige Branche legen“, sagt VGL NRW-Vizepräsident Frank Linneweber.

Nachfolge bleibt eine der größten Herausforderungen
Neben Ausbildung und Qualifizierung gehört ein weiterer Zukunftsaspekt zu den großen Baustellen der Branche: die Frage der betrieblichen Nachfolge. „Als Verband werden wir das Beratungsangebot dazu noch ausweiten“, sagt Mennigmann. Als Vermittlungsbörse kann ein Verband nicht fungieren, allerdings die Betriebe bei Fragen der Nachfolge unterstützen. Aktuell gibt es beispielsweise eine Vortragsreihe, in der Unternehmer berichten, wie sie die Übernahme erfolgreich bewerkstelligt haben.
Glück hat, wer in der Familie einen Nachfolger findet. „Eine externe Nachfolge ist deutlich komplexer: Potenzielle Übernehmer müssen bereit sein, unternehmerisches Risiko zu tragen, und die Erwartungen an den Wert des Betriebs müssen realistisch bleiben. Für kleinere Betriebe ist dies eine besonders große Herausforderung“, erklärt Mennigmann. Während größere Betriebe auch für Investorengruppen wie Idverde, die GarLa-Gruppe oder die Green Landscaping Group interessant sind, steht Inhabern kleinerer und mittlerer Betriebe diese Option meistens nicht offen. Mennigmann kennt einige Unternehmer mit drei, vier Leuten, die sich vorstellen können, den Betrieb gänzlich zu schließen und vielleicht auch die Jahre bis zum Ruhestand noch in einer Festanstellung zu verbringen.
Vergaberecht: Chance oder Mehrbelastung?
Was viele Betriebe – insbesondere kleinere – belastet, ist die nach wie vor hohe Bürokratie. Ob in Nordrhein-Westfalen beispielsweise das Gesetz zur Änderung kommunal-rechtlicher und weiterer Vorschriften, das ab 1. Januar 2026 in Kraft tritt, weniger Bürokratie bringt, bleibt abzuwarten. Kommunen in NRW sind ab diesem Zeitpunkt erst bei Erreichen der europäischen Schwellenwerte verpflichtet, förmlich auszuschreiben. Die VOB/A für Bauleistungen und die Unterschwellenvergabeverordnung (UVgO) für Liefer- und Dienstleistungen sind nicht mehr verbindlich vorgeschrieben. Das ermöglicht den Kommunen mehr Gestaltungsspielraum. „Nutzen die Kommunen diese neuen Regelungen konsequent, kann dies tatsächlich einen spürbaren Abbau bürokratischer Hürden für unsere Betriebe bedeuten“, sagt Mennigmann.
Ehrenamt braucht aktive Ansprache
Nachfolgefragen stellen sich nicht nur in den Unternehmen, sondern auch im Verband selbst. „Noch haben wir hier glücklicherweise viele junge Leute, die im Ehrenamt tätig sind“, freut sich Mennigmann. Man müsse allerdings rechtzeitig dafür sorgen, dass es so bleibt. „Wir dürfen nicht darauf warten, dass sich Interessierte von selbst melden. Stattdessen müssen wir aktiv auf potenzielle Ehrenamtliche zugehen und sie gezielt ansprechen, um langfristig eine engagierte Mitgliedschaft zu sichern.“





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