
Den Wildwuchs bändigen
Flächen, wo das Gras höher wächst lassen sich im Rahmen der Gartenpflege am besten mit Aufsitz-Mähmaschinen bearbeiten. Dabei treten Einzweckmaschinen mit Geräteträgern in Konkurrenz, die mit verschiedenen Anbaugeräten ausgerüstet werden können – etwa Sichelmäher, Schlegelmulcher oder Mähbalken. Schneidige Argumente sprechen für die jeweilige Mähtechnologie.
von Joachim Zeitner erschienen am 03.03.2026Aufsitz-Wiesenmäher haben ihre feste Daseinsberechtigung, wenn es um das Abmähen von extensiv genutzten Grünflächen geht. Das beweist beispielsweise der deutsche Hersteller AS-Motor seit vielen Jahren mit seinen benzinbetriebenen Aufsitzmähern der Sherpa-Familie. Allein sie umfasst schon neun Modelle mit Messermähwerken und 90 cm Schnittbreite. Die erste Wahl bei Landschaftsgärtnern, Gemeinden und Dienstleistern ist der AS 940 Sherpa 4WD mit permanentem Allradantrieb für steile Hänge und schwieriges Gelände. Zwei Modelle mit Zwischenachs-Schlegelmähwerken (100 cm) runden das Angebot von AS-Motor nach oben ab.
1Die gesamte Bandbreite der am Markt verfügbaren Marken und Modelle ist noch beträchtlich größer. Iseki etwa führt neben seinen Traktoren und Geräteträgern auch die Marke Canycom, die für sehr robuste und schlagkräftige Maschinen steht und denen der Anbieter sogar eine eigene Webseite widmet. Mosa vertreibt die Ma.Tra-Maschinen von BCS Agri in drei dieselbetriebenen Profivarianten. Etesia bietet seine Gestrüppmäher in vier Aufsitz-Profiversionen.
Die robusten Maschinen mit sehr tiefem Schwerpunkt für besonders steile Hanglagen stammen vom Hersteller Orec und werden mit schwierigem Aufwuchs fertig. Stella Engineering führt seinen Racoon-Aufsitzmulcher mit dem charkateristischen Zwischenachs-Mähwerk in fünf Versionen (davon zwei Kommunal-Versionen), und auch bei Herkules sind gleich mehrere Aufsitzer erhältlich, wobei der Anbieter nochmals zwischen Gestrüppmähern und Hochgrasmähern unterscheidet, um den verschiedenen Aufwuchsformen und Anforderungen gerecht zu werden.
Grillo sieht den gesamten Technologieraum so bedeutsam, dass der Hersteller gleich 14 verschiedene Aufsitzer führt und sich als einen führenden Hersteller in diesem Segment bezeichnet. Toro schließlich führt zwar unter seiner gelbgrünen Eigenmarke keine Hochgras-Mähtechnik, hat aber vor fünf Jahren den Hersteller Ventrac übernommen. Dessen Maschinen sind einzigartig geländetauglich und schaffen mit Standardbereifung immerhin schon 23° Hangneigung, erklimmen mit Zwillingsbereifung sogar bis zu 30° steile Hänge.
Welche Argumente gelten für Einzweckmaschinen?
Hersteller von Traktoren und Geräteträgern wie Iseki, John Deere und Kubota führen an, dass ihre Maschinen – im Unterschied zu den meisten Aufsitz-Hochgrasmähern – den Charme haben, mit verschiedenen Mähtechnologien ins Grünland fahren zu können und den Aufwuchs wahlweise mit Sichel- oder Schlegelmähwerken oder ganz ökologisch mit Mähbalken niederzumachen. Geräteträger wie Traktoren oder Frontmäher, so heißt es bei einem dieser Anbieter, haben den Vorteil, dass diese vielfältig genutzt werden können, da sie in der Regel mit den verschiedenen Vorbau-Mähwerken ausgestattet werden können und über die Mähtechnik hinaus auch zum Laubsammeln, Straßenkehren und Winterdienst ganzjährig einsetzbar sind. Ihre meist größeren Arbeitsbreiten gegenüber Einzweckmaschinen machen diese Geräteträger auch produktiver und – außer in Extremlagen – vielseitiger einsetzbar.
Unter den genannten hochspeziellen Aufsitz-Hochgrasmähern strahlt jedoch auch ein vielseitig verwendbarer Geländemäher heraus – nämlich der wahlweise mit Benzin- oder Diesel-Dreizylinder von Kubota erhältliche Ventrac 4520 von Toro. Als kleiner Knicktraktor kann er mit verschiedenen Anbaugeräten vielseitig eingesetzt werden, natürlich mit Schlegel- und Sichelmähwerken sowie mit Balkenmähwerken. Die Hauptanwendung besteht auch in der Grünflächenpflege, weswegen Toro auch eine Kooperation mit dem Balkenmähwerk-Spezialisten Kema eingegangen ist. Aber für die Ventrac-Maschinen sind auch Graben- und Umkehrfräsen, Andruck- und Stachelwalzen, Laubbläser und Winterdienstgeräte verfügbar.
2Solche Mehrzweckgeräte, führt man bei AS-Motor mit seinem umfassenden Programm an Einzweck-Aufsitzern an, müssen viele Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Einzweckgeräte dagegen bieten maximale Leistung anstelle von Kompromissen, sie sind genau auf ihr Anwendungsspektrum abgestimmt und erfüllen diese Anforderungen besser als Mehrzweckgeräte.
Sicherheit, ergänzen die Hochgras-Spezialisten, hat vor allem in Steillagen oberste Priorität. Diese Anforderung erfüllen Einzweckgeräte durch ihre perfekte, äußerst niedrige Schwerpunktlage und dem damit verbundenen geringen Risiko in Hanglagen. Speziell ausgelegte Fahrwerke und Reifenprofile sichern zudem maximale Traktion am Hang. Zudem zeigen die Maschinen meist ein geringeres Gewicht als Mehrzweckgeräte – das wirkt sich ebenfalls günstig auf die Schwerpunktlage aus. Einzigartig ist zudem der Allrad-Aufsitzmäher AS 940 Sherpa 4WD RC, den man vom Fahrersitz aus steuern kann oder wahlweise in sicherer Distanz per Fernsteuerung.
Einfachheit statt Komplexität, heißt es weiter bei AS-Motor, kann ebenfalls vorteilhaft sein. Es ist kein Umrüsten notwendig, daher entfällt die Lagerung von Anbaugeräten. Auch ein Umbau der Maschine ist nicht notwendig, dadurch wird die Maschine maximal produktiv und ausgelastet. Das zeigt sich beispielsweise beim Aufsitz-Allmäher AS 940 Sherpa. Die Einzweck-Verwendung birgt zudem ein deutlich geringeres Risiko für Fehlbedienung oder falschen Einsatz von Anbaugeräten.
Geringere Gesamtkosten können ebenfalls zur Kaufentscheidung beitragen: Mehrzweckgeräte wirken zwar auf den ersten Blick günstiger, sind es aber oft nicht – es fallen Extrakosten für Anbaugeräte an sowie höhere Kosten für komplexere Reparaturen. Einzweckgeräte erzeugen dagegen in der Regel geringere Wartungskosten, und ihre Betriebskosten sind deutlich besser planbar.
Einen weiteren Schritt in Richtung geringerer Wartungs- und Betriebskosten können anstelle von benzin- oder dieselgetriebenen Fahrzeugen elektrische, batteriebetriebene Aufsitzmäher bringen. Erst jüngst hat der Hersteller AS-Motor sein neues Modell AS 920 ESherpa 2WD vorgestellt, den ersten elektrischen Hochgras-Aufsitzmäher mit Wechsel-Akkusystem für das Hochgrasmähen von extensiv bewirtschafteten Randgebieten, Rückzugsflächen, Blüh- und Streuobstwiesen. Der wartungsfreie Rad- und Messerantrieb verspricht erheblich geringere Wartungskosten als bei einem vergleichbaren Modell mit Verbrennungsmotor. Zudem können die Wechselakkus auch in Zero-Turn-Mähern der Schwestermarke Ariens verwendet werden.
3Ökologische Zukunft kommt aus dem Weltraum
Was keiner dieser Aufsitz-Hochgrasmäher von AS-Motor oder anderen Herstellern schafft, ist das Mähen und Aufsammeln von Mähgut mit einer Überfahrt. Die meisten Maschinen haben keine Vorrichtungen zum Aufsammeln, was angesichts der großen Masse an Aufwuchs ohnehin illusorisch wäre.
Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, führt man bei einem der drei großen Hersteller von Traktoren und Geräteträgern an, ist die Aufnahme des Schnittguts ohnehin keine Alternative. Denn je nach Bestandsdichte ist die Aufnahme mit erheblichen Kosten verbunden; bei einer Kombination von Mäher und Aufnahme ist die Größe des Aufnahmebehälters begrenzt (in der Regel zwischen 900 und 1.300 l), was einerseits zu einer längeren Mähdauer führt (da durch die Materialaufnahme die Mähgeschwindigkeit begrenzt ist, wenn man nicht riskieren will, den Aufnahmekanal zu verstopfen) und andererseits die häufigen Entleerungsvorgänge entsprechend Zeit erfordern. Bei getrenntem Verfahren, Mähen und anschließendem Aufnehmen, entstehen wiederum Kosten durch die zusätzlich benötigte Maschine samt Bediener. Hinzu kommen Kosten für den Abtransport und die Entsorgung des Schnittguts.
Trotzdem muss auf artenfreundlichen Extensiv-Grünflächen wie etwa Blühwiesen in gewissen Zeitabständen gemäht und das Schnittgut abgeräumt werden, entsprechende Auflagen umfassen auch landschaftspflegerische Begleitpläne. Denn nur so gelingt es, die Böden dauerhaft mager zu halten und damit die Pflanzenvielfalt zu sichern. Hersteller und Ausrüster wie Aebi Schmidt, Fiedler, Kalinke und Reform sowie die niederländischen Anbieter Greentec, Schouten und Trilo bieten solche ökologische Mäh- und Abräumtechnik zum Mitfahren. Irus bietet schon seit mehreren Jahren ferngesteuerte Mähraupen und Geräteträger zum Mähen und Abräumen, Vogt hat vor einiger Zeit einen ferngesteuerten MDB-Raupengeräteträger mit Doppelmesser-Sichelmähwerk und einer Vorrichtung zum Schwaden vorgestellt.
Der Hersteller Rapid Technic sowie seine Tochterunternehmen Niko und Brielmaier führen außerdem erfolgreich vor, dass auch ihre altehrwürdigen handgeführten Einachs-Geräteträger für die kleinteilige Landwirtschaft mit Fernbedienung und speziellen Anbaugeräten ihre ökologische Nische in der Grünlandpflege behalten werden.
Aber vielleicht klappt das Mähen und Abräumen von Hochgras in Zukunft sogar völlig ohne menschliches Eingreifen: Schon im vergangenen Jahr hat Rapid Technic seinen satellitengeführten Geräteträger Cosmos 300 in umfangreichen Endanwender-Tests bei Landwirten in der Futtergewinnung erprobt. Die Maschine ist mit einem Doppelmesser-Mähwerk und einer Möglichkeit zum Kreiseln ausgestattet. Die dazu passende Cosmos-App fürs Smartphone bietet Endanwendern die Möglichkeit für Bahnplanung, Fahrschema, Statusmeldungen und Diagnose. Bisher arbeitet die Maschine noch teilautonom und wird unter anderem vom Landwirt per Drohne überwacht.
Eine Stolperfalle auf dem Weg zur Vollautonomie bilden beispielsweise Rehkitze, die bei Mähfahrten frühzeitig erkannt werden müssen. Aber Rapid Technic führt die Entwicklung konsequent weiter und will in absehbarer Zeit die vollautonome Satellitenführung in Form eines Moduls fertig haben, das man auf dem Cosmos montieren und in den nächsten Schritten auch auf andere Maschinen übertragen kann – eben auch Raupen-Geräteträger für die extensive Grünflächenpflege. Willkommen in der Zukunft!
Extrem robuste und hangtaugliche Maschinen, der Bediener immer in sicherer Entfernung – schlagende Argumente sprechen für ferngesteuerte Mähtechnik gerade bei der Pflege von Extensiv-Grünflächen. Wo aufgesessene Mäher in gefährliche Schläglage kommen und der Einsatz von handgeführten Maschinen schnell zu Personalausfällen führen kann, kommt die RC-Mähtechnik an den Start.
Die Maschinen sind auf Rädern und Raupen unterwegs und sind überaus produktiv: An Hängen, die bisher von mehreren Einsatzkräften mit Motorsensen bearbeitet wurden, schafft dieselbe Arbeit ein einziger Bediener mit einem ferngesteuerten Mäher. Weil der Arbeitsplatz durch das Medium der Fernsteuerung von der eigentlichen Mähfläche entkoppelt ist, muss der Bediener nicht unbequem und körperbelastend am Hang dem Mähgerät hinterherschreiten oder auf steilen, unwegsamen Geländeabschnitten darauf mitfahren. Darüber freuen sich die Beschäftigten von Straßen- und Autobahnmeistereien beim Arbeiten am Straßenrand genauso wie Landschaftspfleger im oftmals schwierig zugänglichen Terrain, denn sie können außerhalb der Gefahrenzone arbeiten und mit vielfach geringerer Lärm- und Staubbelastung. Die Konzepte ohne Fahrersitz erlauben zudem eine sehr niedrig bauende und leichte Konstruktionsweise, beides ebenfalls vorteilhaft im Gelände.
Zahlreiche namhafte Hersteller und Distributoren – darunter Agria, Irus, Iseki (Barbieri), Rapid (Brielmaier), Rumsauer (Spider) und Vogt (MDB) – haben solche ferngesteuerten Mähmaschinen für hohen Aufwuchs und extreme Geländeformen vorgestellt. Eines der neuesten Produkte stammt vom Hochgras-Spezialisten AS-Motor (AriensCo), nämlich die ferngesteuerte Sichel-Mähraupe AS 990 Tahr RC, deren Serienproduktion angelaufen ist. Die ersten Maschinen wurden bereits ausgeliefert. Der 500 kg schwere Mäher mit einem 20 kW starken Benzinmotor überzeugt laut Hersteller durch seine extreme Hangtauglichkeit und eine bidirektionale Mähweise. Damit wird bezeichnet, dass der Mäher ohne eine bestimmte Fahrtrichtung arbeitet. Vielmehr ermöglicht sein beidseitig offenes Sichelmähwerk einen sauberen Schnitt vorwärts wie rückwärts, inklusive einer gleichmäßigen Ablage des Schnittgutes. jz














Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.