
Die Florfliege ist ein wertvoller Nützling
Florfliegen (Chrysopidae) als wenig spezialisierte Räuber können auf natürliche Weise vor allem Blattlauskolonien sehr effizient dezimieren. Auch im Freiland lassen sie sich gezielt einsetzen, um Schädlingsprobleme giftfrei zu regulieren.
von Jochen Veser erschienen am 10.03.2026In Mitteleuropa sind zahlreiche Arten bekannt, bei denen teilweise auch die erwachsenen Stadien räuberisch leben. Bei der häufigsten Art Chrysoperla carnea sind die Larven eifrige Vertilger von Blattläusen, Spinnmilben und kleinen Raupen, die Imagines ernähren sich dagegen vornehmlich von Pollen und Nektar.
Erwachsene Florfliegen überwintern an geschützten Stellen und nutzen dazu gerne Gartenschuppen oder auch Wohnungen, wo die im Sommer grünen, im Winter eher beige gefärbten Netzflügler gelegentlich gefunden werden können. Der Körper der Tiere ist etwa 10 mm lang und wird von den filigranen, mit grünen Adern durchzogenen und in Ruhe dachförmig gehaltenen Flügeln deutlich überragt.
Im Frühjahr suchen sich die Weibchen nach der Begattung geeignete Eiablagestellen, meist in der Nähe von potenzieller Beute für ihre Nachkommen. Dort werden die Eier in raffinierter Weise abgelegt: Das Weibchen heftet den Hinterleib auf die Blattoberfläche, produziert einen rasch aushärtenden, etwa 5 mm langen Sekretfaden und legt an dessen Ende das Ei ab. Dadurch befindet sich das Ei auf einem kurzen Stielchen, was einen gewissen Schutz vor Fressfeinden darstellt.
Nach wenigen Tagen schlüpft die winzige Larve, die sich umgehend auf die Jagd nach geeigneter Beute macht. Die Larven werden bis etwa 10 mm lang, bei den größeren Stadien ist der Körperbau gut zu erkennen. Sie besitzen beeindruckende Zangen am Kopf, mit deren Hilfe sie ihre Beute ergreifen, ein Verdauungssekret injizieren und dann den Nahrungsbrei aufsaugen. Während der Larvalentwicklung, die temperaturabhängig zwischen ein und drei Wochen dauert, kann eine einzige Florfliegenlarve viele hundert Blattläuse vertilgen.
Zur Verpuppung suchen sich die Larven geschützte Plätze in Rindenspalten oder unter Blättern und fertigen einen kugeligen, weißen Kokon an. Nach einer kurzen Puppenruhe, während der die vollständige Verwandlung zum erwachsenen Insekt stattfindet, schlüpft die anfangs weichhäutige Florfliege, die zu diesem Zeitpunkt ihrerseits leichte Beute für Fressfeinde ist. Meist werden zwei Generationen im Jahr entwickelt.
Artenreiche Pflanzungen vorteilhaft
Um natürliche Florfliegenpopulationen zu fördern, sind artenreiche Pflanzungen anzustreben. Idealerweise finden die blütenbesuchenden Imagines über das ganze Jahr Nahrung, entsprechend sollten Blühzeiten in der Pflanzenauswahl gestaffelt werden. Erste Blattlauskolonien sollten toleriert werden, da diese gezielt für die Eiablage aufgesucht werden. Die Überwinterung der Florfliegen kann durch Aufstellen von Florfliegenhäusern zusätzlich unterstützt werden. In den mit Holzwolle gefüllten, meist rot gestrichenen Kästen mit Lamellen an der Front finden die Tiere ideale Überwinterungsmöglichkeiten.
Nützlinge können bestellt werden
Florfliegen lassen sich aber auch mit wenig Aufwand gezielt in Pflanzungen einbringen, sogar an Bäumen kann ein Einsatz erfolgreich sein. Florfliegen können in unterschiedlichen Lieferformen beim Nützlingszüchter bestellt werden. Für den Einsatz im Freiland haben sich sogenannte Chrysocards bewährt: Auf kleinen Papphängern sind Eier der Florfliege aufgeklebt, diese Hänger müssen dann nur noch in den Pflanzenbestand oder die Baumkrone gehängt werden. Da Florfliegen eher geringe Klimaansprüche haben, können sie auch schon recht früh im Jahr ab etwa 10 °C und auch bei niedriger Luftfeuchte erfolgreich eingesetzt werden.







Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.