
Wie man Schäden an Obst- und Ziergehölzen verhindert
Die Blutlaus (Eriosoma lanigerum) besiedelt neben Apfelbäumen auch andere Rosengewächse und gilt deshalb nicht nur im Obstanbau als Schädling. Im Garten tritt sie an Birne, Quitte, Zierquitte, Cotoneaster oder Feuerdorn auf. Zur Bekämpfung kann man auch auf einen Nützling setzen.
von Jochen Veser erschienen am 10.03.2026Die manchmal verwendete deutsche Bezeichnung „Wollige Apfelblutlaus“ gibt schon einen ersten Hinweis auf die Symptomatik: Die Tiere produzieren auffällige fädige Wachsausscheidungen, unter denen sie gut geschützt sind. Werden Blutläuse zerdrückt, tritt die dunkelrote Körperflüssigkeit aus, die zu der deutschen Bezeichnung „Blutlaus“ geführt hat.
Die Blutlaus stammt ursprünglich aus Nordamerika, hat sich aber schon seit Ende des 19. Jahrhunderts in Europa etabliert und über weite Teile der Erde ausgebreitet. Die rechtliche Einstufung der Blutlaus als „unionsgeregelter Nicht-Quarantäneschadorganismus“ (RNQP) an Apfel, Birne und Quitte und der daraus resultierenden Nulltoleranz beim Handel spiegelt ihre wirtschaftliche Bedeutung im Erwerbsanbau wider.
Erwachsene Blutläuse erreichen eine Länge von etwa 2 mm und sind braun gefärbt, auf dem Körper sind hellere Warzen zu erkennen. Am Hinterleib befinden sich porenartige Öffnungen, über die der zuckerhaltige Honigtau abgegeben wird. In der Praxis sind die Läuse jedoch unter ihren weißen, wachsartigen Ausscheidungen kaum zu erkennen. Meist sind ungeflügelte Stadien zu finden, in den Sommermonaten treten auch geflügelte Tiere auf, die dann für eine großräumigere Verbreitung sorgen können. Die Nymphen ähneln den ungeflügelten erwachsenen Tieren, sind aber kleiner.
Alle Stadien besitzen einen recht langen Saugrüssel, der die Tiere befähigt, an den Trieben und Zweigen saugend die Leitbahnen der Wirtspflanzen zu erreichen. Im Laufe eines Jahres entwickeln sich acht bis zwölf Generationen mit ungeschlechtlicher Vermehrung, die Weibchen gebären lebende Jungtiere. In den Hochsommermonaten geht der Besatz aufgrund zu hoher Temperaturen und veränderter Saftzusammensetzung der Wirtsgehölze etwas zurück, um im Herbst nochmals massiv anzusteigen. Im Herbst wandern die Läuse vor allem bei kleineren Gehölzen und Jungbäumen in die oberste Bodenschicht ab und überwintern dort an den Wurzeln. Bei größeren Bäumen mit zerklüfteter Rindenstruktur finden die Tiere aber wohl auch ausreichend geschützte Überwinterungsorte vor und können zumindest in milden Wintern in den Baumkronen überwintern. In ihrer natürlichen Heimat Nordamerika durchläuft die Blutlaus einen vollständigen Zyklus mit Wirtswechsel auf Ulmus americana, die bei uns jedoch kaum angepflanzt wird.
Sekundäre Schäden
Ein Blutlausbesatz ist aber nicht nur während der Vegetation durch die wachsbedeckten Kolonien auffällig. Ausgelöst durch die Saugtätigkeit der Läuse entstehen Gewebewucherungen an den besiedelten Ästen und Zweigen, die auch im Winter gut zu erkennen sind. Das Abschlussgewebe im Bereich dieser Wucherungen zeigt eine zerklüftete Oberfläche und begünstigt Infektionen durch pilzliche Erreger wie den Obstbaumkrebs.
Ein weiterer auffälliger Nebeneffekt eines Blutlausbesatzes können die klebrigen Beläge auf dem Laub, den Früchten und allen Gegenständen im Umfeld stark besiedelter Bäume sein, auf denen sich rasch Schwärzepilze ansiedeln. Bei besonders starkem Besatz kann es auch zu unmittelbaren Schäden an den Wirtsgehölzen kommen, die von reduziertem Zuwachs über partielles Triebsterben bis zum Absterben kleinerer Gehölze reichen können. Bevorzugt werden Astregionen mit mechanischen Verletzungen zum Beispiel durch Hagel und Kalluswülste an ehemaligen Schnittstellen besiedelt.
Vorbeugung wirksam
Im Ertragsapfelanbau spielt die unterschiedliche Sortenanfälligkeit und die individuelle Empfindlichkeit der Unterlagen eine wichtige Rolle. So gelten zum Beispiel ‘Ontario’ sowie Unterlagen der MM-Reihe als weitgehend resistent gegenüber einem Blutlausbesatz. In der landschaftsgärtnerischen Praxis spielt die richtige Standortwahl eine herausragende Rolle: Sehr windgeschützte Standorte in Gebäudenischen bieten hervorragende Vermehrungsbedingungen für die Schädlinge und sollten daher vermieden werden.
Auch die sachgerechte Pflege bietet einige Möglichkeiten, einem übermäßigen Besatz vorzubeugen. Bedarfsgerechte Bewässerung, verhaltene Düngemaßnahmen sowie regelmäßige sachgerechte Schnittmaßnahmen mit dem Ziel, mastigen Wuchs zu verhindern, stehen im Vordergrund. Zweigverletzungen sind zu vermeiden, Ästungen sollten möglichst früh durchgeführt werden, sodass keine größeren Kalluswülste entstehen.
Natürliche Gegenspieler
Werden erste Kolonien im frühen Frühjahr an den Gehölzen entdeckt, können diese bequem und mit wenig Aufwand mechanisch mit Hilfe einer Bürste reduziert werden, bei größeren Gehölzbeständen wäre auch der sensible Einsatz eines Hochdruckreinigers überlegenswert. Später im Jahr können verschiedene natürliche Gegenspieler der Blutlaus eine Übervermehrung begrenzen. Hier spielt die schon vor etwa hundert Jahren aus ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Nordamerika eingeführte Blutlauszehrwespe Aphelinus mali eine besondere Rolle. Diese hochspezifische Art sucht Blutläuse gezielt auf, parasitiert diese durch die Eiablage in den Körper der Blutlaus, die in der Folge abstirbt.
Parasitierte Blutläuse sind in Kolonien spätestens nach dem Schlupf des Parasiten an einem kleinen Loch in der Außenhaut zu erkennen. Leider sind die Zyklen von Blutlaus und Zehrwespe aber nicht optimal synchronisiert. Insbesondere frühe Warmphasen im Frühjahr führen dazu, dass die Zehrwespen zu früh schlüpfen, noch keine Blutläuse zur Parasitierung finden und die Zehrwespenpopulation deshalb zurückgeht. Erst mit zunehmender Populationsentwicklung der Blutläuse finden die Zehrwespen dann ausreichend Vermehrungsmöglichkeiten, können die Kolonien dann aber oft nicht mehr ausreichend begrenzen. Räuberische Nützlinge wie Ohrwurm, Marienkäfer und deren Larven, Florfliegenlarven und Schwebfliegenlarven können ebenfalls zur Reduzierung der Blutlauskolonien beitragen. Auch Singvögel wie Meisen können oft beobachtet werden, wie sie die Blutläuse von den Zweigen ihrer Wirtspflanzen absammeln.







Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.