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Ökologische Pflege

Offener Boden für Wildbienen & Co.

Die meisten heimischen Wildbienen und andere Tiere nisten im Boden und brauchen dafür offene Stellen. Wer die Artenvielfalt in Grünanlagen fördern möchte, kann also offene Bodenstellen, Erdhügel, lückige Rasen und Sandlinsen einplanen. Dabei gibt es einige Dinge zu beachten.

von Jonas Renk erschienen am 11.03.2026
Sandlinse mit Totholz, Steinen und Bepflanzung in Kelkheim im Taunus © Jonas Renk
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Die meisten der hierzulande heimischen Wildbienenarten nisten im Boden. Dazu graben die Weibchen eine Niströhre in die Erde. Die Ausrichtung und Länge der Niströhre ist von der Art abhängig und reicht von wenigen Zentimetern bis über einen halben Meter. Am Ende des Brutgangs graben die Weibchen in verschiedenen Richtungen Brutzellen. In diesen legen sie jeweils Pollen und ein Ei ab. Anschließend werden erst die einzelnen Brutzellen und dann der gesamte Brutgang verschlossen. Die Larven schlüpfen im Folgejahr.

Zu den?bodennistenden Wildbienen?zählen unter?anderem die Arten der Langhornbienen, Sandbienen, Furchenbienen, Schmalbienen und Seidenbienen. Je nach Art bevorzugen diese Tiere unterschiedlichen Boden mit verschiedener Vegetationsdichte. Von vielen Arten werden offene Stellen mit sandigem oder sandig-lehmigem Boden bevorzugt. Auch die Exposition spielt eine wichtige Rolle: Einige Arten bevorzugen ebenen Boden, andere nisten aber auch in Steilwänden oder Abbruchkanten. Generell sollten die Bodenstellen sonnig sein. Um möglichst viele Wildbienen zu fördern, ist es sinnvoll, verschiedene Nistmöglichkeiten anzubieten.

Weitere Bewohner und Nutzer von offenem Boden

Von offenem Boden profitieren auch viele weitere Tiere. Unter den Wildbienen werden damit zum Beispiel auch Arten gefördert, die die Erde zum Verschluss von Niströhren außerhalb des Bodens zum Beispiel in Pflanzenstängeln, Schneckenhäusern oder Holzlöchern benötigen. Kuckucksbienen wiederum dringen in die Nester der bodennistenden Wildbienen ein und legen dort ihre eigenen Eier ab.

Einige Solitärwespen nisten ebenfalls im Boden und versorgen in den Erdlöchern ihre Nachkommen mit betäubten Raupen, Käferlarven und Spinnen. Weitere Insekten wie Ameisen, bestimmte Käfer und der Ameisenlöwe (Larve der Ameisenjungfer) benötigen offenen Boden als Lebensraum. Sandige Bodenstellen werden außerdem von Reptilien zur Eiablage und von Vögeln zur Gefiederpflege genutzt.

Mehrere Möglichkeiten

Offenen Boden anlegen

Am einfachsten ist es, offene Stellen im natürlich anstehenden Boden anzulegen. Dazu wird an einer geeigneten sonnigen Stelle der Boden (zum Beispiel Sand, Lehm oder Löss) die Vegetation entfernt und die Stelle von einem erneuten Bewuchs weitgehend freigehalten. Auch bei der Anlage eines Staudenbeets oder bei der Ansaat einer Blühfläche oder Wiese kann man gezielt offene Bodenstellen belassen und entsprechend erhalten. Die Bereiche sollten mindestens einen halben Quadratmeter groß sein. Wenn die Stellen mit Steinen oder liegendem Totholz eingefasst und damit zum Freihalten gekennzeichnet werden, werden zusätzliche Lebensraumstrukturen für andere Tiere angeboten.

Sandmagerrasen-Biotop mit offenem Boden im Botanischen Garten der Universität Würzburg
Sandmagerrasen-Biotop mit offenem Boden im Botanischen Garten der Universität Würzburg © Jonas Renk

Erdhügel mit Abbruchkante

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, kleine Erdhügel mit Abbruchkante anzulegen. Dazu werden entweder kleine Hügel mit geeignetem Boden geschaffen, der eher keinen Humus und Pflanzenreste enthalten sollte, oder es werden vorhandene Erdhaufen genutzt. An der besonnten Südseite wird eine mindestens 20 cm große senkrechte Kante abgestochen und der offene Boden und die Abbruchkante vom Zuwachsen freigehalten. Eine Einfassung mit Steinen oder Totholz kann auch hier sinnvoll sein.

Beläge mit Sand

Pflasterflächen mit relativ kleinen Natur- oder Betonsteinen mit (idealerweise ungewaschenem) Sand in den Fugen und im Pflasterbett sowie entsprechend gestaltete Flächen mit Rasengittersteinen werden auch oft von Wildbienen angenommen. Zu deren Schutz sollten solche Beläge nicht mittels Hochdruckreiniger, Unkrautbürste oder Abflammgerät bearbeitet und im Winter sollte kein Salz darauf gestreut werden.

Äußere Zugänge zu Niströhren in einer Pflasterfuge aus ungewaschenem Sand
Äußere Zugänge zu Niströhren in einer Pflasterfuge aus ungewaschenem Sand © Jonas Renk

Sandlinsen

Inzwischen werden in Gärten und Grünanlagen auch häufig Sandlinsen (auch „Sandarium“ genannt) angelegt. In Gebieten mit natürlicherweise sandigem oder sandig-lehmigem Boden sind diese im Grunde unnötig, da hier offene Bodenstellen oder Erdhügel mit Abbruchkanten ausreichen. Wie sinnvoll Sandlinsen in Gebieten sind, in denen der natürliche Boden für die entsprechenden Wildbienen eher ungeeignet ist, wird kontrovers diskutiert. Ein Argument ist, dass in solchen Gebieten auf sandigem oder sandig-lehmigem Boden spezialisierte Wildbienen eigentlich eher selten vorkommen, weil ihre Bodenansprüche nicht erfüllt sind und weil Wildbienen nur einen relativ geringen Aktionsradius haben.

Andererseits ist der Boden gerade im Siedlungsraum von Menschen oft stark verändert, und es gibt dort Strukturen wie die genannten Pflasterfugen und Rasengittersteine, sandige Stellen auf Spielplätzen und sandhaltige Substrate, die von Bodennistern genutzt werden. So können Sandlinsen im Siedlungsraum als Trittsteinbiotope durchaus zur Lebensraumvernetzung für Wildbienen und andere Tiere beitragen.

Wenn die Sandlinsen mit Öffentlichkeitsarbeit wie Info-Tafeln einhergehen, dient die Maßnahme zudem der Umweltbildung und dem Naturerlebnis. Solche Info-Tafeln vor Sandlinsen sind im öffentlichen Raum besonders wichtig. Sie können über Tiere und Anlage informieren, zur Akzeptanz für die Maßnahme beigetragen und Beschädigungen ein Stück weit vorbeugen.

Zu beachten bei Sandlinsen

Bei der Wahl des Standorts für eine Sandlinse und bei der Umsetzung gibt es einiges zu bedenken: Der Standort muss sonnig und trocken sein, Regenwasser sollte gut abfließen können. Verwendet wird vorzugsweise natürlicher, ungewaschener Sand mit Feinanteil oder sandig-lehmiger Boden aus der Region. Sandlinsen werden in einer vorher in den Boden gegrabene Mulde oder erhöht auf dem anstehenden Boden angelegt. Mit einer Erhöhung werden Sandlinsen stärker wahrgenommen und sind besser vor einem Betreten oder Bespielen als „Sandkasten“ geschützt. Außerdem kann sich so weniger Regenwasser anstauen.

Der Boden wird etwa 50 bis 60 cm dick aufgeschüttet und schichtweise mit den Schuhen verdichtet. Die Einfassung einer erhöhten Sandlinse kann mit einer kleinen Steinschüttung oder einer kleinen Trockenstützmauer erfolgen. Bei undurchlässigem Untergrund kann eine Schicht Kies darauf vor sich anstauendem Regenwasser schützen. Etwas Totholz kann das Lebensraumangebot in der Sandlinse ergänzen. Um zu verhindern, dass Katzen in der offenen Fläche koten, kann man dort dornige oder stachelige Zweige verteilen oder ein grobes Drahtgeflecht auflegen. Häufig können Sandlinsen auch auf extensiven Dachbegrünungen platziert werden, wo sie optimal vor Störungen geschützt sind.

Die Sandlinse sollte weitgehend von Pflanzen frei sein. In größeren Sandlinsen können aber einzelne Stauden gepflanzt werden, die Trockenheit vertragen und Wildbienen Nektar und Pollen bieten. Geeignet erscheinen zum Beispiel Thymian, Dost (Origanum vulgare), Salbei, Sedum, Hauswurze (Sempervivum) und Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris). Die Pflanzen sollten den Boden aber nicht überwuchern und verschatten. Vor allem sollten keine flächig austreibenden Pflanzen wie Brombeeren unkontrolliert in die Niststrukturen hineinwachsen. Um ein Zuwachsen der Nistelemente zu verhindern, werden über Hand nehmende Pflanzen vorsichtig mit der Hand herausgezogen oder abgeschnitten.

Auf Sandlinsen, die bereits von Bodennistern besiedelt sind, wird kein neuer Sand nachgeschüttet, damit den vorhandenen Tieren nicht geschadet wird. Im Laufe der Zeit können an anderen Stellen neue Sandlinsen angelegt werden.

Umfeld

Insgesamt sollte den Wildbienen in der Nähe der offenen Bodenstrukturen ein breites Spektrum an Blüten vom Frühjahr bis in den Herbst Nahrung bieten. Manche Wildbienen sind bei der Wahl der Blüten relativ flexibel, andere sind auf bestimmte heimische Pflanzen spezialisiert. Naturnah gepflegte Wiesen und Weiden, vielfältige Staudenbeete und Hecken sowie mehrjährige Blühflächen können als wichtige Nahrungsquellen dienen. Gehölzstrukturen oder Haufen aus Schnittgut und Totholz können von den Tieren als Ruhe- und Übernachtungsplätze genutzt werden. All diese Maßnahmen fördern viele weitere Tiere.

Weitere Informationen im Netz

Deutsche Wildtier Stiftung:

Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV):

Pro Natura:

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