
Ein Markt mit Dynamik – aber nicht ohne Grenzen
Wood Plastic Composites, kurz WPC, galten lange als rein technischer Ersatz für Holz, der vor allem eines sollte: funktionieren. Heute ist daraus eine eigene Materialklasse geworden. Die neue Generation von WPC tritt selbstbewusst auf, mit verbesserten Oberflächen, höheren Garantien und einem wachsenden Marktanteil. Doch hält das Material, was es verspricht?
von Angela Reißenweber, Garz auf Rügen erschienen am 26.02.2026WPC hat sich in den vergangenen Jahren vom belächelten „Plastikholz“ zu einem ernstzunehmenden Baustoff entwickelt. Die Branche spricht inzwischen von einer „neuen Generation“, mit verbesserten Oberflächen, längeren Garantien und wachsendem Marktanteil. So ist WPC längst kein Nischenprodukt mehr. Der weltweite Markt wächst rasant und soll sich in den kommenden Jahren mehr als verdoppeln, von rund 7 Milliarden auf über 15 Milliarden US-Dollar.
Im gewerblichen und öffentlichen Bereich gewinnt das Material an Bedeutung, denn WPC spielt seine Stärken vor allem funktional aus: Es ist wartungsarm, das heißt kein Streichen, kein Ölen, einfache Reinigung. Es ist witterungsbeständig, also weniger anfällig für Feuchtigkeit und es splittert nicht. Darüberhinaus ist es formbar und letztendlich formstabiler als Holz, weil es sich nicht verzieht.
Die heutigen WPC-Produkte haben mit den frühen Varianten wenig zu tun. Wichtig sind der Schutzmantel um den oft holzhaltigen Materialkern (Co-Extrusion), die höhere UV-Beständigkeit, die verbesserte Fleckenresistenz, die deutlich realistischere Holzoptik. Gerade im stark beanspruchten oder exponierten Bereichen (zum Beispiel Gastronomie, Schwimmbäder, Dachterrassen) haben sich diese Systeme bewährt und behalten hier ihre Berechtigung.
So sehr sich die Oberfläche verbessert hat, WPC ist und bleibt ein industrielles Produkt. Im Vergleich zu Holz fehlt die natürliche Maserungstiefe, der Alterungscharakter, die „Lebendigkeit“ des Materials. WPC wird häufig als zu gleichmäßig, zu künstlich empfunden – also eher „technisch“ statt atmosphärisch. Darum wird Holz im privaten, gestalterisch anspruchsvolleren Bereich weiterhin dominant bleiben – und punktet vor allem mit seiner ästhetischen Qualität und emotionalen Wirkung.
Nachhaltigkeit – Wunschdenken oder Realität?
WPC wird oft als nachhaltige Alternative vermarktet, die Realität ist allerdings differenzierter.
Positiv: Es besteht zu großen Teilen aus Holzfasern, es kann Recyclingkunststoffe enthalten, es schneidet in der Ökobilanz besser ab, als Tropenholz. Aber: Recycling nach Nutzung ist oft schwierig, viele Produkte werden am Ende verbrannt statt wiederverwertet. Die Ökobilanz hängt stark von Zusammensetzung und Lebensdauer ab. WPC ist also kein „grünes Wundermaterial“, sondern nimmt eher eine solide Mittelposition zwischen Holz und Kunststoff ein.
Viele Hersteller werben inzwischen mit 20, 25 oder sogar 50 Jahren Garantie. Hier müssen die Garantiebedingungen genau gelesen werden. Die Garantie ist oft eingeschränkt auf bestimmte Bedingungen ausgerichtet.
Das eigentliche Problem ist allerdings die langfristige Durchsetzbarkeit. Was passiert, wenn der Hersteller nicht mehr existiert? Wenn Produktlinien eingestellt wurden? Wenn Materialien nicht mehr kompatibel sind? Dann wird die Garantie schnell theoretisch. Realistisch eingeschätzt bedeutet das: Technisch können hochwertige WPC-Produkte sehr langlebig sein, aber eine „50-Jahre-Garantie“ ist ökonomisch unrealistisch. Sie ist eher ein Signal für das Vertrauen des Herstellers in sein Produkt und nicht zwingend eine echte Absicherung über Jahrzehnte.
Wer bei BPC (Bamboo-Plastic-Composites) oder WPC von Kreislaufwirtschaft spricht, sollte auch den Nachweis dafür erbringen können. Gebrauchte Dielen, Zäune oder Sichtschutzelemente zurückzunehmen, zu lagern, zu zerkleinern, aufzubereiten und wieder in neue Produkte zu überführen, ist im größeren Maßstab kein lockerer Service, sondern ein technisch und rechtlich anspruchsvoller Anlagenbetrieb. Das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und die 4. BImSch Verordnung machen klar, dass Errichtung und Betrieb solcher Anlagen meistens genehmigungspflichtig sind. Altmaterial kann also nicht einfach wieder eingesammelt und ganz nebenbei zurück in den Kreislauf gebracht werden. Grundsätzlich gilt: Ohne Anlage, ohne Prozess und ohne Genehmigung, gibt es keinen Kreislauf. Vor diesem Hintergrund bleibt von werbewirksamen Recycling-Versprechen oft nicht viel übrig.
Der stille Pragmatiker unter den Baustoffen
Die neue Generation von WPC ist in der Tat besser als ihr Ruf.?Sie ist langlebiger, technischer und vielseitiger geworden. Aber sie bleibt, was sie ist: Kein Ersatz für Holz, sondern eine Alternative mit anderer Logik. Wer Funktion sucht, findet in WPC einen guten Partner.?Wer Atmosphäre sucht, wird weiterhin zu Holz greifen.
Einige Hersteller haben uns – über allgemeine Produktinformationen hinaus - kritische Fragen vor allem zum Thema Recycling beantwortet, sodass Sie sich selbst eine Meinung zu den einzelnen Produkten bilden können.
1> NaturinForm hat die „Piazza Familie“ für den Outdoor-Alltag entwickelt. Piazza kann auf offenen, gut belüfteten Terrassen mit Null-Grad-Gefälle verlegt werden. Die verdeckte Befestigung erfolgt mit dem NaturinForm-Klammersystem. Das gesamte Montagesystem bietet darüber hinaus eine große Auswahl an nützlichem Zubehör.
- Piazza Prima eignet sich für private Außenbereiche. Mit 19 mm Dielenhöhe vereint sie alle Qualitätsmerkmale ihrer Geschwister: 360-Grad-Ummantelung, natürliche Holzoptik und Pflegeleichtigkeit. Es gibt sie in 6 Naturholztönen.
- Piazza Mondo ist im Format 140 x 21 mm erhältlich und damit sowohl für private Terrassen also auch für Gastronomieflächen oder öffentliche Anlagen geeignet. Es gibt sie in vielen natürlichen Farben.
- Piazza Pro, mit einer Stärke von 25 mm und einer Breite von 140 mm ist ideal für Freizeitanlagen, Hotelterrassen, Gastronomieflächen oder öffentliche Plätze. Auch hier steht eine große Palette von UV-stabilen, natürlichen Tönen zur Wahl.
Auch die Piazza-Familie wird, wie alle anderen Dielen aus dem Sortiment, aus dem gleichen, kreislauffähigen WPC-Material gefertigt, das Holzfaserreste aus der Industrie upcycelt und mit einem umweltfreundlichen Polymer verbindet. Alle Produkte des Unternehmens sind für die Dauerhaftigkeitsklasse 1 zertifiziert und mindestens 25 Jahre haltbar. Es gibt Tests eines unabhängigen Instituts, die garantieren, dass das Material spielzeugtauglich wäre.
Mit der firmeneigenen Re-Form-Recyclingbox bietet das Unternehmen eine kostenfreie Rücknahme rückgebauter NaturinForm-Dielen und von Verarbeitungsresten an. Laut eigenen Angaben, stehen 100 dieser Boxen bundesweit zur Verfügung. Eine Box fasst etwa 500 kg. Die Frage nach dem Materialwert einer Box wird übergangen. Wie viel davon wird wirklich recycelt? Dazu die Leiterin Marketing und Kommunikation: „Zu den Mengen machen wir aus Wettbewerbsgründen keine konkreten Angaben. [...] Wir produzieren ja nicht, um den Kreislauf zu bedienen, viel mehr sollen unsere Kunden lange Freude an und mit unseren Produkten haben.“
Laut Firmenangabe werden Reststücke, die über dieses System eingesammelt werden, erneut dem Produktionskreislauf zugeführt. Händler und zertifizierte Handwerksbetriebe können kostenfrei an diesem Programm teilnehmen. Für jede Box geht eine Spende von 5 Euro an ein Naturschutzprojekt.
Woher kommt die Motivation der Kunden, an einem solchen Projekt teilzunehmen? Zitat: „Die Motivation kommt aus der Haltung unserer Kunden, dass man wertvolle Materialien weiter nutzbar macht und damit an der Ressourcenschonung mitwirkt. Außerdem entfällt für diese damit der Weg zum Wertstoffhof oder die Entsorgung über den Hausmüll. Die Höhe der Spende kommentieren wir nicht.“ Und weiter: „Wir stellen vor der Rücknahme sicher, dass es sich ausschließlich um WPC von NaturinForm handelt, denn nur das können wir in unserem Kreislauf verarbeiten, damit das Material sauber bleibt. Sollten sich in den Boxen andere Materialien befinden, werden wir für die Bearbeitung, Trennung, Entsorgung eine Gebühr (50 Euro) erheben.“
> Trex Company – der Erfinder von WPC: Auch vom weltweit größten Hersteller holzalternativer Terrassendielen und Geländer bekamen wir ausführliche Antworten auf unsere Fragen. Das Unternehmen hat die Diele aus Holz-Kunststoff-Verbundmaterial (WPC) vor über 30 erfunden und seitdem laufend weiterentwickelt. Die Outdoor-Living-Produkte bieten eine breite Palette an Stiloptionen, sind pflegeleichter als Holz und zudem eine umweltfreundliche Wahl. Sie schonen Ressourcen, da sie zu 95 Prozent aus wiedergewonnenen Sägespänen und recycelten PE-Folien (Polyethylen) bestehen.
Die Terrassendielen gibt es in fünf Grau- und Brauntönen mit dezenter Maserung. Verfügbar sind zudem Dielen mit und ohne Nut, in Längen bis 610 Zentimeter. Sie bestehen aus etwa 50 % Hartholzfasern und 50 % Polyethylen (PE). Keine Kleber, Füll- / Streckmittel. Beide Komponenten werden beim Erhitzen des Kunststoffs, ähnlich dem Mischen eines Kuchenteigs, miteinander verbunden. Vor dem Extrusionsprozess, bei dem die endgültige Form der Diele entsteht, wird die Ummantelungsschicht mit Polyethylen ohne Holzfasern oben und seitlich ergänzt. In dieser dünnen, Holzfreien PE-Schicht sind Zusatzstoffe eingebracht, wie zum Beispiel Farbmittel, UV-Schutz sowie Härteadditive.
Die Sägespäne stammen überwiegend aus der Parkett- und Möbelindustrie. Dabei handelt es sich um sortenreine, gehobelte und gesägte Hartholzreste, die für die Produktion recycelt werden. Diese Materialien sind in der Regel umweltfreundlich vorgetrocknet und bereits frei von groben Verunreinigungen. Zusätzlich wird das gesamte Trex Recyclingmaterial technisch aufbereitet und gereinigt. Spezielle Maschinen, Kamerasysteme und Metallerkennungsgeräte identifizieren und entfernen Fremdstoffe wie Metalle oder ungeeignete Kunststoffe (nicht PE), bevor das Material in die Produktion gelangt. Grundsätzlich ist das recyceln möglich. Nach eigenen Angaben besteht jedoch kein Bedarf und es gibt keine Anfragen, da die Dielen eine sehr lange Lebensdauer haben und optisch über viele Jahre hinweg ansprechend bleiben. Dennoch existieren Verfahren und Maschinen, mit denen alte Trex Terrassendielen recycelt werden können. Bei Privatnutzung gibt es auf die Produkte 50 Jahre Garantie, vorausgesetzt, dass sie gemäß den Trex-Richtlinien montiert und verwendet werden. Für Details wird auf die Garantiebedingungen hingewiesen.
2> NOVO-TECH Gruppe: Regenerativ statt nur nachhaltig: Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und das „Cradle to Cradle“ Prinzip gehören zur gelebten Philosophie der Novo-Tech-Gruppe. Schwerpunkt ist die Entwicklung und Herstellung des besonders nachhaltigen Holzwerkstoffes GCC (German Compact Composite), der als Basis für langlebige Produkte in der Außenanwendung dient.
Als erster deutscher Hersteller konnte NOVO-TECH den patentierten Holzwerkstoff im Jahr 2020 erfolgreich der Cradle-to-Cradle-Zertifizierung unterziehen und mit GOLD abschließen. Das Zertifikat des unabhängigen Cradle to Cradle Products Innovation Institute, ist wissenschaftsbasiert und umfasst das Entwerfen, Herstellen und Überprüfen von Materialien und Produkten. Zudem beschreibt das Land Sachsen-Anhalt als Standort des Unternehmens ausdrücklich, dass mit NOVO-TECH Circular eine Aufbereitungsanlage errichtet wurde, in der zum Beispiel Rotorblätter von Windkraftanlagen recycelt und die gewonnenen Kunstharze wieder in Produkte wie Terrassendielen, Zäune und Fassaden überführt werden. Durch den Einsatz von einer Tonne recyceltem GCC werden dabei etwa 3,8 Tonnen CO2-Äquivalente an Emissionen eingespart.
Das Besondere am eigenen Holzwerkstoff: Er enthält mit bis zu 75% atro (= Maßeinheit für die Masse einer Tonne absolut trockenen Holzes), einen weltweit einzigartig hohen Anteil an nachwachsenden Naturfasern. Zur Gewinnung fes Holzanteils werden Späne aus der regionalen Hobel- und Sägeindustrie verwendet. Kombiniert mit High-Performance-Polymeren aus erster Industrieanwendung und anderen Sekundärrohstoffen, entsteht der robuste Werkstoff. Kein Bestandteil des GCC hat schädliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Darüber hinaus werden in der Produktion ausschließlich erneuerbare Energien eingesetzt, es wird auf sauberes Wasser, gute Luftqualität, regenerative Bodenbewirtschaftung und faire Arbeitsbedingungen geachtet.
Neu ist die Terrassendiele Lignum von der Tochterfirma megawood. Im Farbton Tan zeigt sie Persönlichkeit, denn in einem patentierten Herstellungsverfahren entsteht die strukturierte Oberfläche, die jede Diele zu einem Unikat macht. Ob mit breitem oder schmalem Profil, die Dielen lassen sich ganz nach Geschmack verlegen und schaffen ein stilvolles Terrassenbild. Auch die Lignum wird aus GCC gefertigt und ist Cradle-to-Cradle-Certified.
> Kerama - Langlebigkeit als Nachhaltigkeitsfaktor: Mit einem ganzheitlichen Produktsystem – von Terrassendielen über Unterkonstruktionen bis hin zu Fassadenbekleidungen – verfolgt der niederländische Hersteller Kerama das Ziel, Funktionalität, Design und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden. Ein zentraler Unterschied zu herkömmlichen WPC-Terrassendielen, ist das Material. Die Dielen bestehen zu 100 % aus Polymeren (Advanced-PVC, Polyvinylchlorid) mit Recyclinganteil, vollständig ohne Holzfasern und sind daher bis zu 50% leichter und bis zu 25% kühler. Der holzfaserfreie Kern macht die Dielen besonders resistent gegen Feuchtigkeit, Quellen oder Verrottung. Zudem erhalten alle Produkte einen Schutzmantel (Coextrusion) der für eine dauerhafte Oberfläche sorgt.
Alle Kerama Produkte haben einem Recyclinganteil von >30%, die Produktlinie Dura sogar zu 60%. Hinter dem Recyclingprozess steht ein Unternehmen, dass sich auf das Kunststoff Recycling spezialisiert hat. Der Hauptanteil kommt aus der Bauindustrie und sind Kunststofffenster, PVC-Böden, -Profile und -Verpackungen. Um eine gleichbleibend hohe Qualität sicherzustellen, durchlaufen alle recycelten Rohstoffe Prüf- und Aufbereitungsprozesse. Dazu zählen mehrstufige Sortierverfahren, Reinigungsprozesse sowie Qualitätskontrollen nach industriellen Standards. So wird gewährleistet, dass keine schädlichen Verunreinigungen oder Schadstoffe in das Endprodukt gelangen. Die explizite Frage nach Schadstoffen wird mit einem Link zum Mutterunternehmen TimberTech beantwortet: Sustainable Outdoor Living Solutions | TimberTech.
Am Ende ihrer Nutzungsdauer sind DURA-Dielen grundsätzlich wieder recycelbar und können erneut dem Materialkreislauf zugeführt werden. Eine direkte Rücknahme gebrauchter Dielen befindet sich derzeit – abhängig von regionalen Strukturen und logistischen Rahmenbedingungen – in Prüfung beziehungsweise Entwicklung. Ziel ist es, langfristig geschlossene Stoffkreisläufe weiter auszubauen.
Die DURA-Terrassendielen werden von TimberTech in den USA gefertigt. Trotz der damit verbundenen Transportwege ist die Umweltbilanz durch mehrere Faktoren akzeptabel: Den hohen Recyclinganteil der Materialien, die lange Nutzungsdauer, den geringen Wartungs- und Austauschbedarf.
> Millboard als holzfreie Alternative: Gerne hätten wir auch ein Update zu den Produkten des britischen Herstellers Millboard aus dem letzten WPC-Bericht gegeben. Leider ist das nicht möglich. Zitat, Millboard Business Develop Manager: „Wir sind an einer Veröffentlichung in der DEGA GALABAU nicht interessiert. Daher erübrigt sich die Beantwortung Ihrer Fragen.“
Also wissen wir leider nicht, was ein „holzfreier Mineralfaser-Verbundstoff mit einem polymeren Kunststoffkern, verstärkt durch Glasfaser“ bedeutet und ob sich dahinter ein echter, funktionaler Vorteil verbirgt. Und die sechs Seiten Garantiebedingungen bleiben ebenfalls unkommentiert.
Michael Braungart ist Verfahrenstechniker und Chemiker. Er entwickelte zusammen mit William McDonough das Cradle-to-Cradle-Konzept. Braungart ist Professor an der Erasmus-Universität Rotterdam und an der Leuphana Universität Lüneburg, Professor für Eco-Design, Geschäftsführer der Environmental Protection Encouragement Agency Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg (EPEA) und wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstituts.
„Vielfach wird Recycling von PVC als eine Lösung angeboten. Aber PVC ist das falsche Material. Es enthält über 50 % Chlor. Im Fall eines Feuers entstehen tausende hochgiftige Verbrennungsprodukte.
Ich komme gerade aus Ägypten zurück. Dort liegt meterhoch Plastik herum. Da in den Verpackungen 5 % PVC enthalten ist, kann man das Material noch nicht einmal verbrennen, ohne sich zu vergiften. Wenn kein PVC in Verwendung wäre, könnte man aus dem Plastikmüll durch Pyrolyse Öl gewinnen. So kostet das Waschen der Verpackungen dreimal mehr als der Wert des Plastiks, und darum bleibt es liegen. Wir sagen dann zu leicht und rassistisch, die Menschen dort hätten kein Umweltbewusstsein.
Bei Terrassendielen ist es noch schlimmer. Wenn man alte PVC-Verkleidungen von Häusern in Terrassendielen gibt, kann es Schwermetalle wie Blei und Cadmium enthalten. Die Wandverkleidungen von amerikanischen Häusern sind besonders problematisch. Das kann im Prozentbereich liegen. Dabei ist Cadmium 1000 mal giftiger als Blei. Auch die Weichmacher Phthalate, die hormonell wirksam sind und Menschen unfruchtbar machen, dünsten aus Produkten aus. Dadurch wird die Terrasse zur Deponie von gefährlichem Sonderabfall. Und was ist danach?
Materialien müssen unbedingt so entwickelt werden, dass sie für ein echtes Recycling geeignet sind und dass sie im Eigentum des Herstellers bleiben, der lediglich die Dienstleistung abgibt, sodass ein echtes Recycling möglich ist.
Alle Zutaten müssen positiv definiert werden, wie bei einem Kochrezept. Dort wird auch nicht angegeben: frei von Hähnchen, sondern es muss positiv definiert werden, welche Inhaltsstoffe drin sind.
PVC ist für Terrassen das denkbar ungeeignetste Material. Wer mehr wissen will, es gibt ein Buch, in dem man dies nachlesen kann. Der Originaltitel lautet ‘Our Stolen Future.“
Anmerkung: Die bedrohte Zukunft. Gefährden wir unsere Fruchtbarkeit und Überlebensfähigkeit? Mit Dianne Dumanoski, John Peterson Myers. Vorwort von Al Gore, Droemer-Knaur, München 1996.
Zu den unkritischeren Materialien zählen Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP). Sie geben kaum Stoffe ab und sind frei von Weichmachern – also auch lebensmitteltauglich.
Im Mittelfeld: PET (Polyethylenterephthalat) - bekannt aus Getränkeflaschen, ist grundsätzlich stabil, reagiert jedoch empfindlicher auf Hitze, wiederholte Nutzung, mechanische Belastung.
Problematische Kunststoffe: Deutlich kritischer zu bewerten sind Materialien wie PVC (Polyvinylchlorid), Polystyrol (PS) oder ältere Polycarbonate (PC). PVC wird häufig erst durch sogenannte Weichmacher flexibel – siehe Kommentar Prof. Braungart. Polystyrol, bekannt als Styropor, kann bei Wärme oder Kontakt mit fetthaltigen Lebensmitteln Styrol freisetzen, was gesundheitlich kritisch diskutiert wird. Polycarbonat, ältere Produkte enthalten häufig Bisphenol A, eine hormonell wirksame Verbindung. Zwar ist die Anwendung inzwischen reguliert, doch ältere Materialien sind weiterhin im Umlauf.
Entscheidend ist die Nutzung
Vier Faktoren erhöhen das Risiko, dass Schadstoffe aus Kunststoff freigesetzt werden: Hitze, lange Kontaktzeiten, Kontakt zu fettigen oder sauren Produkten, mechanische Abnutzung (Kratzer, Alterung).
Eine Terrasse ist zwar unter freiem Himmel, aber hier sitzt man lange, es spielen Kinder, es gibt Hautkontakt und viel Sonnenwärme.
















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