
Ein Mann für die Landschaftspflege
Mit 21 machte sich Steffen Debatin selbstständig und betreibt seitdem die Kleinstfirma Natura Service GmbH. Mit ihr macht er es sich zum Ziel, hochwertige Landschaftspflege auszuführen. Dabei verbindet er die Erkenntnisse, die er in der Landwirtschaft der Familie, als Landschaftsgärtner und im Landschaftsarchitekturstudium erworben hat. Uns hat er sein kleines Unternehmen vorgestellt.
von Julia Bächtle erschienen am 25.02.2026Steffen Debatin ist ein nachdenklicher Mensch. Auf den ersten Blick wirkt er schüchtern und zurückhaltend. Ich glaube nicht, dass er das ist. Vielmehr überlegt er gründlich, bevor er antwortet. Wägt sorgfältig die Worte ab, die er wählt. Hat genau erkannt, wofür er seine Energie verwenden möchte. Mit seinen gerade einmal 30 Jahren widmet er sich mit vollem Einsatz der Landschaftspflege.
Sein Einsatz kommt nicht von ungefähr. Debatin ist mit der elterlichen Nebenerwerbslandwirtschaft großgeworden. Die Natur interessierte ihn schon als Kind. Schon früh war für ihn klar, dass sein späterer Beruf mit der Umwelt zu tun haben sollte. „Mit 17 Jahren begann ich mich intensiv mit dem Thema Landschaftspflege zu beschäftigen und erkannte dabei ein großes Defizit: In meiner Region fehlte es an fachgerechter Pflege von ökologisch wertvollen Flächen“, erzählt er.
Aus diesem Grund entscheidet er sich gegen eine Ausbildung in der Landwirtschaft. „Landwirtschaftliche Betriebe setzen zunehmend auf Großtechnik in Grünland und Ackerbau.“ Doch was die Landschaft artenreich macht, ist die Kleinteiligkeit. Das hat er von seinem Vater gelernt. „Die Landwirte früher haben nach Bedarf und nach Wetter gemäht und gedroschen. Auf kleinen Schlägen. So ist eine große Habitatvielfalt entstanden.“
Der Wunsch, etwas für die Umwelt tun zu wollen, lässt ihn trotzdem nicht los: Er absolviert eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner. Der Beruf macht ihm Spaß, vor allem der Aspekt, mit vielen unterschiedlichen Materialien zu arbeiten. Dennoch sieht er sich nicht an seinem Ziel angekommen: „Der Garten- und Landschaftsbau fokussiert sich vor allem auf Privat- und Gewerbekunden“, stellt er fest. „So entsteht eine Lücke zwischen GaLaBau und Landwirtschaft.“ Auf der Strecke bleibt der Landschafts- und Artenschutz. Viele Flächen, die Potenzial hätten, werden nicht oder mit fehlender Kenntnis gepflegt.
Bald ist klar: Der junge Landschaftsgärtner will diese Lücke schließen. Und er erkennt: Die Fähigkeiten, die er als Gärtner erlernt hat, sind eine wichtige Grundlage dafür. Er entscheidet sich, sich zum staatlich geprüften Techniker im GaLaBau weiterzubilden, um sich auch das notwendige Wissen zur Betriebsführung anzueignen. Damit hat Debatin alles Nötige zusammen: 2016, mit gerade mal 21 Jahren, gründet er sein eigenes Unternehmen „Natura Service GmbH“.

Für seine Auftraggeber bietet er die fachlich fundierte Landschaftspflege an. Schnell ist das sein Alleinstellungsmerkmal, denn andere Landschaftsgärtner in der Region sind entweder auf Privatgärten oder auf öffentliches Grün fokussiert. Er mäht Wiesen, pflanzt Hecken, bekämpft Neophyten und setzt Artenschutzmaßnahmen um. Des Weiteren engagiert er sich in der NABU-Ortsgruppe Hambrücken bei der Entwicklung des Naturschutzgebiets „Saalbachniederung“.
Gute Planung spart Geld
Parallel absolviert er ein Studium der Landschaftsarchitektur in Nürtingen. Hier bekommt der Landschaftsgärtner den letzten Schliff. „Das Studium war für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig“, findet er. Außerdem lernt er hier viel über Gestaltung und Bauablauf – etwas, das in der Landschaftspflege aus seiner Sicht oft fehlt. „Es gibt viele Biologen, die ein beeindruckendes Artenwissen mitbringen und genau wissen, was für die jeweilige Art zu tun ist“, erklärt er. „Aber das Praxiswissen zur Umsetzung fehlt.“ Dieses Wissen bringt er ein – er ist nicht länger einfach nur Dienstleister, sondern berät seine Auftraggeber auch aktiv, denn, so Debatins Devise, auch Ausgleichsmaßnahmen sollten ins Landschaftsbild passen. „Am besten erkennt man am Ende gar nicht, dass es eine Ausgleichsmaßnahme ist“, betont er.
Stattdessen regt er seine Auftraggeber an, vernetzt zu denken – und vor allem die Pflege bei der Planung von Ausgleichsmaßnahmen direkt mitzudenken. Das können beispielsweise Abstände zwischen Hecken und Holzhaufen sein: Wenn hier bereits in der Planung die Mäherbreite bedacht wird, ist später bei der Pflege weniger händisches Ausmähen erforderlich. Das spart Zeit und vor allem Geld – schließlich ist die Pflege, oft unterschätzt, langfristig deutlich kostenintensiver als die ursprüngliche Anlage. Außerdem können turnusmäßige Pflegemaßnahmen wie zum Beispiel der Rückschnitt von Bestandshecken gut mit einer Neuanlage von Reptilienausgleichsflächen kombiniert werden.
Allmählich weitet der Landschaftsgärtner dabei sein Portfolio aus, baut Reptilienschutzzäune, macht Mähgutübertragungen für Wiesen und artenreiche Äcker, schafft sich Spezialgerät für die Mahd an steilen oder in nassen Flächen an und pflegt Flächen von Darmstadt bis Offenburg – allein oder zusammen mit seinem Vater, seinem derzeit einzigen Angestellten. Und er sammelt Erfahrungswissen. Er mäht nicht einfach nur, sondern will auch verstehen, was er im Einzelnen bewirkt – und was er vielleicht besser machen könnte. „Was hilft es zum Beispiel einer Eidechse oder einem Insekt, wenn ich schonend mit dem Balkenmäher arbeite, aber das Tier dann mit der breiten Bereifung überfahre oder beim Abfahren des Mahdguts schädige?“, fragt er. Debatin sieht statt des Details vielmehr das große Ganze: Aus seiner Sicht kommt es weniger auf die Mahdtechnik an, sondern auf das Management der Fläche.
1Klein bleiben um den Idealen treu zu bleiben
Das große Ganze zu sehen ist überhaupt das, was den jungen Mann antreibt. „Mir ist es wichtig, einen Schritt zurückzutreten und das Gesamtbild zu sehen“, erklärt er. „Wenn ich etwas für eine Art mache, ist das oft ein Nachteil für eine andere Art. Das ist eine Frage der Priorisierung.“ Debatin strebt deshalb bei jeder der von ihm betreuten Flächen die größtmögliche Habitatvielfalt an – um eben nicht nur eine Art zu schützen, sondern möglichst viele. Nur durch solches Handeln, da ist er sich sicher, wird auch später die Generation seiner Tochter die Arten erleben, die es heute zu schützen gilt.
Diese Zukunftsorientiertheit zeichnet Steffen Debatin aus. „Der schlimmste Satz für mich ist ‚das haben wir immer schon so gemacht‘“, lacht er. „Auch ich habe am Anfang Fehler gemacht. Gemäht, wie ich es heute nicht mehr machen würde. Man lernt durch Erfahrungen.“ Der Landschaftspfleger – denn als solchen sieht er sich, die Bezeichnung Landschaftsgärtner passt nicht ganz zu dem, was er tut, will sich und seine Firma weiterentwickeln. Das kann auch bedeuten, dass er irgendwann einmal Mitarbeiter einstellen muss – zu tun gäbe es genug. Doch bei diesem Schritt zögert er noch. „Ich habe diese Firma gegründet, um das zu tun, was mir Spaß macht“, betont er. Mitarbeiter wären eine andere Verantwortung. „Wenn ich mich dafür entscheide, möchte ich auch gute Leute gewinnen und diese halten.“
Man darf gespannt sein, wie sich das Unternehmen des jungen Gärtners, Technikers, Landschaftsarchitekturabsolventen noch entwickeln wird. Eines dürfte aber klar sein: Er hat bewiesen, dass man auch als Mensch, der mit Grün arbeitet, über die Grenzen des Berufsbildes hinausdenken darf.
2Natura Service GmbH
Kandelstraße 1
76707 Hambrücken
Mobil: 0151 6810 1065
Mail: kontakt@natura-service.de
http://natura-service.de/


















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