
Lügen haben kurze Beine
Da kommt was auf uns zu, meint DEGA-Redakteur Tjards Wendebourg im aktuellen Kommentar und rät dazu, sich an dem zu orientieren, was schon immer galt, und nur Dinge zu glauben, die nachvollziehbar und beweisbar sind.
von Tjards Wendebourg, Redaktion DEGA GALABAU erschienen am 16.03.2026Haben Sie auch manchmal das Gefühl, Sie würden täglich einem Lehrfilm zusehen, wohin Irrsinn führt? Die letzten Monate waren derartig reich an irren Sequenzen, dass es schon verwunderlich war, dass die Wirtschaft überhaupt noch lief. Denn ein Markt zwischen einer Handvoll weltweit agierender Psychopaten ist ja nicht gerade ein Hort der Stabilität. Unser Glück war, dass wir im Windschatten des Wahnsinns weiter unserer Arbeit nachgegangen sind. Und viel was anderes bleibt uns ja auch nicht.
Doch das, was jetzt an der Tankstelle passiert, hat das Zeug dazu, den Markt nachhaltig zu demolieren. Denn der US-Präsident, der Weltpolitik immer noch für eine Fernsehshow zu halten scheint, hat ein Fass aufgemacht, das kaum wieder zu schließen ist. Jahrzehntelang war es Konsens, dass man den Nahen Osten wie ein rohes Ei behandelt, weil er ohnehin als Zeitbombe gilt. Aber seit Israel und die USA behaupten, die politischen Probleme mit Bomben lösen zu können, droht die Tankstelle zwischen Rotem Meer und Persischem Golf in die Luft zu fliegen – mit allen Folgen für uns. Mal ganz abgesehen von den fragwürdigen Motiven (der eine möchte von seiner schmutzigen Vergangenheit ablenken, dem anderen geht es um Wiederwahl, trotz laufender Gerichtsverfahren gegen ihn), für die sie unseren Wohlstand und unsere Sicherheit riskieren, erschreckt die Planlosigkeit, mit der die Koalition in den Krieg gezogen ist; als hätten die Mullahs – Charaktere übrigens, deren Motive sich mit unseren Wertmaßstäben kaum messen lassen – sich nicht jahrelang auf dieses Szenario vorbereitet.
Auch jetzt wird uns nicht viel anderes übrigbleiben, als Ruhe zu bewahren und den Film als das zu betrachten, was er ist: Ein eindringlicher Appell an uns alle, es besser zu machen. Denn das alte Sprichwort „Lügen haben kurze Beine“ erweist sich jeden Tag als richtig. Fängt man an, die anderen zu belügen, verstrickt man sich jeden Tag tiefer in ein System, in dem man irgendwann die Orientierung verliert. Das zeigt der Lehrfilm über Putins Russland, in dem die Offiziellen täglich dreister gegen das eigene Desaster anlügen müssen, genauso, wie über Trumps Amerika, in dem jeder Erfolg am nächsten Tag noch ein bisschen größer geredet werden muss – obwohl er ausbleibt. Selbst unsere heimischen Extremisten stecken mittlerweile in dem Dilemma zwischen Putins, Trumps und den eigenen Lügen fest.
Für uns heißt das: Ein Aufschwung in den nächsten Wochen ist allenfalls dem Frühling geschuldet und nicht den harten Wirtschaftsdaten. Das müssen wir aushalten und die Zeit nutzen, um unsere Hausaufgaben zu machen. Es ist dabei ratsam, sich der eigenen Selbstwirksamkeit bewusst zu werden und an den Werten festzuhalten, die nachhaltig und deshalb sinnvoll sind. Mit der Wirklichkeit ist es mittlerweile so wie bei Instagram: Es ist nicht alles so, wie es scheint. Bleiben Sie echt, bleiben Sie aufrichtig, halten Sie zu Ihren Mitarbeitenden, Ihren Kunden und Ihren Lieferanten. Und egal, wie die Gasblase schillert, die aus dem gärenden Untergrund der Unsicherheit aufsteigt – sie wird zerplatzen. Sie werden sehen: Für den Märchenonkel im Weißen Haus könnte das schon im November der Fall sein. Hoffen wir, dass der Schaden bis zu den Midtermwahlen für unsere Wirklichkeit in Grenzen bleibt. Scherben auffegen ist danach ohnehin angesagt.




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