Geben Sie einen Suchbegriff ein
oder nutzen Sie einen Webcode aus dem Magazin.

Geben Sie einen Begriff oder Webcode ein und klicken Sie auf Suchen.
Jahresmitgliederversammlung VGL Baden-Württemberg

4,5 Prozent plus im Südwesten

Volles Haus im Ländle: Am 11. März trafen sich die Mitglieder des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg in Leinfelden-Echterdingen zur Mitgliederversammlung – zum ersten Mal unter der Regie von Marco Reiley. Der konnte rund 340 Gäste begrüssen und auf ein erfolgreiches Jahr zurückschauen.

von VGL Baden-Württemberg, Redaktion erschienen am 16.03.2026
Artikel teilen:
Auch 2026 wieder gut besucht: Jahresmitgliederversammlung des VGL.
Auch 2026 wieder gut besucht: Jahresmitgliederversammlung des VGL. © Petra Reidel, VGL Baden-Württemberg
VGL-Vorstandsvorsitzender Martin Joos
VGL-Vorstandsvorsitzender Martin Joos © Petra Reidel, VGL Baden-Württemberg

Der Umsatz der Branche stieg 2025 um 4,5% auf 2,15 Milliarden Euro (bundesweit 4,3 % oder 11,11 Mrd. €). Trotz der Kaufzurückhaltung der Konsumenten behauptete sich die Branche in einem gesamtwirtschaftlichen Umfeld, das zurzeit kaum Rückenwind bietet. Auslastung und Auftragslage waren stabil, was einmal mehr für einen anpassungsfähigen Berufsstand spricht. Laut der aktuellen Zahlen der bundesweiten Branchenumfrage schätzen viele Betriebe die aktuelle Geschäftslage nach wie vor positiv ein.

Mit 1.280 Azubis liegt die Branche fast auf dem Niveau des Vorjahres (1.286), die Anzahl der neuen Ausbildungsverträge stieg auf 518. Das ist ein Plus von knapp 11% gegenüber dem Vorjahr (467 neuen Verträge). Die große Zahl erfolgreicher Prüfungsabschlüsse unterstreicht zudem die Qualität der Ausbildung in den Betrieben. Die Branche beschäftigt 15.150 gewerbliche Arbeitnehmerinnen und -nehmer, somit stieg auch die Zahl der Beschäftigten erneut an (2024: 15.080). Der Anteil an privaten Auftraggebern legte um ein weiteres Prozent auf nun 63 Prozent zu. Dagegen nahmen die öffentlichen Aufträge (18 %) und der gewerbliche Wohnungsbau (8 %) beide erneut um ein Prozent ab. Die Aufträge aus der Industrie blieben mit fünf Prozent stabil. Aktuell gehören zum VGL-BW 802 Mitgliedsbetriebe. Mit 182 Fördermitgliedern ist hier ein Rekord zu vermelden.

Hoffnung auf Koalitionsverhandlungen

„Wir Landschaftsgärtner reden nicht vom Klimaschutz, wir machen ihn – jeden Tag und das ist kein Slogan, sondern unser Alltag“, eröffnete Vorstandsvorsitzender Martin Joos seine Rede zur öffentlichen Mitgliederversammlung. „Dennoch findet dieser Beitrag in unserem technisch geprägten Baden-Württemberg noch nicht die Beachtung, die ihm zusteht. Unsere Bauwerke produzieren CO2, spenden Schatten, kühlen die Umgebung und schaffen Hotspots für Insekten“, ergänzte Joos. Das ist grüne Infrastruktur für die Zukunft von morgen, für Bauen mit Grün und Blau. „Es ist höchste Zeit, dass dies auch das Motto unseres Ländles wird“, mahnte Joos und hofft darauf, dass die Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl das Klima wieder stärker in den Fokus rücken, denn die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, prägen Baden-Württemberg für die nächste Dekade.

Joos bedankte sich bei Staatssekretärin Sabine Kurtz MdL (Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, MLR) für die Unterstützung in der Gartenschaupolitik und beim Thema Ausbildung, auch mit Blick auf die DEULA Baden-Württemberg gGmbH in Kirchheim unter Teck. Der Vorstandsvorsitzende appellierte an Staatssekretärin Kurtz MdL, das Thema Aus- und Weiterbildung mit in die Koalitionsverhandlungen zu nehmen, und zwar nicht als Fußnote, sondern als Leitgedanke

„Hartnäckig fließt die Zeit, die Zukunft wird Vergangenheit“, mit diesem Zitat von Wilhelm Busch und dem Bild eines Steuermanns, der sein Schiff auf einem großen Fluss durch Stromschnellen und an Felsen vorbei lotst, malte Joos ein treffendes Bild, das der täglichen Lage eines Unternehmens, das verantwortungsvoll navigiert, sehr nahekommt. „Wir müssen auf die Zukunft vorbereitet sein, denn Zukunft können ist wichtiger als sie zu kennen. Und wir Landschaftsgärtner können Zukunft, denn wir blicken auf einen gestiegenen Umsatz mit 2,15 Milliarden Euro zurück. Dass das Babyboomer-Syndrom auch vor unserer Branche keinen Halt macht, ist ein Fels in unserem Flussbett, den wir jedoch konsequent angehen und mit Hilfe aller Beteiligten gekonnt umschiffen.“ Das Vergaberecht, das mittelständische Firmen benachteiligt, steigende Abgaben und Steuern, die die Wettbewerbsfähigkeit gefährden und den fehlenden Bürokratieabbau sprach Joos deutlich an.

Fortschritte bei der Maut

Beim Thema Maut gibt es endlich einen ersten Erfolg zu verzeichnen. „Das Verwaltungsgericht Berlin hat in einem vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) unterstützten Musterverfahren beschlossen, dass ein GaLaBau-Betrieb im Werkverkehr wie ein Handwerksbetrieb von der Lkw-Maut auf leichte Nutzfahrzeuge ausgenommen ist. Der Beschluss ist derzeit noch nicht rechtskräftig. Das Verwaltungsgericht ist hiermit aber endlich der Argumentation der Branche im vollen Umfang gefolgt“, erklärte Joos erleichtert. „Jetzt ist das Bundesverkehrsministerium gefordert, für eine faire Gleichbehandlung zu sorgen. Wir sind sehr gespannt, wie es nun weitergeht, denn der Beschluss des Verwaltungsgerichts vom 23. Februar 2026 ist ein wegweisender.“

Einen Blick über den Tellerrand warf der Vorstandsvorsitzende beim Thema grün-blaue Stadtentwicklung: „Paris hat hier echte Maßstäbe gesetzt. Mit dem Projekt „Les Cours Oasis“ wurden seit 2018 165 Schulhöfe in Paris entsiegelt und zu grünen Oasen mitten in der Stadt verwandelt, um der sommerlichen Hitze entgegenzuwirken.“ Diese kühleren Inseln werden bei Hitzewellen für die Bevölkerung geöffnet. Weitere 300 Hektar neue Grünflächen sind bis 2035 geplant und der durch einen Stadtwald entsiegelte Vorplatz des Rathauses wurde bereits im Juni 2025 eröffnet. „Paris wartet nicht, bis alle überzeugt sind, sondern macht – und dann überzeugt das Ergebnis, weil es die Menschen sehen und fühlen können, was Grün verändert, das fasziniert mich“, beleuchtete Joos. Als weiteres Beispiel führte er Singapur an, das durch seine systematische Stadtbegrünung mit einer steigenden Lebensqualität auch Investoren anzog. „Alles beginnt mit einer Vision und dem Mut anzufangen und von diesem Geist brauchen wir in Deutschland wieder mehr. Keine endlosen Diskussionen, nicht auf den nächsten Fördertopf warten, sondern anpacken. Der Garten- und Landschaftsbau hat die Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit“, mahnte Joos.

„Wir haben vor der Landtagswahl Videos mit den Spitzenkandidaten aller Parteien gedreht und werden die gemachten Versprechen und Zusagen nutzen, um uns in die Koalitionsverhandlungen einzumischen. Wir werden nicht müde, deutlich zu machen, wie wichtig grün-blaue Infrastruktur, öffentliche Plätze, aber auch Sportanlagen sind“, ergänzte der Vorstandsvorsitzende.

Bewegung bei der Fortbildung

Wer Fachkräfte gewinnen will, muss in punkto Arbeitszeit flexibel bleiben und Bildungseinrichtungen intensiv für seine Mitarbeitende nutzen. „Die LVG in Heidelberg ist Partner der Dualen Hochschule Mosbach und bildet mit dieser und unseren Betrieben führungsfähigen Nachwuchs aus. An der DEULA-BW in Kirchheim unter Teck soll durch Umbau und Modernisierung das Fort- und Weiterbildungsangebot deutlich wachsen, die ersten Früchte werden bereits geerntet“, zeigte Joos auf.

Beim Neubau der Staatsschule für Gartenbau in Stuttgart-Hohenheim kam Ende Februar nach sehr langem Warten endlich die Baugenehmigung für den ersten Bauabschnitt, welcher vor allem den Versuchsbetrieb, also Abriss und Neubau für die Gewächshäuser und die Maschinenhalle umfasst. „Wir müssen nun sehr zügig in die Planung des zweiten Bauabschnitts starten, damit dieser in die neuen Haushaltsverhandlungen kommt, denn die räumliche Trennung zwischen Versuchsbetrieb und Verwaltung mit Unterrichtsräumen ist zeitlich kaum zu stemmen. Das geht jedoch nicht, solange das Ministerium für Finanzen dem Universitätsbauamt keine Genehmigung für den Planungsauftrag übermittelt“, gab Joos einen Einblick in den aktuellen Stand dieser seit Jahren angeprangerten Dauerbaustelle, welche nicht nur die Meister- und Technikerausbildung stark beeinträchtigt.

„Krisenzeiten sind Unternehmerzeiten, wir müssen die Ärmel hochkrempeln, zusammen mit der Entscheidung und der Bereitschaft, die Dinge weiterzuentwickeln.“ VGL-Vorstandsvorsitzender Martin Joos

„Krisenzeiten sind Unternehmerzeiten, wir müssen die Ärmel hochkrempeln, zusammen mit der Entscheidung und der Bereitschaft, die Dinge weiterzuentwickeln. Das ist der Kern unseres Verbandes: Die beste Art, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten – Schritt für Schritt und gemeinsam“, schloss Joos seine Rede.

VGL Geschäftsführer Marco Riley
VGL Geschäftsführer Marco Riley © Petra Reidel, VGL Baden-Württemberg

Nachfolge im Fokus

Was den neuen Geschäftsführer Marco Riley in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen wird, ist der Generationenwechsel. „Nicht alle Betriebe finden einen Nachfolger. Im Jahr 2025 gab es 29 Austritte, meist altersbedingte Betriebsaufgaben, denen 35 Eintritte gegenüberstanden, die zu einem Mitgliederwachstum von einem Prozent führten, was nach den Rückgängen in den Jahren 2023 und 2024 ein positives Signal ist“, meinte Riley. Schade sei, dass viele Unternehmen keinen Nachfolger fänden. „Hier ist es unsere Aufgabe, Brücken zu bauen und Kontakte zu Existenzgründern sowie zu Kolleginnen und Kollegen mit Vergrößerungsambitionen zu vermitteln. Im Gegenzug müssen sich die Unternehmen rechtzeitig mit dem Thema befassen, damit die Unterstützung frühzeitig erfolgen kann“, skizzierte Riley. Zurzeit beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der Aufnahme noch nicht ausreichend qualifizierter Betriebe in den VGL-BW, denn um die Angebote und den Service in gewohnter Qualität aufrecht zu erhalten, bedarf es auch in Zukunft eines finanzstarken Verbands.

Letztes Jahr wurde mit dem Projekt APAL begonnen, um indischen Arbeitskräften eine Perspektive innerhalb der Branche aufzuzeigen. Elf Personen lernen zurzeit Deutsch und demnächst geht es für sie nach Baden-Württemberg, um an der DEULA-BW mit einem Aufbautraining zu starten. Für die Fachkräftegewinnung und-sicherung bietet der VGL-BW Ausbilderseminare, einen TOP Ausbildungstag, Azubi-Wettbewerbe, Willkommenstage, regionale Prüfungsvorbereitungen, Freisprechungsfeiern sowie eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit zum Berufsbild des Landschaftsgärtners, nicht zuletzt in den sozialen Medien. „Die Nutzung des Seminarangebotes könnte besser sein“, bemängelte Riley. Was jedoch sehr gut angenommen wird, sind die ERFA-Gruppen des VGL-BW, die nun um die ERFA-Gruppe zum Thema Biodiversität erweitert wird. „Bei der bundesweiten Mitgliederbefragung liegt der VGL-BW mit der höchsten Beteiligungsquote an der Spitze und auch das Benchmarking kann sich sehen lassen“, freute sich Riley.

Vize-Meister geehrt

Noel Weber von der Westenfelder Garten- und Landschaftsbau GmbH aus Eggenstein-Leopoldshafen und Ruben Soares, freiraum – Faszination Garten aus Gottmadingen, freuten sich sehr über ihren zweiten Platz beim bundesweiten Landschaftsgärtner-Cup. Die anspruchsvolle Wettbewerbsaufgabe bestand aus einem kleinen Berliner Hinterhofgarten: Belagsflächen aus Natursteinpflaster, eine Trockenmauer als Sitzgelegenheit, eine Rasenfläche und eine Spielecke mit Sand und Holzpodest unter einem schattenspendenden Baum standen auf dem Plan. Bodendecker, Stauden und Gräser waren zu pflanzen und testeten das botanische Fachwissen der Teilnehmenden. Auch beim Pflaster durfte es in den Fugen grün sein. Der Bau eines Sessels aus Paletten-Holz bildete den Abschluss. Die Besten der Besten aus 12 Bundesländern waren im September 2025 im Britzer Garten in Berlin angetreten, um in 15 Stunden auf einer Fläche von 4 x 4 Meter einen Garten auf höchstem Niveau zu bauen. „Dieser Wettbewerb zeigte, was unser Berufsnachwuchs an fachlicher Vielfalt zu leisten fähig ist“, freute sich Albrecht Bühler als Vorstand Ausbildung und Fachkräftesicherung. Bühler gratulierte den Teilnehmenden sowie beiden Betrieben für das großartige Engagement während der intensiven Vorbereitung zum baden-württembergischen und zum bundesweiten Landschaftsgärtner-Cup. Die Ehrung auf der Bühne übernahm Staatssekretärin Sabine Kurtz MdL (MLR) zusammen mit Alexandra Gall und Albrecht Bühler.

Ausbildungsbetriebe des Jahres 2025

Für die neue Kategorie des BGL-Bildungspreises, welcher ab 2026 Ausbildungsbetriebe würdigt, die sich durch besonders innovative Bildungskonzepte hervorheben, wurden die Erhardt Garten- und Landschaftsbau GmbH aus Karlsruhe, das TEAM GRÜN Furtner-Althaus in Elzach und wildigarten aus Villingen-Schwenningen nominiert. Gartengestaltung H.-J. Schmid in Kornwestheim erhält aufgrund des Engagements einen Sonderpreis. Für diese neue Kategorie des Bildungspreises können alle Landesverbände der Jury des BGL-Bildungspreises eine Auswahl an Betrieben vorschlagen. Als Gewinn werden zweckgebundene Fortbildungsgutscheine in Höhe von 2.000 Euro pro Gewinner vergeben. Die Preisträger werden im Rahmen der GaLaBau-Messe 2026 im September in Nürnberg bekanntgegeben. Die vier Ehrungen für das außergewöhnliche Ausbildungsengagement auf Landesebene übernahm Staatssekretärin Sabine Kurtz MdL (MLR) zusammen mit Alexandra Gall und Albrecht Bühler.

LGS-Beteiligte gewürdigt

Die acht Kilometer lange Gartenschau Tal X zwischen Freudenstadt und Baiersbronn war über 143 Veranstaltungstage ein voller Erfolg. 485.000 Besucher fanden den Weg in den Schwarzwald und erfreuten sich an den Schaugärten der Landschaftsgärtner, die hier im vergangenen Jahr ihre Leistungsstärke unter Beweis stellten. Die fünf Gärten zeigten, wozu moderner Garten- und Landschaftsbau heute fähig ist: klimaangepasste Pflanzkonzepte, handwerkliche Präzision und gestalterische Qualität auf höchstem Niveau. „Die unglaublich schönen Gärten unserer Kolleginnen und Kollegen waren in den Forbachgärten ein echter Besuchermagnet“, erinnerte sich der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Bernd Hopp, der sich auf der Bühne zusammen mit Staatssekretärin Sabine Kurtz MdL (MLR) für die hochwertigen Beiträge und das Engagement der Mitglieder herzlich bedankte.

Landesgartenschau Ellwangen 2026

Vom 24. April bis zum 4. Oktober 2026 begeistert die Landesgartenschau in Ellwangen mit ihrer umfassenden Aufwertung des städtischen Raums. Die Jagst wird durch ihre Revitalisierung zum nachhaltigen Erholungsgebiet und verbindet verschiedene Gartenschauareale organisch miteinander. Der Stadtkern ist durch attraktive Grünachsen an diesen Flussraum angeschlossen, was auch der Titel dieser Landesgartenschau „Ellwangen an die Jagst“ sehr gut zum Ausdruck bringt. „Entlang der Jagst begeistern acht Klimagärten, gebaut von insgesamt zehn Mitgliedsbetrieben des VGL- BW sowie einem Mitgliedsbetrieb aus Bayern, die hier aus einem reichhaltigen Ideen- und Klimafundus im Bereich der Gestaltung schöpfen“, freute sich Hopp über die hohe Zahl der sich beteiligenden Unternehmen. Diese klimaresilienten Rückzugsorte überzeugen mit einem echten Mehr an Lebensgenuss sowie einer stets hohen Ausführungsqualität.

Die Vergabe der Gartenschauen und Landesgartenschauen in Baden-Württemberg ist bis in das Jahr 2036 gesichert und demnächst startet die Vergabe des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz für die Jahre ab 2037.

Bewegender Abschied von Albrecht Bühler

„Heute gilt es, danke schön zu sagen und nach neun Jahren gleichzeitig Abschied zu nehmen von einem sehr engagierten Vorstand im Bereich Ausbildung und Fachkräftesicherung“, begann Joos. Albrecht Bühler startete 1995 sein Unternehmen mit fünf Mitarbeitenden in Nürtingen. 30 Jahre später beschäftigt der Betrieb rund 60 Menschen. „Das ist das Ergebnis von Haltung, Fleiß und Mut sowie viel Verantwortung. Die tatsächliche Auszeichnung ist jedoch, dass Bühler in seinem Betrieb 72 junge Menschen ausgebildet hat, und dies mit einem Notendurchschnitt von 2,2. 21 dieser Azubis nahmen erfolgreich an Landesmeisterschaften teil und 2007 war das Bühler-Team sogar Sieger auf Bundesebene“, zählte Joos die Ausbildungserfolge auf.

Bühler hat nie auf Lösungen gewartet, sondern diese selbst geschaffen, wie beispielsweise die Initiative für Ausbildung, die er 2010 gründete und die Initiative für gute Arbeit, die ein paar Jahre später als zweite Gütegemeinschaft folgte. Bildungspartnerschaften mit mehreren Schulen, die azubi.help-App, die fast alle Bundesländer abdeckt, hat er aufgebaut und entwickelt, weil Bühler schon früh erkannte, dass Fachkräfte nicht vom Himmel fallen. Je zwei TASPO-Award-Gewinne für das beste Ausbildungskonzept, für die beste Website der grünen Branche und als Kooperation des Jahres mit der Initiative für Ausbildung machten Bühler rasch über Baden-Württemberg hinaus bekannt. Preise wie der 1. Platz beim bundesweiten Schule-Wirtschaft-Preis, der Mittelstandspreis Soziale Verantwortung Baden-Württemberg und mehrfache Auszeichnungen seiner Azubis beim BGL-Bildungspreis kommen hinzu. Seit 2008 ist Bühler für den VGL-BW aktiv. Erst als Regionalvorsitzender der Region Stuttgart, seit 2017 als Vorstandsmitglied für Ausbildung und Fachkräftesicherung. Bühler ist Vorsitzender des Ausbildungsausschusses in Baden-Württemberg und im Bundesverband. Er ist zudem Mitglied im Bildungsausschuss des Baden-Württembergischen Handwerktages, sitzt im Ausschuss der Überbetrieblichen Ausbildung in Heidelberg (ÜA), im Berufsbildungsausschuss Landwirtschaft beim MLR, im Unterausschuss Gärtner und im Beirat der Staatsschule für Gartenbau in Stuttgart-Hohenheim. Seit 2021 lehrt er an der ÜA im Fach Mitarbeiterführung und ist Autor von zwei Fachbüchern zu diesen Themen, die im Eugen Ulmer Verlag erschienen sind. „Da wird es einem ein bisschen schwindelig beim Vorlesen und das lief alles neben einem Betrieb mit 60 Mitarbeitenden. Das ist gelebte Leidenschaft für unsere Branche“, meinte Joos. Bühler ist Dipl. Sozialpädagoge, Landschaftsgärtner und Fachagrarwirt Baumpflege und er sieht den Betrieb als Ort, an dem junge Menschen wachsen können. „Lieber Albrecht, du hast in all den Jahren der Ausbildung Gewicht und ein Gesicht gegeben, dein Gesicht. Und du hast damit in der Branche viel verändert, wofür ich mich im Namen aller Kolleginnen und Kollegen sowie im Namen unseres Vorstandes sehr herzlich bedanke“, verabschiedete Joos Albrecht Bühler und fügte an, dass der VGL-BW in einigen Projekten weiterhin auf Bühler als Verbandsbotschafter zählen darf.

Für dieses Lebenswerk bekam Albrecht Bühler im Anschluss die Staatsmedaille in Silber durch Staatssekretärin Sabine Kurtz, MdL (MLR) verliehen. Bühler freute sich sehr über diese besondere Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg.

Verband bedankt sich für Regionalarbeit

1999 übernahm Ingo Schwehr das Steuer der Schwehr Garten- und Landschaftsbau GmbH in Engen von seinem Vater. 1974 wurde die Firma Mitglied im VGL-BW und ist somit seit über 50 Jahren tief mit dem Verband verbunden. Auf der Landesgartenschau in Singen, im Jahr 2000, war Schwehr mit einem Schaugarten dabei. 2005 wurde er zum stellvertretenden Regionalvorsitzenden der Region Hochrhein-Bodensee gewählt und 2015 übernahm er das Amt des Vorsitzenden. In dieser Zeit engagierte sich Schwehr für die Nachwuchsarbeit, beispielsweise bei den JobDays in Singen. Jahr für Jahr bauten die Azubis aus der Region die von Studierenden geplanten Saisonalen Gärten auf der Insel Mainau – eine Herzensangelegenheit für Schwehr. „20 Jahre im Regionalvorstand, davon 10 an der Spitze, das ist kein kleines Amt. Du hast diese Region zusammengehalten mit deiner Verlässlichkeit, mit einem Stil, der nie laut, aber immer klar war. Und du hast immer darauf bestanden, dass nur qualifizierte Betriebe das Signum unseres Verbandes tragen. Qualität, die den Kunden nützt, das ist dein Vermächtnis, für das wir dir heute unseren tiefen Dank aussprechen“, führte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Bernd Hopp aus und überreichte Ingo Schwehr ein Keramik-Signum und einen Blumenstrauß.

Jürgen Hegenauer gründete 2004 sein Unternehmen, die Hegenauer Garten- und Landschaftsbau GmbH, in Ulm und ist seit 2010 Mitglied im VGL-BW. Im Jahr 2016 wurde Hegenauer stellvertretender Regionalvorsitzender der Region Donau-Iller und übernahm 2021 – einstimmig gewählt – den Regionalvorsitz. Die Region wusste, auf Hegenauer ist Verlass und dieses Vertrauen hat er nie enttäuscht. Für ihn waren Regionalversammlungen wichtige Orte des Austausches unter Kolleginnen und Kollegen – Treffen, bei denen man sich informiert, begegnet, wo Ideen geschmiedet werden und Kollegialität wächst. „Dafür braucht es jemanden, der sich interessante Programme überlegt und den Ton vorgibt, denn das ist Motivation nach innen und kein Selbstläufer“, lobte VGL-BW-Vorstand Christoph Walker. „Im Jubiläumsjahr kam dann ein kräftiges Statement aus eurer Region. Ihr habt allein 50 Bäume gepflanzt. Das ist Verbandsarbeit, die man sehen kann, die wächst, die Schatten wirft. Das ist der schönste Beweis dafür, wenn jemand im Ehrenamt nicht nur verwaltet, sondern auch gestaltet“, führte Walker an. „Wir danken dir für neun Jahre Regionalvorstand, vier davon an der Spitze. Du hattest immer im Blick, was die Region braucht, mit Stil und deutlicher Wirkung“, schloss Walker und überreichte das Keramik-Signum zusammen mit einem Blumenstrauß.

Achim Jansen gründete 1989 das Unternehmen Achim Jansen Garten- und Landschaftsbau in Karlsbad. Im Jahr 2016 wurde er als stellvertretender Regionalvorsitzender der Region Mittlerer Oberrhein gewählt und im Jahr 2022 als Regionalvorsitzender bestätigt. Nach neun Jahren satzungsgemäßem Ehrenamt gibt Jansen nun den Vorsitz an Tim Rohrer weiter. „Lieber Achim, in deiner Amtszeit ist einiges passiert. Die Messe Inventa in Karlsruhe und jetzt die RecyclingAKTIV & TiefbauLIVE habt ihr als Region mit euren Azubis immer erfolgreich bespielt, ein Thema, für das du gebrannt hast. Aber auch die Unternehmensnachfolge, gemeinsame Versammlungen mit der Region Nordschwarzwald oder das Thema rechtssicherer Umgang mit Bodenaushub, zusammen mit der Region Südlicher Oberrhein waren Gedanken, die die Betriebe bewegten und die du aktiv angegangen bist“, skizzierte der Vorstand Philipp Erhardt den nicht alltäglichen Einsatz Jansens im Ehrenamt. Die gemeinsamen Freisprechungsfeiern mit den Nachbarregionen sind legendär und zum echten Highlight für die Azubis und die Betriebe geworden. „Dir war immer die Sache wichtig, das verdient unsere Wertschätzung. Deine gewachsenen Kontakte bleiben dir erhalten und so verabschieden wir dich mit einem herzlichen Dankeschön für deinen großen Einsatz“, bedankte sich Erhardt bei Jansen mit einem Keramik-Signum und einem Blumenstrauß.

Tobias Müller gründete 2018 seine Natürliche Gärten GmbH in Sinsheim. Müller ist seit 2019 Mitglied im VGL-BW und engagierte sich bereits im Jahr 2020 als stellvertretender Regionalvorsitzender der Region Unterer Neckar. „Das ist kein gewöhnlicher Weg, das ist Tempo, andere benötigen Jahre, um sich in einem Verband warmzulaufen, du hast sofort mitgedacht und mitgezogen“, begeisterte sich die Vorständin Öffentlichkeitsarbeit, Ellen Becker, die Müller zudem als Brückenbauer zwischen Betrieben und Verband, aber auch zwischen Ideen und Umsetzung beschreibt. Auf Müller war immer Verlass, seine Tatkraft war immens und sein Unternehmen ist anerkannter Ausbildungsbetrieb. Somit nimmt er auch hier seine Verantwortung wahr. „Deshalb verabschieden wir dich lieber Tobias auch gar nicht wirklich, sondern würdigen dein bisheriges Engagement und hoffen, dass dies lediglich ein Abschied auf Zeit ist. Du bist noch jung genug für eine erneute Runde im Ehrenamt“, erklärte Ellen Becker, und überreichte Müller das Keramik-Signum mit Blumenstrauß.

Neuer Vorstand mit Alexandra Gall (2. v. r.)
Neuer Vorstand mit Alexandra Gall (2. v. r.) © Petra Reidel, VGL Baden-Württemberg

Neuwahl im Vorstand

Das Amt des Vorstandes für Ausbildung und Fachkräftesicherung stand zur Neuwahl an. Der amtierende Vorstand Albrecht Bühler schied nach neun Jahren Amtszeit satzungsgemäß aus. Alexandra Gall stellte sich für dieses Amt zur Wahl und wurde von den stimmberechtigten Mitgliedern als Vorständin für Ausbildung und Fachkräftesicherung gewählt. Gall studierte an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen Landschaftsarchitektur und lernte durch ihre Mitarbeit während und nach dem Studium bei der ARP Architektenpartnerschaft Stuttgart GbR viele Projekte vom Wettbewerb bis zur Umsetzung auf der Baustelle kennen. In Architekturbüros in Leipzig sowie in Halle an der Saale erweiterte sie während weiterer drei Jahre Ihre Berufserfahrung. Mit der Werkplanung von bislang 18 Kitas hat sich dabei ihr Favorit eindeutig herauskristallisiert. Im Jahr 2019 begann sie ihre Einarbeitung im elterlichen Betrieb, der Gall GmbH in Erbach, für die Sie seit 2021 – ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter – die Geschäftsführung mit Bruder Florian Gall übernahm. Seit 2022 ist sie nun gemeinsam mit Bruder Florian geschäftsführende Gesellschafterin in zweiter Generation.

Gall kennt den Verband über drei verschiedene ERFA-Gruppen und hält mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Sie hat Lust, in die Fußstapfen von Albrecht Bühler zu treten, denn ehrenamtliches Engagement gehört schon lange zu ihrem Leben. Sie möchte die existierenden Netzwerke nicht nur pflegen, sondern weiter vorantreiben und mit ihrer Empathie die Menschen vor allem in schwierigen Lebenssituationen abholen – beispielsweise interessierte Quereinsteigende oder auch ausländische Mitarbeitende in mental herausfordernden Lebensabschnitten. Gall ist es ein Anliegen, die GaLaBau-Fachkräfte der Zukunft noch mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken.

0 Kommentare
Was denken Sie? Artikel kommentieren

Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.

Artikel kommentieren
Was denken Sie? Artikel kommentieren