Geben Sie einen Suchbegriff ein
oder nutzen Sie einen Webcode aus dem Magazin.

Geben Sie einen Begriff oder Webcode ein und klicken Sie auf Suchen.
VGL Bayern

Stabil durch bewegte Zeiten

Der Rückenwind früherer Jahre ist abgeflaut, die Rahmenbedingungen sind anspruchsvoller geworden – und doch steht der bayerische Garten- und Landschaftsbau solide da und konnte ein Umsatzplus von 3,9 % auf erstmals über 1,5 Milliarden Euro verzeichnen. Während der Wohnungsbau weiter schwächelt, bleiben Privatgärten und kommunale Projekte tragende Säulen. Gleichzeitig wächst der Druck durch neue regulatorische Vorgaben.

von Susanne Wannags erschienen am 02.02.2026
Branchenzahlen Bayern © VEU
Artikel teilen:

Der Garten- und Landschaftsbau in Bayern hat 2025 ein wirtschaftlich gutes Jahr hinter sich. Während der Wohnungsbau infolge der Baukrise weiter schwächelte, blieb die Auslastung vieler Betriebe insgesamt auf stabilem Niveau. Für Dietmar Lindner, Präsident des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern), war 2025 ein Jahr mit erfreulicher Umsatzsteigerung trotz Baukrise und einer tragfähigen Basis in vielen Marktsegmenten.

Dietmar Lindner
Dietmar Lindner © Foto Studio Menth

Wohnungsbau unter Druck

Die Fertigstellungen im bayerischen Wohnungsbau gingen erneut zurück, insbesondere im geförderten Segment. Zwar nahmen die Baugenehmigungen im Jahresverlauf wieder zu, doch diese Entwicklung kam im GaLaBau noch nicht spürbar an. Der Wohnungsbau bleibt damit ein schwächeres Marktsegment.

Tragende Säule ist weiterhin der Privatgartenbereich. Bayernweit entfallen rund 63 % des Umsatzes auf dieses Segment. Öffentliche Auftraggeber gewannen leicht an Bedeutung, während der Anteil des Wohnungsbaus etwas zurückging.

Die Konjunkturumfragen des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau spiegeln diese Entwicklung wider: Im Frühjahr 2025 lag der Auftragsbestand im Neubau- und Umbausegment bei 21 Wochen, im Herbst bei 17 Wochen. In der Pflege verringerte sich der Vorlauf von 13 auf 12 Wochen. „Wir sehen keine dramatischen Einbrüche, aber eine spürbare Zurückhaltung bei Investitionen“, ordnet Lindner ein.

Zurückhaltend optimistisch

Mit Blick auf 2026 zeigt sich der Verband vorsichtig optimistisch. So beschloss die Bayerische Staatsregierung im Doppelhaushalt 2026/2027 zusätzliche Ausgaben für den kommunalen Wohnungsbau in Höhe von einer Milliarde Euro. Auch das „Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung“ könnte die Investitionen ankurbeln, zumal dieser sogenannte „Bau-Turbo“ nicht nur für Wohnprojekte, sondern auch für Kitas und Schulen eingesetzt werden kann.

Wirtschaftsforscher erwarten wieder moderates Wachstum im Bauvolumen, getragen vor allem durch öffentliche Investitionen. Eine wichtige Rolle könnten dabei die neu gewählten Kommunalvertretungen spielen. „Die Talsohle der Baukonjunktur scheint durchschritten“, hofft Lindner. Wie die Weichen tatsächlich gestellt werden, hängt zudem davon ab, welche Entscheidungen in den nach der Kommunalwahl neu besetzten Rathäusern gefällt werden. „Kommunen sind zentrale Auftraggeber für grün-blaue Infrastruktur. Welche Prioritäten dort gesetzt werden, wird für unsere Branche entscheidend sein“, so Lindner.

Rudolf Klingshirn
Rudolf Klingshirn © VGL Bayern

Programme des Bundes, wie das Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“, eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für Investitionen, insbesondere für Maßnahmen zur Klimaanpassung und zur Stärkung urbaner Grünstrukturen. „Für unseren Berufsstand bieten diese Mittel große Chancen. Als Landschaftsgärtner sind wir gefragte Partner, Experten und Problemlöser – besonders dort, wo es um die Aufwertung von Siedlungsräumen geht“, sagt Prof. Rudolf Klingshirn, Direktor des VGL Bayern.

Bürokratie als Dauerbrenner

Gleichzeitig bleibt das Thema Bürokratie ein Dauerbrenner. Klingshirn sieht hier Nachbesserungsbedarf: „Wenn wir Grünflächen stärken wollen, dürfen wir es nicht gleichzeitig durch überbordende Vorgaben und Förderprogrammausschlüsse ausbremsen. An mehreren Stellen erleben unsere Betriebe zudem eher mehr als weniger Dokumentations- und Nachweispflichten.“

Als Beispiel nennt er das bayerische Förderprogramm „Streuobst für alle“. Gefördert werden ausschließlich hochstämmige Obstbäume mit einer Stammhöhe von in der Regel 180 Zentimetern. Aus Sicht des VGL Bayern könnten auch Heister – also jüngere Bäume mit geringerer Stammhöhe – sinnvoll einbezogen werden. „Fachlich spricht nichts dagegen, Heister zu Hochstämmen zu entwickeln. Flexiblere Regelungen würden helfen, Pflanzziele schneller zu erreichen“, verdeutlicht Klingshirn.

Das bayerische Förderprogramm „Streuobst für alle“ bringt eher mehr als weniger Bürokratie.
Das bayerische Förderprogramm „Streuobst für alle“ bringt eher mehr als weniger Bürokratie. © Friedrich Springob

Auch die zum Jahresbeginn erweiterten Dokumentationspflichten im Pflanzenschutz erhöhen nach Einschätzung des Verbandes den administrativen Aufwand. Die verpflichtende digitale Erfassung wurde zwar auf 2027 verschoben, der Umfang der zu erfassenden Daten ist jedoch bereits erheblich gestiegen und für Baumschulen und Staudengärtnereien durch ihr vielfältiges Angebot nicht leistbar.

Wassercent und neue Aufgabenfelder

Mit der Einführung des sogenannten Wassercents ab 1. Juli 2026 kommen weitere Rahmenbedingungen hinzu. Für Grundwasserentnahmen oberhalb einer Freigrenze von 5.000 m³ pro Jahr wird eine Abgabe von zehn Cent pro m³ fällig. 2026 liegt die Freigrenze für die sechs Monate bei 2.500 m³. Damit will die bayerische Staatsregierung einen Anreiz setzen, sorgsam mit der Ressource Wasser umzugehen. Für den GaLaBau bedeutet das: Kleinere Betriebe bleiben in der Regel unter dieser Grenze, größere Unternehmen – etwa mit eigenen Brunnen – müssen mit zusätzlichen Kosten rechnen.

Zugleich wächst der Handlungsdruck, Bewässerungskonzepte weiterzuentwickeln. „Ohne Wasser kein Grün – aber wir müssen intelligenter mit der Ressource umgehen“, betont Klingshirn. „Regenwasserrückhalt und Bewässerungssysteme werden künftig noch stärker gefragt sein.“ Hier sieht der Verband jedoch auch Entwicklungspotenzial: Die Planung und Umsetzung von Zisternen, Rigolen oder anderen Rückhaltesystemen könnte sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich weiter an Bedeutung gewinnen.

Ausbildung sendet starkes Signal

Für Klingshirn hängt die Attraktivität des Berufs eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen: „Viele junge Menschen suchen heute nach einem Beruf mit Sinn und sichtbarem Ergebnis. Im GaLaBau verbinden sich Klima- und Naturschutz mit handwerklicher Arbeit und moderner Technik. Genau diese Mischung überzeugt.“ Eine wichtige Rolle spielen dabei auch weiterführende Qualifizierungsangebote. An der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf verbindet der Studiengang „Landschaftsbau und -Management“ handwerkliche Praxis mit Management- und Technikkompetenz. Im dualen Modell erwerben Studierende zusätzlich den Berufsabschluss im GaLaBau und verzahnen Theorie und Baustellenpraxis eng miteinander.

Im GaLaBau verbinden sich Natur- und Klimaschutz mit handwerklicher Arbeit – das zeigt sich auch immer wieder bei den regionalen Berufswettkämpfen.
Im GaLaBau verbinden sich Natur- und Klimaschutz mit handwerklicher Arbeit – das zeigt sich auch immer wieder bei den regionalen Berufswettkämpfen. © Carolin-Tietz

Ehrenamt und Austausch als Stabilitätsfaktor

Mehr als 80 Unternehmerinnen und Unternehmer engagieren sich ehrenamtlich in Präsidium, Regionalgruppen und Fachgremien. Hinzu kommen mehrere Erfahrungsaustauschgruppen (ERFA), in denen sich Betriebe regelmäßig zu betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, Organisation oder Personalfragen austauschen. „Verbandsarbeit lebt vom Engagement der Unternehmerinnen und Unternehmer. Wer sich einbringt, kann Rahmenbedingungen mitgestalten – fachlich, politisch und innerhalb der Branche“, sagt Klingshirn.

Der Verband initiiert seit vielen Jahren ERFA-Gruppen, in denen sich die Unternehmer austauschen und ihren Betrieb weiterentwickeln.
Der Verband initiiert seit vielen Jahren ERFA-Gruppen, in denen sich die Unternehmer austauschen und ihren Betrieb weiterentwickeln. © Florian Herrhammer

Ausblick: Erholung mit Vorbehalt

Die Betriebe bewerten die Perspektiven für den eigenen Betrieb überwiegend positiv, zeigen sich für die Branche insgesamt jedoch zurückhaltender. Viel wird davon abhängen, ob sich die Baukonjunktur nachhaltig erholt, öffentliche Investitionen umgesetzt und regulatorische Hürden reduziert werden. Insgesamt allerdings geht der bayerische GaLaBau mit einer stabilen Basis in das Jahr 2026.

0 Kommentare
Was denken Sie? Artikel kommentieren

Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.

Artikel kommentieren
Was denken Sie? Artikel kommentieren