
Synthese aus Handwerk und Startup
Patrick Ruwolt hat geholfen, das Berliner Startup Enpal zu einem Milliardengeschäft zu machen. Mit der Übernahme der Nachfolge bei Deutschmann GaLaBau in München 2024 ist er in den Mittelstand zurückgekehrt. Mit seiner jungen Mannschaft und der Erfahrung aus der Gründerwelt will er in der bayrischen Landeshauptstadt kräftig durchstarten.
von Tjards Wendebourg, Redaktion DEGA GALABAU erschienen am 17.03.2026Es gibt keinen üppigen Betriebshof mit durchgestyltem Bürogebäude und sehenswerter Schaupflanzung. Bei Deutschmann geht es praktisch zu. In dem Gewerbegebiet am Rande des Stadtteils Lochhausen gibt es eine Büroetage, einen Betriebshof und eine Halle. Mehr braucht die Firma nicht, um erfolgreich zu sein. Denn Deutschmann bedient keine Laufkundschaft. Sie baut in erster Linie für gewerbliche Kunden – meist mit einem zwischengeschalteten Landschaftsarchitekturbüro. Dabei gehört das Unternehmen nicht zu den ganz großen in München und lief bisher eher ein bisschen unter dem Radar. Es stand schon immer für diskretes Auftreten und zuverlässige Arbeit. Gerd Deutschmann hat seine 2001 gegründete Firma mit dieser Philosophie erfolgreich gemacht. Viele seiner Kunden sind Stammkunden. An öffentlichen Ausschreibungen hat er sich kaum beteiligt. Sein Geheimnis war eine motivierte Mannschaft im Büro und eine schlagkräftige Truppe auf der Baustelle. Alle Leistungen kamen praktisch aus einer Hand. Zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber bestand eine Atmosphäre der Offenheit und des Vertrauens. Bevor eine Bedenken- oder Behinderungsanzeige geschrieben wurde, wurde erst mal telefoniert. Für seine Kunden war Deutschmann so ein verlässlicher Partner; eine Art GU für die Freiräume.
1Mit Offenheit in die Nachfolge
Patrick Ruwolt war nach dem Studium und einer Anstellung in einer Unternehmensberatung als einer der ersten Mitarbeiter zu Enpal gekommen. Dort übernahm er den Aufbau neuer Geschäftsfelder oder kümmerte sich um Problemabteilungen. Enpal hat sich in dieser Zeit vom Verkäufer von Solaranlagen zum Vermietungs- und Finanzierungsdienstleister für Energielösungen entwickelt. Das Startup war rasend schnell gewachsen und musste oft die Struktur nachziehen. Für Ruwolt war das eine spannende, aber auch anstrengende Zeit. Nach den Jahren in der Startup-Welt war sein Bedarf an Disruption gedeckt. Der heute 36-Jährige war mittlerweile Familienvater und wollte zurück in seine Geburtsstadt München – und zurück in den Mittelstand.
Gerd Deutschmann wiederum hat keine Kinder und suchte eine Nachfolgelösung innerhalb des Unternehmens. Doch eine betriebseigene Lösung ließ sich nicht umsetzen. Für Ruwolt wurde das zur Chance. Er hatte durch den Verkauf seiner Enpal-Anteile liquide Mittel gewonnen und war so für die Banken zum attraktiven Ansprechpartner geworden. An der Deutschmann GmbH begeisterte ihn die motivierte und eingespielte Mannschaft (sowohl im Büro als auch auf der Baustelle), der gute Ruf im Markt und die Offenheit, mit der der Gründer mit der Nachfolge umging. „Er hat mich mit den Worten vorgestellt: Das ist der Patrick, der könnte vielleicht diese Firma übernehmen“, erzählt Ruwolt lachend. Das sei schon außergewöhnlich und müsse man sich auch erst mal trauen. Dazu kam, viele von Deutschmanns Werten seien auch seine. Und, wie das im Mittelstand nun mal so ist – viele Firmen funktionieren so wie Unternehmerin oder Unternehmer. Das ist auch bei Deutschmann so.
„Am Ende möchte ich ein familiengeführtes Unternehmen haben, wo die Mitarbeiter gerne arbeiten und von dem auch viele Familien leben können.“ Patrick Ruwolt
Immer wieder Glück gehabt
„Ich habe immer wieder Glück gehabt“, sagt Ruwolt. „Mit dieser Einstellung gehe ich durchs Leben, versuche die Augen offen zu halten und dem Glück eine Chance zu geben, um dann im richtigen Moment zuzuschlagen“, schmunzelt er. Glück war zum Beispiel, genau im richtigen Moment Deutschmann gefunden zu haben und das Ganze am Ende auch finanzieren zu können. Denn rechtzeitig zum Kauf waren die im Zuge des russischen Überfalls auf die Ukraine explodierten Zinsen wieder gesunken. Aber Ruwolt ist eben auch der Typ, dem das Glück zuläuft; sympathisch, klug, empathisch und offen. Wenn er sagt: „Am Ende möchte ich ein familiengeführtes Unternehmen haben, wo die Mitarbeiter gerne arbeiten und von dem auch viele Familien leben können“, klingt das nicht nur gut, sondern auch glaubhaft. Man hat das Gefühl, da haben sich zwei gefunden: eine Mannschaft, die die Perspektive sieht, neue Ziele zu erreichen, und ein Unternehmer, der das Gefühl hat, genau das richtige Team gefunden zu haben. Es hat wohl von Beginn an gepasst und so fiel Deutschmann auch der Abschied leicht. Er ging wohl ebenfalls mit dem Gefühl, dass sich für sein Lebenswerk eine gute Lösung gefunden hat.
Zeit für neue Strukturen
So erfolgreich Deutschmann mit seiner Philosophie war und so gut das Menschliche bei der Nachfolge passt – für Ruwolt gibt es nach der Übernahme trotzdem eine Menge zu tun, zumal es in krisenhaften Zeiten jederzeit Steuerbedarf gibt. Um die Rolle des Firmengründers zu ersetzen, hat Ruwolt erst einmal einen Kalkulator eingestellt. Da hatte er wieder das Glück, dass sich jemand von der Konkurrenz gemeldet hat. Ein erfahrener Kalkulator ist sonst kaum zu finden. Ruwolt verfolgt mit der Einstellung zwei Ziele: Auf der einen Seite muss er den Unternehmensgründer ersetzen, der selbst fast alles kalkuliert hatte, auf der anderen Seite will er das Unternehmen breiter aufstellen und will sich stärker an Ausschreibungen beteiligen. „Wir haben Anfang des Jahres 2025 angefangen, Submissionen zu rechnen. Jetzt kommen die ersten öffentlichen Aufträge“, meint der Unternehmer und erklärt, dass sich dafür auch ein Teil der Philosophie ändern musste. Denn in der Vergangenheit waren Kalkulationen eher Angebote, die zu etwa 50 % zu Aufträgen wurden. Jetzt muss das Büro lernen, dass im Submissionsgeschäft mehr Projekte gerechnet werden müssen und die Erfolgsquote deutlich geringer ist.
Zusätzlich sollte das Unternehmen digital werden. „Wir sind da bei einigen Dingen noch in der Steinzeit“, lacht der Unternehmer und erklärt: „2025 war erst mal der Schritt, das Büro zu digitalisieren. Seit Sommer läuft zum Beispiel alles über eine digitale Bauakte (DocuWare).“ In Ruwolts Büro stehen noch Kisten mit den letzten Papierdokumentationen. Sukzessive landen die Akten im Container. Die Idee, sich bei den Ausschreibungen von KI helfen zu lassen, sei ja gut und schön. Aber vorher müsse die Kalkulation auch erst mal digital stattfinden, schmunzelt er. Das gelte auch für den Ausbau der Nachkalkulation.
2Mehr Effizienz
Als nächstes sei die Baustelle dran, auf der zum Beispiel Vermessungstechnik und Kommunikation auf den aktuellen Stand gebracht werden sollen. „Das will ich vorantreiben – Tachymeter, GPS, CAD. Bei unserer Größe geht das gerade noch händisch. Wenn wir größer werden, müssen wir uns da natürlich verändern“, ist Ruwolt überzeugt. Tablets für Bauleiter und Vorarbeiter, digitale Dokumentation, das Gerätemanagement professioneller machen – das seien alles Riesenaufgaben für 2026. Aus seiner Zeit bei Enpal hat der Unternehmer auch einen anderen Blick auf Software. Die Branchenlösungen hält er weitgehend für suboptimal. Für sein Unternehmen strebt er individuelle Lösungen an – entweder selbst programmiert oder in Form von Spezialsoftware.
Insgesamt will das Unternehmen durch Digitalisierung die Effizienz steigern. „Wir wollen es schaffen, mit der bestehenden Mannschaft im Büro mehr produktive Arbeitskräfte draußen zu betreuen“, beschreibt Ruwolt das Ziel der betriebseigenen Reformen. Dazu gehört auch eine Professionalisierung der Weiterbildung und die Schulung der Vorarbeiter.
„Die Erfahrungen, die ich bei Enpal gesammelt habe – worauf muss ich achten, was brauche ich für Prozesse, was brauche ich für Leute, damit das funktioniert – das ist genau das, was ich auch hier einsetze.“
„Ich will zu einer festen Größe im Münchner GaLaBau und den verwandten Gewerken werden.“ Patrick Ruwolt
Marketing für das Büro
Neu für das Unternehmen ist auch die Investition in Werbung. Deutschmann lebte von seinem guten Namen. Marketing war aus Sicht des Gründers kaum notwendig. Das sieht Ruwolt mit seinem Hintergrund und seinen Zielen ganz anders – mit besonderem Blick auf das Personal. „Das meiste, was ich im Außenauftritt mache, ist für die Arbeitgebermarke“, sagt er. In den letzten Monaten hat der Unternehmer die Präsenz auf Social Media hochgefahren – in erster Linie bei Instagram und Facebook. Die Webseite wurde neu gestaltet; fokussiert auf die Kernaussagen.
3Das gehört zu der Strategie, mit der Firma stärker in die Öffentlichkeit zu treten und damit sowohl Leistungsträger für das Büro als auch Kunden anzusprechen. „Ich will zu einer festen Größe im Münchner GaLaBau und den verwandten Gewerken werden.“ Aber auch da steht das Personal im Vordergrund. „Wir machen schon viel im Personalmarketing und versuchen uns für die Leute attraktiv zu machen, die in der Branche unzufrieden sind“, verrät Ruwolt und versucht dabei selbst die Faktoren herauszuarbeiten, die ein Unternehmen attraktiv machen. Sinnstiftend müsse der Job auf jeden Fall sein, meint er. „Ich glaube, es geht zunehmend darum, was ich aus meiner Arbeit rausziehe.“ In seinen Unternehmen seien der Teamgeist, der sportliche Ehrgeiz, gute Ergebnisse zu erzielen sowie die Möglichkeit, die Sache gemeinsam wachsen zu lassen, sicherlich Gründe dafür, am Ball zu bleiben. „Ich bin außerdem davon überzeugt, dass es für die Mitarbeiter motivationsstiftend ist, wenn sie Verantwortung übertragen bekommen“, sagt der Unternehmer.
Eine Nische gefunden
„Unseren Sweetspot“ nennt Ruwolt den Bereich der Aufträge zwischen 0,2 und 1 Mio. Euro Umsatz in der Landeshauptstadt und dem Speckgürtel. Die seien für die meisten Kleinen zu groß und für die Großen weniger attraktiv. Nicht alles ist optisch hoch attraktiv und wirtschaftlichen Druck gibt es fast immer. Außerdem zählt die Zuverlässigkeit. In dieser Nische hat sich das 50-Mann-Unternehmen eingerichtet und punktet dabei mit kurzen Entscheidungswegen und hoher Eigenverantwortung. „Viele Große nehmen Subunternehmer rein. Das hat Deutschmann immer stark in Grenzen gehalten, um die Kontrolle über die Ausführung zu haben“, erklärt Ruwolt. In seinem Unternehmen soll auch weiterhin alles aus einer Hand kommen. Auch auf der Großbaustelle und bei der Pflege danach. „Wir machen eine Baustelle ja nicht nur, um sie fertig zu machen, sondern um langfristig mit dem Planungsbüro oder dem Bauherrn zusammenzuarbeiten“, beschreibt der Unternehmer das Konzept. „Das haben alle hier verinnerlicht“, meint Ruwolt und fügt an: „Die eingangs erwähnte Offenheit hilft dem Team, extrem gute Ergebnisse zu erzielen.“
„Bauleiter wirst du nicht ersetzen können. Da geht es um die menschliche Beziehung. Die Kommunikation von Mensch zu Mensch.“ Patrick Ruwolt
Wachstum geplant
„2025 war ein Jahr der Veränderungen“, sagt Ruwolt. „Gar nicht so sehr inhaltlich als vielmehr emotional.“ Der Gründer sei rausgegangen und mit ihm die Bezugsperson, mit der viele im Unternehmen quasi aufgewachsen seien. „Ich musste da erst mal reinkommen und mich beweisen“, gesteht der Unternehmer. „Nun habe ich das Gefühl, dass wir mittlerweile auf einer stabileren Laufbahn sind.“ Geholfen hat dabei auch, dass der langjährige Bauleiter Raphael Neubert zum Geschäftsführer aufgestiegen ist und die beiden sich von Beginn an gut verstanden haben. Sie bilden jetzt zusammen das Führungsteam – Neubert kümmert sich um das Technische, Ruwolt um das Kaufmännische und die Strategie.
In diesem Jahr soll es erst einmal moderat aufwärts gehen. „Ziel ist es, sich weiter zu professionalisieren“, meint Ruwolt. Mit der Übernahme hatte sich auch die Mannschaft ausgedünnt und musste durch Neueinstellungen wieder komplettiert werden. Jetzt ist es in den Augen des Unternehmers sogar besser als vorher. Dabei hat Ruwolt allerdings auch festgestellt, wie schwierig die Besetzung von Bauleiterstellen ist. „Ich habe eine gute zweistellige Zahl an Interviews geführt“, erzählt er. Bei vielen Bewerbern seien die Erwartungen weit von der Realität abgewichen. „Wir sind eine leistungsorientierte Firma“, erklärt der Unternehmer. „Du hast bei uns viel Flexibilität, kannst von Tag 1 viel Verantwortung übernehmen, kannst gut verdienen, es gibt Teilzeit-Optionen“, führt er aus. „Aber in der Hochsaison ist das kein 40-Stunden-Job.“ Und Ruwolt braucht Leute, die Lust haben, Verantwortung zu übernehmen. „Als Bauleiter musst du ja eigentlich Psychologie studiert haben“, sagt er lachend über die Anforderungen an seine Spitzenkräfte. „Der Erfolg der Firma basiert im Grunde auf Kommunikation und Psychologie – den Kunden richtig einzuschätzen, den Kunden an die Hand zu nehmen.“ Das seien die Erfolgsgaranten. „Ich will in meinem Team die besten Leute haben, die es in München gibt im GaLaBau.“
Ab 2027 kann sich der Unternehmer dann ein schnelleres Wachstum vorstellen – organisch ebenso wie durch Zukäufe. Dabei geht es auch um an das eigene Geschäft angrenzende Leistungen, wie Tief- und Straßenbau, aber auch Baustoffhandel oder Privatgarten. „Ich schaue, ob ich eine kleine, lokale Unternehmensgruppe bauen kann. Dann wäre ich schon sehr glücklich“, fasst Ruwolt sein Vorhaben zusammen.
Patrick Ruwolt kommt aus der Startup-Szene und bringt seine Flexibilität, Risikobereitschaft und Innovationskraft in ein gut funktionierendes, aber konservativ agierendes Unternehmen ein. Aus dieser Mischung entsteht eine hohe Schlagkraft, zumal Ruwolt auf Werte wie Offenheit, Partnerschaftlichkeit und Verbindlichkeit setzt. Quereinsteiger wie er, die einen ganz anderen Blick auf die Branche mitbringen, können dem GaLaBau so richtig gut tun.
Deutschmann Garten- und Landschaftsbau GmbH
- Firmengründung: 2001
- Gesellschaftsform: GmbH
- Geschäftsführer/Gesellschafter: Patrick Ruwolt (Inhaber & GF) und Raphael Neubert (GF)
- Umsatz: 8.800.000 € (2025)
- Gewinn: k.A.
- Materialkostenanteil: k.A.
- Betriebsmittellohn: k.A.
- kalkulator. Stundenlohn: k.A.
- durschnittl. Verrechnungssatz: k.A.
- Mitarbeiter: 53
- Maschinenpark: 8 Pkw, 3 Lkw, 12 Pritschenfahrzeuge, 19 Bagger, 19 Radlader
- Auftraggeberstruktur: Privat (10 %), Gewerbe (30 %), Wohnungswirtschaft (40 %), öffentliche Hand (20 %)
- Umsatz nach einzelnen Leistungsbereichen: k.A.
- Mitgliedschaften: VGL Bayern
- EDV-Lösungen: Dataflor, DocuWare, DATEV, AutoCAD
- Zulieferer: k.A.





















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