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DEULA-Tipp

Ohne Chemie gegen Unkraut

Die Anwendung von Herbiziden im GaLaBau unterliegt besonders strengen Vorschriften und Einschränkungen. Die Bedeutung chemiefreier Unkrautbekämpfung wächst.

von Christine Weidenweber/Redaktion erschienen am 24.03.2026
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Unerwünschter Wildkraut-Aufwuchs lässt sich auch ohne Chemie beseitigen.
Unerwünschter Wildkraut-Aufwuchs lässt sich auch ohne Chemie beseitigen. © Claudia von Freyberg

Kommt Chemie nicht in Frage, stehen für die Bekämpfung von Unkräutern verschiedene mechanische und thermische Verfahren zur Verfügung:

Mechanisch bekämpfen

Bei befestigten Flächen können durch regelmäßiges Kehren bereits junge Pflanzen und Samen gut entfernt werden. Spezielle Bürsten und Besen zerstören die Unkräuter und reißen sie heraus. Wesentlichen Einfluss auf den Einsatz und Erfolg haben Beschaffenheit und Material der Bürsten. Es sind Systeme mit Stahl- oder Kunststoffborsten sowie Materialmixe am Markt. Bei empfindlichen Pflastersteinen sind eher weiche Bürsten aus Kunststoff ratsam, einzelne Borsten sind weniger aggressiv als Zöpfe oder Bündel, bei denen es zu typischen Arbeitsspuren wie aufgehellten Scheuerstellen kommen kann. Allerdings kommt es bei schonenden Kunststoffborsten zu einem erhöhten Abrieb, der als Mikroplastik in der Umwelt verbleibt. Nach dem Einsatz von Bürstensystemen muss gekehrt werden, wenn das Gerät nicht selbst schon eine Kehrvorrichtung mitbringt. Durch das Kehren werden die Fugen tiefer, sodass sich Gräser ansiedeln, die irgendwann nicht mehr ordentlich miterfasst werden. Die Folge: Es muss also Fugenmaterial ergänzt werden.

Thermische Verfahren

Thermische Verfahren zur Unkrautbekämpfung können auf allen gängigen Oberflächen eingesetzt werden, mit Ausnahme von Oberflächen aus Kunststoff oder Bitumen. Die in den Pflanzen enthaltenen Eiweiße denaturieren durch die Hitzeeinwirkung, außerdem werden bei hohen Temperaturen im Zellinneren Pflanzenmembrane zerstört. Bereits eine Temperatur von 60 °C reicht aus, um eine Pflanze absterben zu lassen. Oberirdische Pflanzenteile verfärben sich nach kurzer Zeit, werden schlaff und vertrocknen später. Die nötige Hitze wird in unterschiedlicher Weise an die Pflanzen geleitet. Es kommen Wasser, Dampf, Schaum, Luft, offene Flamme, Infrarot-Wärmestrahlung und Strom zum Einsatz. Die Temperaturen sind je nach Methode sehr unterschiedlich und liegen ab 90 °C aufwärts. Diese deutlich höheren Temperaturen sind nötig, denn verschiedene physikalische Faktoren beeinflussen die Wirkung, dazu entstehen Verluste durch die Witterung. Die Verfahren haben meist eine gute Wirkung gegen einjährige Unkräuter, bei mehrjährigen Kräutern, die sich gut aus der Wurzel heraus regenerieren können, ist der Bekämpfungserfolg teilweise weniger gut. Als Beispiel sei Löwenzahn genannt, der bereits nach wenigen Tagen wieder austreiben kann. Werden ausschließlich thermische Verfahren eingesetzt, kann sich die Pflanzengesellschaft hin zu Arten entwickeln, die robuster reagieren.

  • Dampf, Wasser und Schaum: Die mit Heizöl oder Diesel betriebenen Geräte werden auf Fahrzeuge oder Anhänger aufgebaut. Dann werden Schaum und Wasser auf bis zu 98 °C erhitzt und ausgebracht. Bei kombinierten Verfahren wird anschließend Schaum über die Fläche gelegt. Der wirkt wärmeisolierend und verbessert so die Wirkung im Vergleich zu ausschließlich heißem Wasser. Die Fläche kann aber nicht sofort wieder betreten werden. Nach Herstellerangaben können Flächen von 600?800 m² pro Stunde behandelt werden. Dem Schaum sind zwar keine Wirkstoffe gegen Unkraut beigesetzt, er stößt bei Passanten aber häufig auf Argwohn. Alternativ gibt es Verfahren, die mit einem Heißwasser-Heißdampf-Gemisch arbeiten. Hier wird mit Temperaturen von 100?110 °C gearbeitet. Je nach Hersteller und Ausführung kann mit einer Flächenleistung von bis zu 500 m²/h gerechnet werden. Große Heißwassergeräte auf Geräteträgern werden mit Tagesleistungen von bis zu 30.000 m² beworben.
  • Infrarot, Heißluft und Abflämmen: Infrarot- und Heißluftverfahren kommen ohne offene Flamme aus. Bei Infrarotgeräten wird durch einen Gasbrenner ein Edelstahlgitter auf ca. 1000 °C erhitzt, Reflektoren lenken die Wärmestrahlung dann auf die zu behandelnde Fläche. Heißluftgeräte erzeugen einen bis zu 800 °C heißen Luftstrom, der auf die Vegetation geführt wird. Bei Abflämmgeräten erreicht die Flamme Temperaturen von über 1200 °C. Große Geräte gibt es für Trägerfahrzeuge, es sind nach Herstellerangaben bis zu 10 000 m² je Stunde möglich.

Die DEULA rät

Bei der Bekämpfung von unerwünschtem Bewuchs mit nichtchemischen Verfahren ist besondere Vorsicht in der Nähe von Hecken angeraten. Da man bessere Erfolge bei deturgeszenten (nicht-wassergesättigten) Pflanzen erzielt, ist eine Behandlung In den Nachmittagsstunden eines sonnigen Tages empfehlenswert. Wenn der Wassergehalt der Pflanzen geringer ist, ist eine geringere Wärmemenge erforderlich. Hier ist aber Vorsicht geboten, denn auch die Heckenpflanzen können von Abflämm- oder Infrarotgeräten erfasst und in Brand gesetzt werden. Das gilt im Besonderen für Koniferen beziehungsweise Koniferenhecken, wie Thuja. Sie können durch die Ausscheidung ätherischer Öle regelrecht explodieren.

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