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Kolumne Zuletzt

Ein Vorbild

Februar ist Faschings- respektive Karnevalszeit. Da wird auf zahllosen Bühnen allerlei Unsinn verbreitet. Stefan Leszko hat den Monat des Erscheinens dafür genutzt, der Deutschen Schabe eine Kolumne zu widmen.

von Stefan Leszko, Unterpleichfeld erschienen am 02.02.2026
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© Stefan Leszko

In letzter Zeit sehen sich deutsche Gärten und Grünanlagen einer ständig zunehmenden Zahl eingewanderter Pflanzenschädlinge fremdländischen Ursprungs ausgesetzt. Hatte man sich mit Schadorganismen amerikanischer Herkunft wie der Reblaus, Donald Trump und dem Kartoffelkäfer noch mühsam abgefunden, so erregt der lawinenartige Zustrom aus Asien, Südeuropa und Afrika bei Hobby- wie Berufsgärtnern mit Recht Abscheu und Entsetzen. Buchszünsler, Laubholz- und Moschusbockkäfer, Kreppmyrtenblattlaus, Judasbaumblattfloh, Ölweidenblattsauger, Kastanienminiermotte, ja selbst Bananentriebbohrer, Palmenmotte und Roter Palmenrüssler überfallen mitten im Frieden das unschuldige deutsche Grün, und es gibt kein Anwesen mehr, auf dem sie nicht ihr Unwesen treiben. Angesichts dieser Invasion ist die völlige Untätigkeit ansonsten beständig zum Äußersten entschlossener Politikerkreise verblüffend und peinlich. Selbst Markus Söder, der olympische Rekordhalter in der Disziplin des populistischen Arschkriechens, befürwortet zwar lautstark den Abschuss heimischer Wölfe und Fischotter, hat aber für die ausländischen Sechsbeiner bislang nicht einmal eine Hymnenpflicht gefordert. Da muss es einem um unsere botanische Leitkultur wahrhaftig Angst und Bange werden.

Dass es auch in Insektenkreisen positive Gegenbeispiele gibt, beweist folgendes Erlebnis: Im vergleichsweise noblen Würzburger Frauenland bat mich ein an der Universität tätiges Akademiker-Ehepaar, ein Insekt zu bestimmen, das in großer Zahl das vom ihm angemietete Haus bevölkerte. Das an der nächsten Wand gefangene Beispielexemplar entpuppte sich als männlicher Vertreter der Deutschen Schabe (Blattella germanica), die heute eigentlich als äußerst selten gilt. Als ich das dem Ehepaar sagte, überraschte mich die Frau mit der Nachricht, sie hätten bereits in Australien, den USA und in Israel gelebt – und überall hätte es von diesen Tieren geradezu gewimmelt. Aber, und das betonte sie ausdrücklich: Einen erkennbaren Schaden hätten die Schaben nirgends verursacht. Also bitte! Trotz offenbar weltweiter Verbreitung nährt sich Blattella germanica bescheiden von den Überresten nicht mehr benötigter Genussmittel, sticht und belästigt niemanden und schädigt vor allem nirgends die Pflanzenwelt. Somit kann das Verhalten des Deutschen in der Fremde mit Recht als vorbildlich gelten. Zumindest im Schabenmilieu.

Nun bleibt nur noch die Lösung unseres Februar-Krimirätsels: Da sich Kakteen im Dezember in der Trockenruhe befinden und nicht gegossen werden, konnte der Verdächtige Pachulke keinesfalls zu diesem Zweck engagiert worden sein.

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