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Bewässerung

Zwischen Durst und Dauerregen

In heißen, trockenen Sommern diskutieren Kommunen über Bewässerungsverbote, wenige Wochen später stehen Flächen nach Starkregen unter Wasser. Die Extreme sind nicht neu – sie werden häufiger. Entscheidend ist, wie gut Rasenfläche, Boden und Pflege darauf vorbereitet sind.

von Susanne Wannags, mit Infos von Deutscher Rasengesellschaft erschienen am 30.03.2026
Die richtige Bewässerung im Hausgarten spart wertvolles Wasser. © Mathias Stock
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Trockenstress beginnt nicht erst, wenn der Rasen braun wird. Zunächst können sich die Gräser aus dem Wasserreservoir im Boden versorgen. Je nach Beschaffenheit geschieht das schneller oder langsamer – schwere Böden können Wasser länger puffern als sandige.

Wenn Wasser fehlt

Gehen die Wasserreserven zur Neige, verlieren die Gräser zunächst an Spannung: Sie wirken schlaff und beginnen, sich zu verfärben. Dieser sogenannte Welkepunkt ist gärtnerisch interessant, denn er zeigt an, dass die Wurzeln der Pflanze noch aktiv sind. Wird jetzt durchdringend bewässert, fördert das die tiefe Durchwurzelung. Die Betonung liegt hier auf „durchdringend“, also idealerweise bis in eine Tiefe von 10 bis 15 cm. Damit das erreicht wird, brauchen sandige Böden etwa 10 bis 15 l Wasser pro m², lehmigere bis zu 20 l.

Mit regelmäßigen, kleinen Wassermengen tut man den Gräsern keinen Gefallen. Die Feuchtigkeit bleibt lediglich in den oberen Zentimetern, die Wurzeln orientieren sich nach oben – und die Trockenanfälligkeit steigt. Rasen „lernt“ dadurch gewissermaßen, flach zu bleiben. In Hitzeperioden rächt sich das.

Wer mit dem Gartenschlauch wässert, muss besonders auf die Menge achten. Bei zu wenig Wasser bleiben die Graswurzeln flach.
Wer mit dem Gartenschlauch wässert, muss besonders auf die Menge achten. Bei zu wenig Wasser bleiben die Graswurzeln flach. © Marko Aliaksandr/shutterstock.com

Braun gefärbte Flächen bedeuten im Übrigen nicht zwangsläufig Totalausfall. Viele Rasengräser verfügen über Regenerationspotenzial. Ob es ausreicht, zeigt sich erst, wenn der Wurzelraum wieder vollständig durchfeuchtet ist. Geduld gehört deshalb ebenso zum Wassermanagement wie die richtige Bewässerungstechnik.

Wenn Wasser bleibt

Während sich die Folgen von Trockenheit deutlich zeigen, wird Staunässe häufig unterschätzt. Bleibt viel Wasser zu lange im Wurzelraum stehen, sinkt der Sauerstoffgehalt im Boden. Wurzeln benötigen jedoch neben Wasser auch ausreichend Luft, um zu funktionieren. Fehlt sie, geraten die Pflanzen unter Stress, selbst wenn optisch noch alles schön grün wirkt.

Ursache für Staunässe kann Starkregen sein. Häufig spielen jedoch auch Verdichtungen, verschlämmte Oberflächen oder fehlende Gefälle eine Rolle. Wo der Bodenaufbau nicht stimmt, kann das Wasser nicht versickern. Nicht jede Pfütze ist daher ein Wetterproblem – oft ist sie ein Hinweis auf mangelnde Durchlässigkeit. Ist das der Fall, muss die Bodenstruktur verbessert werden, um das Problem zu lösen. Rasenfilz vermeiden, aerifizieren, Sand in den Boden einbringen oder andere Maßnahmen können helfen, die Oberfläche durchlässig zu halten.

Wasser ist wichtig für die Gräser. Allerdings sollten sie gut abtrocknen können.
Wasser ist wichtig für die Gräser. Allerdings sollten sie gut abtrocknen können. © sarocha wangdee/shutterstock.com

Der Boden entscheidet

Ob Trockenstress oder Staunässe: Der Schlüssel für gesundes Grün liegt im Boden. Wie gut kann er Wasser speichern? Wie gut kann Starkregen versickern? Ein sandiger Boden kann trotz geringer Speicherkapazität erstaunlich stabil reagieren, wenn die Wurzeln der Gräser tief genug reichen. Umgekehrt kann ein schwerer Boden bei Verdichtung sowohl zu Trockenstress im Sommer als auch zu Nässeproblemen im Winter führen.

Die Wasserspeicherkapazität des Bodens hängt von seiner Beschaffenheit ab.
Die Wasserspeicherkapazität des Bodens hängt von seiner Beschaffenheit ab. © Sahil Ghosh/shutterstock.com

Für die Praxis bedeutet das: Wasserführung beginnt mit dem Aufbau der Vegetationstragschicht. Ziel ist ein Wurzelraum, der sowohl Wasser aufnehmen als auch überschüssige Mengen ableiten kann.

Technik: Effizienz entsteht durch Planung

Automatisierte Anlagen erhöhen nicht nur den Komfort, sondern auch die Effizienz der Bewässerung. Fachgerecht installierte Regner arbeiten gleichmäßiger und verlustärmer als die Gießkanne oder der Gartenschlauch. Dennoch gilt: Technik funktioniert nur, wenn sie an den Standort angepasst ist. Sonnige und schattige Bereiche, Hanglagen oder die Konkurrenz durch Gehölze erfordern differenzierte Bewässerungskreise.

Die Laufzeit der Beregnung richtet sich immer nach dem am schlechtesten versorgten Bereich – andernfalls entstehen Über- und Unterversorgungen innerhalb einer Fläche. Smarte Steuergeräte, die Wetterdaten einbeziehen oder saisonale Anpassungen ermöglichen, können hier unterstützen. Für Landschaftsgärtner liegt hier ein Beratungsfeld: Nicht jede Fläche braucht Hightech – aber jede Fläche braucht ein angepasstes Konzept.

Effizienz bei der Bewässerung beginnt mit der Planung der Anlage.
Effizienz bei der Bewässerung beginnt mit der Planung der Anlage. © Kamil Jany/Shutterstock.com

Wasser als Daueraufgabe

Rasenflächen stehen heute häufiger zwischen zwei Extremen: Phasen mit hoher Verdunstung wechseln sich mit Perioden intensiver Niederschläge ab. Für Landschaftsgärtner bedeutet das eine Verschiebung der Aufmerksamkeit. Bewässerung ist nicht mehr nur ein sommerliches Zusatzthema, sondern Teil eines ganzjährigen Wassermanagements. Entscheidend ist dabei weniger, wie viel Wasser tatsächlich verfügbar ist, sondern wie gut Fläche, Boden und Pflegekonzept auf wechselnde Bedingungen eingestellt sind.

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