
Der GaLaBau als Zehnkampf
Ottmar Hübner hatte einen steinigen Start ins Leben. Mit sportlichem Ehrgeiz, starkem Willen und hohem Krafteinsatz hat er es zum erfolgreichen Unternehmer im Traumberuf geschafft. Zu Besuch bei einem, der sich seines Glücks ebenso bewusst ist, wie seiner Leistung.
von Tjards Wendebourg, Redaktion DEGA GALABAU erschienen am 14.11.2025Der Dezember hat gerade angefangen und im Tal der Oberen Argen ist schon Winter. Für das Team von Hübner Gärtner von Eden ist das gar nicht so ungewöhnlich. Oberthalhofen liegt auf fast 800m, da gibt es auch in Zeiten des Klimawandels noch richtige Wintermonate. Auf 1.250 Produktivstunden kommen die Mitarbeitenden durchschnittlich. „Ich schicke meine Leute nur raus, wenn ich sehe, dass sich das auch lohnt“, meint Ottmar Hübner. Und heute ist eher einer der Tage, die wirtschaftlich grenzwertig sind.
1Hübner hat sich auf die Landschaft eingestellt, die seit über 50 Jahren seine Heimat ist. Am Anfang der Selbstständigkeit war er jeweils noch drei Monate als Skilehrer unterwegs. Auch heute noch nehmen sich die Hübners im Winter eine Auszeit. „Es ist ein Luxus, vier bis sechs Wochen lang das Tempo zu reduzieren.“, schmunzelt der Unternehmer. Um wirtschaftlich zu arbeiten hat er das Unternehmen auf die kurze Saison optimiert, hat die Fixkosten in Grenzen gehalten und schaut, dass Ordnung im System die Reibungsverluste minimiert. Hübner war nach der Meisterschule als damals Deutschlands jüngster Meister bei zwei Kollegen (Kappler und Haas) in Wangen im Allgäu tätig.
Lebensstart mit Hürden
Nichts daran, dass Hübner heute da ist, wo er ist, ist selbstverständlich. Seine Karriere begann als Kleinkind in einem Kasseler Kinderheim und wäre er nicht immer wieder Menschen begegnet, die es gut mit ihm meinten, wer weiß, wie es geworden wäre. Mit einem dieser Menschen, seiner Heimleiterin, kam er 1970 ins Westallgäu, erfuhr viel Förderung und wurde schließlich Landschaftsgärtner. Das war zu der Zeit gar nicht so einfach, weil es viel weniger Betriebe gab und der Beruf des Landschaftsgärtners noch nicht so etabliert war. Am Ende bekam Hübner in Lindau vielleicht auch deshalb einen Ausbildungsplatz, weil die Frau des Unternehmers auch Kinderheimerfahrungen gemacht hatte. Den täglichen Weg zum Ausbildungsbetrieb von insgesamt 70 km hat er zu Beginn mit einem einfachen Fahrrad und zum Ende der Ausbildung mit einem geliehenen Moped gemeistert. Und hätte der heutige Vegetarier nicht während seiner ersten Ausbildung als Metzger eine Allergie bekommen – vielleicht wäre er nie im Traumberuf angekommen.
Das alles muss man wissen, um den Unternehmer verstehen zu können, der stolz darauf ist, alles mit eigener Hände Arbeit aufgebaut zu haben. „Ich hatte niemanden, der mir einen Geldbeutel aufgemacht hat“, schmunzelt der 59-jährige. Hübner war zudem immer ein talentierter Sportler. Sein Trainer hat ihn früh gefördert. „Jürgen Hingsen war mein großes Vorbild“, lacht er. Für den jungen Mann war der Zehnkampf immer eine Quelle des Erfolgs und des Ausgleichs. Der sportliche Ehrgeiz und die Ausdauer sind ihm bis heute geblieben. Beides prägt seine Arbeit.
Feng-Shui als Leitlinie
Eine weitere wichtige Konstante seines unternehmerischen und privaten Schaffens ist die Hinwendung zum Feng-Shui. Und damit ist nicht jene Art von Feng-Shui gemeint, bei der es um platte Weisheiten geht, wo Eingang und Abfall zu platzieren sind. Für Hübner ist Feng-Shui ein ganzheitliches Konzept, welche auch die traditionelle chinesische Medizin (TCM) beinhaltet. Es beruht auf ständig zu erneuernder Berechnung von monatlich wandelnden Energien, welche auf den sogenannten Ernährer des Hauses berechnet werden. Hübners Privathaus basiert darauf. Hübners Unternehmen ist darauf aufgebaut und prägende Entscheidungen werden ebenfalls berechnet. Diese Lehre spielt in seinem Leben seit mehr als 26 Jahren eine beständige Rolle. Dabei arbeitet der Unternehmer mit Markus Jung zusammen. Jung ist der einzige Feng-Shui-Großmeister in Europa und damit ein gefragter Fachmann. Er ist Gründungsmitglied der Gärtner von Eden, hier haben sich die Beiden kennengelernt. Mittlerweile arbeitet Jung ausschließlich im Bereich der Naturmedizin & der Feng-Shui Lehre. Ein schneller Baustellenbeginn ist somit ausgeschlossen und führt zu einem über einen längeren Zeitraum bestehenden persönlichen Kundenkontakt.
Eden-Gärtner fast von Beginn
Apropos Gärtner von Eden – seit 2004 ist Hübner dabei. Anfangs haben sie ihn auf der Messe belächelt, als er sich als 3-Mann-Betrieb für eine Mitgliedschaft interessierte. Bei einem Gesprächstermin auf der GaLaBau hat man ihm noch prophezeit, dass er werde wachsen müssen, um die Kriterien zu erfüllen. Doch kurz darauf war es dann soweit. „Die Entscheidung zu den Gärtnern von Eden zu gehen, habe ich nie bereut“, sagt Hübner heute. „Es ist zwar relativ kostenintensiv, aber es ist für mich gerade wegen der ERFA-Treffen und dieses Begegnens auf Augenhöhe so wertvoll.“ Dabei sind die Gärtner von Eden jetzt zu zweit in der Region, denn in Heimenkirch, kaum 15km entfernt sitzt Herrhammer Gärtner von Eden (siehe DEGA GALABAU 7/2017). Geht das eigentlich mit zwei GvE-Betrieben? „Ich glaube in den 22 Jahren gab es zwei Kunden, bei denen wir beide im Gespräch waren“, schaut Hübner zurück. Es gebe halt „Hübner-Kunden“, oder „Herrhammer-Kunden“ schmunzelt der Wahl-Allgäuer. Sobald ein anderer GvE-Betrieb im Spiel sei, mache er eh kein Angebot, versichert der Unternehmer. Wenn es um Pools geht, kommt auch der Zusammenschluss der Genossenschaft zum Tragen. Hier arbeitet das Allgäuer-Unternehmen mit den Kollegen von Schleitzer Gärtner von Eden aus München eng zusammen, die Biotop-Partner sind. Der einheitliche Markenauftritt hinterlässt nach Außen ein stimmiges Gesamtbild. So können sich die Genossenschafts-Mitglieder stärkenorientiert unterstützen. Ein weiterer unkomplizierter Mehrwert ist der Azubi-Tausch und die GvE-Akademie. Dies wird für die rund 1400 GvE-Mitarbeitenden über eine eigens entwickelte App koordiniert.
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„Ich bin auch nicht der Typ der sagt, ich will nur die High-End-Gärten bauen. Da verdienst Du nicht unbedingt die High-End-Kohle.“ Ottmar Hübner
Vornehmlich Umgestaltung
Das Westallgäu ist eine Fremdenverkehrsregion. Am Fuss der Nagelfluhkette machen viele Menschen aus der ganzen Bundesrepublik Urlaub. Viele ziehen auch am Ende Ihres Erwerbslebens in die schöne Landschaft. Wohlhabende Menschen aus den Großstädten träumen von der Ruhe auf dem Land. Rund um den nahen Bodensee wiederum boomt die Wirtschaft. Reiche Regionen wie Vorarlberg und die Ostschweiz grenzen unmittelbar an. Hübners Leute fahren selten weiter als 50km. Aber das dünne Straßennetz macht daraus schon mal 60 oder gar 90 Minuten – wenn es etwa nach Dornbirn geht; der mit 50.000 Einwohnern größten Stadt in Vorarlberg. Dabei baut Hübner keineswegs nur „Premium“. „Ich bin nicht der Typ, der sagt, ich will nur die High-End-Gärten bauen“, meint der Unternehmer. „Da verdienst Du gar nicht unbedingt wesentlich besser“, begründet er die Entscheidung. Oft verdiene man bei kleineren, aber besonderen Dingen viel mehr. Dabei geht es zu 80% um Umgestaltungen. „Ich glaube, die letzten drei Jahre haben wir vielleicht zwei Neuanlagen gebaut“, schaut der Unternehmer zurück. Wenn der Garten neu angelegt wird, dann oft bei Kunden von Baufritz. Der Premium-Fertighausanbieter aus dem Allgäu hat oft finanziell unabhängige Bauherren und -frauen, die sich auch noch 150.000 bis 200.000 Euro für einen Garten leisten können. Es sind zudem meistens Menschen mit einem hohen ästhetischen Anspruch.
„Von mir aus sollen sich alle die Finger wund hauen, wir machen die Gärten schön mit Pflanzen.“ Ottmar Hübner
Die Pflanze im Fokus
„Von mir aus sollen sich alle die Finger wund hauen, wir machen die Gärten schön mit Pflanzen“, pointiert Hübner schmunzelnd den Fokus vieler Kollegen auf das Bautechnische. Bei Hübner stehen die Pflanzen im Vordergrund; wohlwissend, dass daran nicht nur das Emotionale hängt, sondern mit Pflanzen auch gutes Geld zu verdienen ist; denn die Möglichkeiten sind riesig und die Preise kaum zu vergleichen. Hübner gibt zu, dass die Zuneigung bei den Pflanzen bei ihm auch erst später gekommen sei. Mit der Zeit haben dann die Pflanzen immer mehr Bedeutung bekommen. Auch weil Hübner den Ehrgeiz hatte, grüne werthaltige Lebensräume für Mensch & Tier zu erschaffen. „Das Thema Pflanze ist bei uns wichtig, aber aus meiner Sicht darf im gesamten Berufsbild da noch mehr wachsen“, meint er. Gerade dem Nachwuchs sei es schwierig, die Kompetenz näherzubringen. „Wir haben tolle Azubis, aber auch bei uns kam es schon vor, dass durch die Prüfung durchgefallen wurde.“, bedauert Hübner. „Ich habe gesagt: ‚Ganz ehrlich, das darf dir nicht passieren. Das ist ein Unding, dass jemand wegen der Pflanze durchfällt“, erzählt er, der den Begriff „GaLBauer“ gar nicht mag. „Ich spreche immer vom Landschaftsgärtner.“ Am Ende hat er noch ein schönes Zitat, dass die Liebe zum Grünen auf den Punkt bringt: „Ich stehe zu meinem Beruf, wie die Katholische Kirche die Mutter Gottes verehrt“, sagt er schmunzelnd.
Gleichzeitig Zahlenmensch.
Auf der einen Seite fühlt sich Hübner unsichtbaren Energien verbunden und bringt viel Empathie für die Pflanze auf, auf der anderen Seiten ist er ein kühler Rechner. „Ich habe immer nach dem Prinzip aufgebaut: ‚mach den Geldbeutel auf und schau rein, was du dir leisten kannst“, beschreibt der Unternehmer sein Prinzip. Daraus ist ein Kostenbewusstsein entstanden, welches das Unternehmen prägt. „Ich sage meinem Sohn oft: ‚Hol dir heute nichts ins Haus, was du in drei Jahren wieder loswerden musst“, pointiert Hübner. „Ich hatte noch nie einen 9-Tonnen-Bagger und habe trotzdem 300.000-Euro-Gärten gebaut.“ Auch sonst schaut der Unternehmer auf das Geld. Zusammen mit dem Controller Kurt Sachs erarbeitet er eine Jahreszielplanung und weiß deshalb genau, was er sich leisten kann. Dazu kommt die Leidenschaft für Ordnung. „Ordnung bringt auch Sicherheit“, lautet Hübners Credo. „Ich sage immer, stellt euch vor, die Feuerwehr hat einen Einsatz und jeder fängt dann an zu suchen - das gibt das pure Chaos“, erklärt er und rät dazu lieber langsamer, aber dafür geplanter zu arbeiten. „Mit bewusstem Handeln bekommt man mehr fertig. Garantiert“, ist Hübner überzeugt. Er versteht auch schlampiges Arbeiten nicht. „Ob ich ordentlich oder schlampig arbeite - es ist immer der gleiche Energieaufwand. Also mach es doch lieber gleich gescheit und wachse damit auch selber innerlich“, findet der Unternehmer. Der ewige Kampf gegen die Entropie – bei Hübner ist das auch der kurzen Saison geschuldet. Denn in der Saison muss das gesamte Geld erwirtschaftet werden. Da sollten alle Abläufe sitzen.
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„Wir Gärtner von Eden müssen mit unseren Preisen auf dem Markt bestehen, wie jeder andere auch.“ Ottmar Hübner
Noch einmal neu ordnen
„Ich möchte in naher Zukunft in die zweite Reihe rücken“, sagt Hübner in Bezug auf die Nachfolge. Sohn Julian wird immer mehr in den unternehmerischen Alltag miteinbezogen und hat Lust auf Wachstum. Für den Unternehmer heisst das, nochmal alles etwas umzusortieren. Aus dem Einzelunternehmen soll eine GmbH werden. 2024 war das Unternehmen auf 22 Leute gewachsen und das derzeitige Firmengelände kam an seine Grenzen. Viel produktive Zeit ging verloren, weil ein reibungsloser Ablauf nicht mehr garantiert werden konnte – die Obere Argen auf der einen Seite und ein steiler Hang auf der anderen begrenzen den verfügbaren Raum. Dem will Hübner durch eine Umstrukturierung der im Eigentum vorhandenen ca. 3.500 qm² nicht genutzten Grünfläche Freiraum schaffen.
2024 war ein nicht zufriedenstellendes Wirtschaftsjahr. Hübner trennte sich von einem Vorarbeiter und vier weiteren Leuten, welches im Nachgang eine richtige Entscheidung war. Dadurch wurden die innerbetrieblichen Prozesse wieder optimiert und der Erfolg hat sich wieder eingestellt. Perspektivisch will er wieder wachsen – zumal drei über 60-jährige demnächst eine Nachfolge brauchen.
Mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Stephanie Schneider hat Hübner zwei schulpflichtige Kinder, auf eine gemeinsame Familienzeit und auf die Balance im Berufsalltag legen Beide Wert. Die gelernte Hotelfachfrau hat nicht nur ganz neue Lebensperspektiven aufgemacht, sondern das Unternehmen auch noch einmal richtig vorangebracht. „Meine Frau ist die absolut gute Fee im Betrieb. Ich würde meinen Laden nicht ohne sie führen wollen“, gesteht Hübner. Ihre Erfahrung im Umgang mit wohlsituierten Kunden ist dabei nur ein Aspekt, der Gold wert ist. Im Konzept: „die Firma als Familie“ spielt sie ebenfalls eine tragende Rolle.In den nächsten Wochen ist es dann soweit: Hübner gründet mit seiner Partnerin Stephanie Schneider und Sohn Julian Hübner die neue GmbH. Damit ist die Unternehmensnachfolge in Stiefenhofen auf den Weg gebracht. „Die Fußstapfen könnt Ihr als Orientierung nehmen. Aber Ihr müsst Euren eigenen Schritt finden.“, gibt der erfahrene Unternehmer seinem Sohn mit auf den Weg.
Kontakt:
- Firmengründung: 1997
- Gesellschaftsform: Einzelunternehmen
- Geschäftsführer/Gesellschafter: Ottmar Hübner
- Umsatz: 1.600.000 € (2025)
- Gewinn: 185.000 € (2025)
- Materiakostenanteil: 30 % (2025)
- Betriebsmittellohn: 55,56 €
- kalkulator. Stundenlohn: 24,66 €
- durchschnittl. Verrechnungssatz: 65 €
- Mitarbeiter: 17, davon 1 Ingenieur, 2 Meister, 6 Gesellen, 2 Mitarbeiter im Büro, 4 Kolonnen, 1 Fachfremde, 2 Azubis, 2 Ungelernte, 1 Verwaltungsangestellte
- Maschinenpark: 3 Pkw, 2 Lkw, 4 Bagger/ Minibagger, 2 Radlader
- Auftraggeberstruktur: Privat (90 %), Gewerbe (7 %), öffentliche Hand (3 %)
- Umsatz nach Leistungsbereichen: Hausgarten ( 75 %), Gewerbebegrünung (5 %), Schwimmteichbau (10 %), Dachbegrünung (10 %)
- Mitgliedschaften: VGL Bayern, Gärtner von Eden eG, DGfnB, Franchisebeteiligungen (z.B.: Bewässerung, Schwimmteichbau etc.)
- EDV-Lösungen: KS21, galawork, Pflanzenreich App
- Zulieferer: Natursteinwerk Borst (Muschelkalkprodukte), Wohnrausch (Travertin), Holz Renz (Thermoesche), Stadtschmiede King (Metallarbeiten), Fehrle Stauden (Stauden), Knapkon (Düngemittel), International Tree Broker (Gehölze), BayWa (Baustoffe), Ökohum (Substrate), Kranzinger Erden (Mulchmaterial), Patzer Erden, Geiger (Schüttgüter)






























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