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Interview mit Boris Bossmann, Ammann Gartenbau AG

„Wir zeigen, dass Pflege ein professionelles Handwerk ist, kein Nebenjob“

Boris Bossmann betreibt die Ammann Gartenbau AG in Meilen am Zürichsee. Das Unternehmen hat rund 35 Mitarbeitende und macht über die Jahre durchschnittlich rund 60 Prozent des Umsatzes mit Garten-Unterhalt, also mit Gartenpflege.

von Redaktion erschienen am 13.02.2026
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Gartenpflege ist bei Ammann Gartenbau eine qualifizierte Tätigkeit für gut ausgebildete Spezialisten.
Gartenpflege ist bei Ammann Gartenbau eine qualifizierte Tätigkeit für gut ausgebildete Spezialisten. © Ammann Gartenbau AG, Meilen
Zur Person
Boris Bossmann
…..ist am Niederrhein aufgewachsen und dann….
DEGA: Boris, als in die Schweiz ausgewanderter Deutscher hast Du ja vielleicht den Vergleich. Sind die Schweizer bereit, mehr Geld für den Unterhalt auszugeben und wenn ja, weshalb? Bossmann: Ja, auf jeden Fall ist das so. Viele Kundinnen und Kunden sehen den Garten als Teil der Lebensqualität und als Wertanlage rund ums Haus. Gleichzeitig sind die Erwartungen an Sauberkeit, Funktion und Verlässlichkeit hoch. Wenn wir zeigen, dass Pflege planbar ist und den Garten langfristig stabiler macht, wird das als sinnvoller Aufwand akzeptiert. Das der Pflegeaufwand auch für private Eigenheimbesitzer steuerlich absetzbar ist, spielt uns in die Karten. DEGA: Was macht denn den Unterhalt für Dich als Unternehmer so attraktiv? Bossmann: Unterhalt ist nahe am Kunden und extrem kontinuierlich. Man sieht schnell Resultate, baut Vertrauen auf und kann Qualität über Jahre entwickeln. Unternehmerisch ist es attraktiv, weil es wiederkehrende Arbeit ist und man sehr gut über Prozesse, Standards und Teamführung steuern kann. Die gleiche Sichtweise auf das Geschäft, lässt in der IT Industrie die Aktienkurse steigen. Wenn man genau hinschaut, ist das Modell auch für den Gartenbau immer noch attraktiv. DEGA: In Deutschland hat man ja oft das Gefühl, dass die Pflanze auf dem Rückzug ist, obwohl sie ja einen Garten erst attraktiv macht. Nimmst Du das bei Dir auch wahr? Pflanze und Pflege, das ist ja ein untrennbares Begriffspärchen. Bossmann: Das nehme ich eher weniger wahr. Es wird zwar manchmal zu stark in harte Flächen und Technik investiert, aber die Pflanze ist bei uns im Unterhalt und auch bei der Gestaltung sehr wichtig. Ich glaube, sie wird weniger als Risiko empfunden, wie es in Deutschland manchmal den Anschein hat. Ich sehe diese Gefahr hingegen nicht: Pflanzen sind das, was den Garten lebendig macht. Und Pflege ist nicht der Preis dafür, sondern die Methode, wie man diese Lebendigkeit über die Jahre erhält. Wer das gut plant, hat weniger Probleme und mehr Freude. DEGA: In Deutschland ist Pflege bei vielen Fachkräften nicht sehr attraktiv. Wie ist das bei Euch? Bossmann: Das Thema gibt es bei uns auch, aber die Ausgangslage ist oft besser, weil Unterhalt in vielen Betrieben wirtschaftlich ein Kernbereich ist. Entscheidend ist, wie der Job im Betrieb gelebt wird: Ob Pflege als anspruchsvolle Facharbeit gilt oder als Restposten. Gute Pflege braucht Pflanzenkenntnis, Beobachtung und Timing, das ist echte Kompetenz. Wir erhalten für den Unterhalt die gleichen Stundenlöhne wie im Neubau. Da wird nicht unterscheiden. Entsprechend ist es auch so, dass die Löhne in allen Abteilungen gleich hoch sind und dies die fachliche Ausrichtung der Gärtner nicht beeinflusst. Gerade in den letzten Jahren hatten wir einen regelrechten Boom in der Ausbildung und das Image der Gärtner ist im Vergleich zu anderen Handwerksbetrieben hoch. Daher wünschen sich regelmässig Bewerber bei uns, dass sie in den Unterhalt kommen möchten. Wir haben da als Ammann Gartenbau absolut keine Nachwuchssorgen. DEGA: Kann man den Job attraktiver gestalten? Bossmann: Ja, sehr. Erstens über klare Verantwortung pro Objekt, damit man nicht nur erledigt, sondern gestaltet. Zweitens über gute Arbeitsmittel, saubere Planung und realistische Taktung. Drittens über Entwicklung: Schulungen, Pflanzenwissen, Schnittkompetenz, auch digitale Werkzeuge. Und ganz simpel: Wenn die Arbeit sichtbar wertgeschätzt wird, steigt die Attraktivität sofort. Wir legen Wert darauf, den Berufsstolz «Gärtner» zu fördern. DEGA: Wie werbt Ihr für Mitarbeiter in der Pflege? Bossmann: Wir zeigen, dass Pflege bei uns ein professionelles Handwerk ist, nicht Nebenjob. Wir sprechen Menschen an, die gern draussen arbeiten, gern Verantwortung übernehmen und Freude daran haben, einen Garten über Jahre zu entwickeln. Wichtig ist auch, ehrlich zu sein: Es ist körperlich fordernd, aber mit guter Organisation, gutem Team und fairen Bedingungen ist es ein toller Beruf. Auch finanziell müssen Gärtner sich mit ihrem Gehalt nicht verstecken. Wir zahlen als Branche sehr gute Löhne und können daher gut mit anderen Bauberufen konkurrieren.
„Ich kaufe lieber einen Laubbläser als einen Bagger. Einen Laubbläser habe ich nach einem Monat refinanziert. Das ist eine echte Cash-Cow!“ Bpris Bossmann, Ammann Gartenbau AG
DEGA: Mal etwas anderes: Du sagst provokant, dass sich für Dich ein Laubbläser viel mehr lohnt wie ein Bagger. Das musst Du wahrscheinlich mal erklären. Bossmann: Bei uns wird im Unterhalt alles nach Aufwand abgerechnet. Eine Heckenschere oder auch einen Laubbläser verkaufen wir für 41.- CHF (ca. 45 Euro) bzw. 39.- CHF je Stunde. Entsprechend kann man sagen, dass nach einem Monat sicherlich so viele Stunden aufgelaufen sind, dass man wieder ein neues Gerät kaufen könnte. DEGA: Du gast die digitalen Werkzeuge schon angeschnitten. Wie ist bei Euch die Pflege organisiert, esd macht ihr digital? Bossmann: Wir arbeiten mit klaren Pflegeplänen, dokumentieren wichtige Punkte und versuchen, wiederkehrende Abläufe zu standardisieren. Digital hilft uns vor allem bei Planung, Rapport und Nachverfolgung: Was wurde wann gemacht, was ist aufgefallen, was ist der nächste Schritt. Das erhöht Qualität und entlastet das Team, weil weniger Chaos entsteht. Auch die interne Kommunikation, die Einbeziehung des ganzen Teams an Entscheidungen, Ablagen und Erinnerungen werden digital ausgerollt. Ammann Gartenbau gehört auf dem Schweizer Markt sicher zu dem digitaleren Viertel, vielleicht sogar noch mehr. Aber auch hier ist es wichtig, alle Mitarbeitenden mitzunehmen. Wir haben ein rund halbes Dutzend Apps, welche die Mitarbeiter auf ihren mobilen Geräten im Einsatz haben. Da muss man immer auch vorsichtig sein, dass der analogere Teil der Belegschaft auch mitgenommen wird. DEGA: Was würdest Du den Kolleginnen und Kollegen in Deutschland zuwerfen, wie kann man die Pflege in der Branche besser etablieren? Bossmann: Pflege muss im Kopf gleichwertig sein wie Bau. Wer Pflege als Kernkompetenz positioniert, verkauft nicht nur Stunden, sondern Stabilität, Schönheit und Werterhalt. Dazu gehört: klare Pakete, transparente Leistung, realistische Intervalle, saubere Kommunikation und ein Team, das fachlich wachsen kann. Wenn Pflege als professionelles Produkt gedacht wird, wird sie automatisch sichtbarer und attraktiver.
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