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KOMMENTAR | TJARDS WENDEBOURG

Heute schon zufrieden gewesen?

Dass die grassierende Unzufriedenheit mittlerweile existenzbedrohende Züge angenommen hat, lässt sich fast mit Händen greifen. Dabei wäre ein Blick auf das IST einfach mal sinnvoller als auf das SOLL. Denn letzteres ist möglicherweise nur ein Minderheiten-Votum, meint Tjards Wendebourg im aktuellen Kommentar.

von Tjards Wendebourg, Redaktion DEGA GALABAU erschienen am 14.01.2026
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© Barbara Sommer

Eine Freundin kam neulich aus dem Oman zurück und erzählte, dass sie viel mehr als der Temperaturunterschied von immerhin 30°C. die Stimmung genervt hätte, die sie bei ihrer Rückkehr nach Deutschland empfangen hätte. Nach der Ausgeglichenheit, mit der die Omani ihr Leben bestreiten und der Freundlichkeit, mit der sie dort behandelt wurde, fiel ihr die Miesepetrigkeit, die Missgunst, die Unzufriedenheit und die Unfreundlichkeit hierzulande besonders übel auf. Schon der Kampf um den Kofferwagen („Das ist meiner!“) erinnerte sie daran, dass sie wieder in einem Land auf dem Ego-Tripp gelandet war.

Nun lässt sich ein Staat ohne Winter schwer mit der Bundesrepublik vergleichen; zumal der Oman eine Steueroase ist und die Lebenshaltungskosten rund 40% unter denen bei uns liegen, Studium und Gesundheitssystem zudem für alle nahezu kostenfrei sind. Aber man hat im Oman auch durchschnittlich weniger (BIP pro Kopf: 50.800 (D): 19.000 (OM)), hat deutlich mehr Zuwanderer (15% (D):45% (OM), lebt deutlich sicherer und ist insgesamt einfach zufriedener. Die Menschen feiern ihre Traditionen, sind dabei weltoffen und genießen das Leben.

Wie gesagt: Ohne Winter lebt es sich sorgenfreier und es macht wenig Sinn, Weltgegenden mit unterschiedlicher Geschichte miteinander zu vergleichen. Andererseits: Macht diese Missgunst wirklich Spaß? Könnte man nicht mal von anderen lernen und schauen, um was es wirklich geht? Wäre es nicht sinnvoll, ein gesundes Bewusstsein gegenüber dem zu entwickeln, was man hat, statt ständig zu schauen, was man nicht oder nicht mehr hat? Gerade angesichts der Tatsache, dass die Missgunst mittlerweile einen politischen Arm bekommen hat und damit – direkt oder indirekt - Teil der Entscheidungsprozesse geworden ist, ist es Zeit für einen Umdenkprozess. Denn die Miesepetrigkeit wird existenzbedrohend!

Unternehmerinnen und Unternehmer haben dabei eine besondere Verantwortung. Denn sie sind Multiplikatoren. Nutzen Sie ihre Mitarbeitenden als Botschafter einer besseren Stimmung. Arbeiten Sie daran mit, ihnen ihre Selbstwirksamkeit bewusst zu werden. Ja, Politik wird es nie jedem recht machen können. Jeder ist nur 1/84 Millionenstel des Ganzen und es wäre vermessen zu erwarten, dass alles nach den eigenen Wünschen läuft. Politik ist ein magerer Kompromiss aus 84 Millionen Einzelinteressen! Machen Sie den Leuten klar, dass Miesepetrigkeit das Leben nicht besser macht, sondern den negativen Blick intensiviert – mit allen Nebenwirkungen. Aber jede und jeder Einzelne kann sehr viel bewirken. Belegschaften, die das verinnerlicht haben, helfen nicht nur die Gesamtstimmung positiv zu verändern, sondern werden auch selbst positiv wahrgenommen. Und sie wissen ja: Wirtschaftlicher Erfolg ist nicht zuletzt Psychologie.

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