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25. GaLaBau- Symposium in Münster

Eine Branche, 1.000 Chancen

Das GaLaBau-Symposium in Münster-Wolbeck feierte Jubiläum. Zugleicht tritt der Erfinder der Veranstaltung von der Bühne ab. Markus Reher von der Landwirtschaftskammer NRW hatte zu seinem Abschied das richtige Thema gewählt: „Karrieren im GaLaBau“. Seine geht weiter; aber jenseits des Symposiums.

von Tjards Wendebourg, Redaktion DEGA GALABAU erschienen am 18.02.2026
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25. GaLaBau-Symposium
25. GaLaBau-Symposium © Tjards Wendebourg, Redaktion DEGA GALABAU

Gastgeber Vinzenz Winter begrüßte die rund 120 Gäste und erinnerte daran, dass nicht nur das GaLaBau-Symposium Jubiläum feiert. Auch das Gartenbauzentrum, das seit 100 Jahren in Wolbeck sitzt und der Start der Berufsbildung am Standort vor 50 Jahren hatten jeweils runde Geburtstage.

Reher nutzte sein Vorwort für ein Dankeschön an seinen Arbeitgeber für die Freiheit, sich Themen ausdenken zu dürfen. 25 Symposien lang habe er volle Gestaltungsfreiheit gehabt.

Wie jedes Jahr griff Reher am Aschmittwoch wieder Motive aus den diesjährigen Rosenmontagszügen heraus: Den Wagen von Jacques Tilly aus dem Düsseldorfer Zug, in dem der Künstler den absurden Prozess auf die Schippe nahm, den die russische Justiz gerade in Moskau gegen ihn führt und einen Motivwagen zur Generationengerechtigkeit, bei dem ein Säugling einen Karren mit Senioren zog. Denn immer weniger junge Mensche werden immer mehr Alte versorgen müssen.

Daran knüpfte ach VGL NRW-Präsident Josef Mennigmann an, der in seinem Grußwort seine Kolleginnen und Kollegen noch einmal daran erinnerte, frühzeitig an die Nachfolge zu denken.

Prof. Martin-Thieme-Hack brach auf gewohnt unterhaltsame Art eine Lanze für die aktuelle Generation und meinte: „Wir sind auf einem hohen Niveau, was das Klagen betrifft.“ Allerdings habe er schon Veränderungen festgestellt. Während früher die Noten der Gaußschen Normalverteilung gefolgt wären, stehe die Kurve heute Kopf. Statt vieler Studierender im Mittelfeld seien es heute eher viele sehr gute, viele schlechte und wenige im Mittelfeld. Das könnte Auswirkungen haben, denn, wie Thieme-Hack seinen Kollegen Prof. Wolfgang Ziegler zitierte: „Die mittelmäßigen Studenten sind später die besten Unternehmer.“ Er erklärte das mit dem Dunning-Kruger-Effekt, der grob gesagt bedeutet, dass Hochbegabte oft durch ihre Zweifel in ihrer Entscheidungsfreude gehemmt werden. Denn der GaLaBau als „Generaldiletantissmus“ würde oft Abstriche an die Qualität verlangen. Er hob hervor, dass er weiter daran glaube, dass der GaLaBau Ingenieure braucht. „Wir bilden dabei die Leute nicht aus, wie man etwas macht, sondern wie man sich etwas aneignet“, sagte der Hochschullehrer. Dazu gehöre auch, dass die Studierenden über den Tellerrand schauen könnten. Das passiert etwa in Form von Exkursionen in die USA, wo der Nachwuchs GaLaBau- Konzerne wie Bright View Holdings (2,7 Mrd. $), The Davey Tree Expert und TruGreen (je 1,5 Mrd. $) und Mariani Premier (0,7 Mrd. $) mit Milliardenumsatz kennenlernen konnten. Wettbewerb mache den GaLaBau stark und viele seiner Studierenden seien durchaus wieder leistungsorientiert. Für andere sei die Karriere heute Selbstverwirklichung.

Die Berufsschullehrer Hilko Meyer (Schulleiter BBS OS-Haste) und Carsten Lindner (HBB Recklinghausen) warfen in Form eines Zwiegesprächs einen Blick auf die Karrieren von Lehrkräften. Nach einer kleine Umfrage unter Kolleginnen und Kollegen stellten sie fest, dass viele sich erst spät entschieden hatten, Berufsschullehrer zu werden. Die meisten hätten eine Ausbildung genossen und viele danach auch etwas anderes gearbeitet. In anderen Branchen würden die Lehrer deutlich weniger Berufserfahrung mitbringen. Und auch als Lehrkraft sei Karriere möglich, etwa Teamleitung, Schulleitung, oder in einer Behörde. Beklagt wurde, dass das alte Agrarreferendariat in NRW abgeschafft worden sei. Das seit mit Schuld am Lehrermangel in der Berufsschule

Thilo Kessels (Garten.AC, Aachen) zeigte unter dem Motto „Vom Werker zum Meiste“, dass Schulprobleme nicht das Ende der Karriere bedeuten müssen, wenn man Willen zeigt und die richtigen Menschen trifft. Der junge Mann mit Lese-Rechtschreibschwäche kämpfte sich sich bis zum Meisterbrief durch und wurde zum Leistungsträger seiner Firma. Dass sein Arbeitgeber auch seinen schwierigsten Lebensmoment mit ihm durchstand, in dem er drei Monate aussetzen musste, weil er dem schwerkranken Bruder einen Teil seiner Leber spendete, rührte auch das Publikum. Kessels arbeitet heute bei Garten.AC in der Ausbildung und warb auch bei den Chefinnen und Chefs dafür, Menschen mit Startschwierigkeiten eine Chance zu geben.

Auch der Agrarbetriebswirt Florian Koch (37) musste erst einen schulischen Umweg nehmen, bevor er im Studium ankam. Heute führt er zwei Planungsbüros (Christian Pacyna/Hoff & Koch) in Duisburg und Essen, bei denen er jeweils genau im richtigen Moment kam, um die Nachfolge zu übernehmen. Sein Selbstbewusstsein sei durch Erfolge gewachsen. Die Ausbildung (bei Beckmann in Essen) habe ihm seinerzeit einen Pusch gegeben und habe die Schulzeit vergessen lassen. Im Studium in Höxter habe er dann gelernt freier zu denken und habe ein ökologsches Grundverständnis mitgenommen, dass ihm in der Ausbildung nicht vermittelt worden sei.

Besondere Aufmerksamkeit erzielte Nico Sollazzo von Sollazzo und Wetzel in Ratingen. Er erzählte, wie er nach Realschule und Meisterschule mit seinem ehemaligen Ausbilder in die Selbstständigkeit gestartet war und mittlerweile 56 Mitarbeitende hat. Sollazzo und Wetzel sind mehr durch Zufall ins Fernsehen gekommen und bestreitetn seitdem Auftritte als Gärtner im TV; erst bei „Ran an der Rasen“ (RTL) und seit 2021 beim Duell der Gartenprofis (16 Folgen, ZDF). Die Auftritte würden zwar keine Kundenbeziehungen generieren, weil die Firma eher im hochpreisigen Segment unterwegs ist. Hauptmotivation sei, das Gartenthema publik zu machen, attraktiv für Azubis zu werden, das Teambuilding voranzutreiben und Content zu produzieren. Jede Folge treibe außerdem die Suchergebnisse im Web nach oben. Die Fernsehbaustellen seien dabei die am besten vorbereiteten und wären ganz normal kalkuliert. In fünf Tagen sei das Werk abgeschlossen. Der Preis werde mittlerweile als „größer 35.000 Euro“ kommuniziert. Beide Chefs sind an den Fernsehbaustellen beteiligt, was bei den Mitarbeitenden besonders gut ankommt. Sie sehen, dass die Unternehmer auch noch richtig anpacken können. Das ZDF hat bei der Produktionsfirma 32 neue Folgen bestellt. Salazzo und Wetzel wollen weiter mitmachen und die Bekanntheit für den Markenaufbau nutzen.

Der geborene Stuttgarter Wolfgang Aldag hat es vom Landschaftsgärtner zum Grünen-Abgeordneten im Landtag Sachsen-Anhalt geschafft. Er musste für das Symposium kurzfristig absagen, reichte seinen Vortrag aber als Online-Aufzeichnung ein – was erstaunlich gut funktionierte. Aldag erzählte darin von der Leidenschaft für Garten, die Schwierigkeiten am Gymnasium, den Einsatz für das Landschaftsarchitektur-Studium in Bernburg, die Zeit als selbstständiger Landschaftsarchitekt und den Weg über den Stadtrat in Halle in die Landespolitik. Sollten die Grünen bei der Kommunalwahl aus dem Landtag fliegen, will Aldag wieder als Landschaftsarchitekt arbeiten. Seine Wurzeln in die Branche hat er nie gekappt.

Im Anschluss daran stellte der GaLaBau-Unternehmer Andreas Könning vor, wie seine Karriere als Sohn einer nedersächsischen Spediteursfamilie über die Landschaftsgärtnerausbildung und die Meisterschule in die Selbstständigkeit und zum Verkauf des Unternehmens an die Greenovis-Gruppe (4/2024) führte. Im Interview mit Markus Reher arbeitete Könning unter dem Motto „Gründen – Entwickeln – Verkaufen“ die Firmengeschichte und Nachfolgelösung heraus. So berichtete er von drei Angeboten, die ihm vorgelegen hätten. Das von Greenovis sei das wirtschaftlich attraktivste gewesen und der Verkauf sei auch deshalb zustande gekommen, weil zu einigen der Käufervertreter schon Kontakt und Vertrauen bestand. Eine Kombination aus dem Finanziellen und Bauchgefühl habe den Ausschlag gegeben. Könning beschrieb, wie viel Aufwand es gewesen sei, alle Fragen zu beantworten und Daten zusammenzutragen. Seine Frau sei ihm die wichtigste Stütze gewesen. „Man lernt sein Unternehmen ganz neu kennen“, meinte der Westfale. Durch die Geheimhaltung während der „Due Diligence“ (Unternehmensprüfung) werde der Spannungsbogen noch einmal größer. Der Unternehmer riet dazu, sich gut vorzubereiten (Struktur, Zahlenwerk, Wirtschaftplan) sich Partner zu suchen und das Emotionale nicht zu unterschätzen. Schließlich verkaufe man sein Lebenswerk und trage Verantwortung für die Mitarbeiter.

Den Abschluss machten Johannes Telaar und David Zimmermann von Garten Grandiflora aus Bocholt. Unter dem Titel „Schon viel erreich und noch viel vor“ erzählten sie vom Aufbau der jungen Firma. Sie rieten dazu, Gesellschafter gründlich zu prüfen, bevor man sich vertraglich bindet. Die Abgabe von Verantwortung sei aber für das Wachstum wichtig gewesen. Moderator Markus Reher eschied den beiden eine erstaunliche unternehmerische Reife nach der bisher relativ kurzen, aber steilen Karriere.

Insgesamt zeigte sich das GaLaBau-Symposium wieder als eine der anregendsten Veranstaltungen im Branchenkalender. Das Thema war in dieser Form so sicherlich noch nicht aufgegriffen worden und war schon deshalb so unterhaltsam, weil ganz unterschiedliche Perspektiven gezeigt wurden. Gerade die Referenten mit einer weniger graden Laufbahn bewiesen, wie sehr es sich für Unternehmen lohnen kann, in Menschen mit schwierigem Werdegang zu investieren. Karrieren entstehen so oft auf Basis besonderer Leidenschaft und herausragendem Engagement. Gerade am Anfang ihrer Karriere brauchen manche Menschen mehr Unterstützung, um später ihre volle Leistung entfalten zu können.

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