Für Profis und Semiprofis ist gesorgt
Die Entwicklung in der Akkutechnik macht vor Rasenmähern keinen Halt. Noch stärkere Akkus, noch größere Schnittbreiten, Verbesserungen bei Fahrantrieb, Fang- und Mulcheigenschaften sind jetzt zu haben. Doch was passiert bei dichtem, hohem Gras? Unser Technikexperte Ekkehard Musche hat sich sechs Geräte genauer angeschaut.
von Ekkehard Musche erschienen am 29.08.2025Die Schnittleistung von Akkugeräten steht der von Benzinern kaum noch nach. Wenn das Gras dichter wird, geht aber nach wie vor der Akku schneller in die Knie. Damit aber auch hohes Gras bewältigt werden kann, kommt die automatische Drehzahlerhöhung bei allen Testkandidaten bis auf Alko zum Einsatz. Die Geräte, die wir uns genauer angesehen haben, sind:
- Solo by Alko RSM 5272 Li VS-W
- Cramer 82LM51SX
- EGO LM2230E-SP
- Kress KC711.9
- Milwaukee M18 F2LM53-122 und
- Stihl RMA 453 PV.
Auf folgende Kriterien ist bei Anschaffung und Wartung zu achten.
Messermotor: Die Effektivität des Mähvorgangs wird dank automatischem Drehzahlausgleich oder manueller Regulierung stark verbessert. Damit wird die Akkukapazität besser genutzt, ohne dass dabei Schnittverhalten oder die Fangqualität leiden. Das gelingt beim Milwaukee M18 F2LM53-122 schnell und zuverlässig. Denn für einen sauberen, zügigen Schnitt und störungsfreies Fangverhalten sind Drehzahlen von 2.700 bis 3.300 U/min notwendig, um auch dichter bewachsene Teilflächen mit konstanter Qualität abzuarbeiten.
Natürlich werden im professionellen Bereich nur bürstenlose Motoren eingesetzt, da diese einem viel geringerem Verschleiß unterliegen und einen höheren Wirkungsgrad besitzen. Auch die Motorverkleidung und -kühlung sind wichtig. Schnittgutreste haben darin nichts verloren. Sonst geht die Motor- und Akkukühlung gegen null. Das ist besonders bei den Modellen wichtig, wo Motor und Akkuschacht eine geschlossene Einheit bilden. Dort kommen Lüftersysteme zum Einsatz, die die erwärmte Luft aus diesem Bereich absaugen und kühlere oberhalb des Mähbereichs ansaugen. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle und Reinigung dieses Bereiches notwendig. Vorgesetzte feinmaschige Siebe (wie bei Kress KC711.9) verhindern den Fremdkörpereintrag.
Akkukapazität: Diese Kennzahl ist entscheidend für die Einsatzdauer. Je geringer der Wechselzyklus, desto mehr Fläche kann ohne Unterbrechung abgearbeitet werden. Ausnahme dabei sind die Akkus von Milwaukee. Trotz der um über 20 % geringeren Kapazität erzielten sie die gleiche Mähdauer.
Die Preisunterschiede je Wattstunde sind bei den Herstellern sehr unterschiedlich und technisch nicht immer nachvollziehbar. Große Akkupakete (zum Beispiel Cramer 82LM51SX ) mit über 800 Wh gewährleisten über 1 h Mäheinsatz. Um wenigstens annähernd die gebräuchlichen Einsatzzeiten zu erreichen, wählen die Hersteller als Kompromiss deshalb schnell wechselbare Einsteckakkus, die problemlos auch für andere Handgeräte mit geringerem Kapazitätsbedarf Verwendung finden, und sie bieten zusätzlich große Energiespeicher für das Nachladen vor Ort an.
Für einen Ganztageseinsatz sind dann aber trotzdem mehrere Wechselakkus notwendig, da das Wiederaufladen länger dauert als die Nutzungsdauer. Ausnahme ist das Kress-Ladesystem mit nur 8 min Ladedauer. Dafür ist aber die Mitnahme eines speziellen schwergewichtigen Ladegeräts notwendig.
2Schnittbreite/Gehäusegestaltung: Um auf eine effektive Flächenleistung zu kommen, sind Schnittbreiten von über 50 cm gebräuchlich. Trotzdem sollte die Maschine so wendig sein, dass auch Ausputzarbeiten damit ausgeführt werden können. Das Mähergehäuse zusätzlich mit einer Seitenauswurfsöffnung auszustatten, hat den Vorteil, problemlos sehr hohes Gras mähen zu können.
Für den effektiven Einsatz ist auch darauf zu achten, dass ein die Radbreite überragendes Mähdeck die Nachmahd mit Motorsense minimiert. Meist ist die Mulchmahd mittels Stopfen möglich. Die Idee von EGO, die Stellplatte entsprechend dem Mulchungsgrad zu variieren, ist sehr gelungen und vereinfacht den Wechsel zwischen Mulchen und Auffangen enorm, spart Schnittgutentsorgungskosten und führt zu längeren Mähzeiten, da die abbremsende Wirkung des zu zerkleinernden Schnittguts verringert wird. Auch der Stihl-Mäher hat eine klappbare Mulchplatte, allerdings ohne Zwischenstellungen wie bei EGO.
3Es gibt sowohl Stahl- als auch Kunststoffgehäuse bei den Testkandidaten. Nach meinen Erfahrungen ist Polymerkunststoff ein solides Material, so lange es nicht in massiven Kontakt mit Sand und Steinen kommt. Stahlgehäuse haben dieses Problem nicht, aber sie können rosten. Denn die Säure im Grassaft ist so aggressiv, dass beste Beschichtungen und Oberflächenbehandlungen dem dauerhaft nicht gewachsen sind. Es hilft nur die regelmäßige Trockenreinigung.
Aufgrund des starken Verschleißes im Profialltag sind austauschbare Gehäuseteile in den Hauptverschleißbereichen sehr vorteilhaft (zum Beispiel Milwaukee). Sehr gut sind die austauschbaren unteren Mähdeckverstärkungen. Sie stabilisieren das gesamte Mähdeck und verringern das Risiko von Gehäusebrüchen oder -verformungen (zum Beispiel Kress KC711.9, Stihl RMA 453 PV).
4Fangkorb: Die Fangkorbvolumina und die eingesetzten Materialien sind ähnlich wie bei den Benzinern. Große Behälteröffnungen durch das Aufklappen des Fangkorbs (zum Beispiel Stihl RMA 453 PV) sorgen für eine leichte Entleerung. Sehr wichtig, um Verstopfungen zu verhindern, ist eine effektive feinfühlige Füllstandsanzeige, die bei allen auf Luftstrom basiert. Das schont Akkukapazität und Motor.
Radantrieb: Die Akkutechnik bietet durch den Einsatz separater Antriebsmotoren völlig neuartige Konstruktionsmöglichkeiten. Kein verschleißender Keilriemen, keine Kanalverstopfungen, keine durch Gras vergammelten Radgetriebe. Stufenlose Geschwindigkeitsregelung und Fahren ohne rotierendes Messer sind dadurch mit geringem technischen Aufwand machbar. Das ist besonders beim Verladen von Vorteil. Diese Umsetzung ist Milwaukee mit dem Variohebel am Holm sehr gut gelungen, denn dadurch kann die voreingestellte Geschwindigkeit noch schneller den vorgefundenen Gegebenheiten angepasst werden.
5Radaufbau: Je schwergewichtiger der Mäher, desto massiver sollten die Rad- und Wellenausführung sowie deren Befestigung sein. Weitere Aspekte sind der Raddurchmesser und die Radbreite. Je größer diese ist, desto größer wird die Auflagefläche und desto geringer der Bodendruck. Im Gegenzug müssen die Radbefestigung und Radlagerung massiver ausfallen, da entsprechend höhere Hebelkräfte anliegen.
Da dies die angetriebenen Räder betrifft, sollte man sich vor der Kaufentscheidung diesen Bereich genauer ansehen. Antriebszahnräder aus Kunststoff sind leiser, rostbeständig und bilden eine Art Überlastsicherung. Allerdings ist der schnellere Verschleiß sehr wahrscheinlich. Die Zahnkränze im Radinneren, egal aus welchem Material, sollten immer leicht austauschbar sein, da diese sich zuerst abnutzen. Außerdem wird dadurch der preisintensive Kompletttausch der Räder verhindert.
Holmgestaltung/Bedienelemente: Im professionellen Einsatz ist es gang und gäbe, dass Personen unterschiedlicher Körperlänge abwechselnd ein und dasselbe Gerät bedienen müssen. Dafür jedes Mal Werkzeug parat haben zu müssen, ist einfach unpraktisch und nervend. Das Gleiche gilt natürlich, wenn es heißt, platzsparend das Gefährt zu verpacken. Die Gusskränze beim Alko-Mäher RSM 5272Li VS-W lassen die größte Zahl als Einstellvarianten zu. Druckhebel (Cramer 82LM51SX, EGO LM2230E-SP, Stihl RMA 453 PV) oder Drehknäufe (Kress KC711.9, Milwaukee M18 F2LM53-122) sind weitere komfortable Lösungen. Sehr gut gelungen ist in dieser Hinsicht der teleskopierbare EGO-Holm zum platzsparenden Transport und zur Aufbewahrung. Der Monoholm von Stihl erlaubt durch den Wegfall der zweiten Holmstrebe ein sehr bequemes, schnelles Ein- und Aushängen sowie Ausleeren des Fangkorbs.
6Sehr handfreundlich sind Gummierungen sowie die im Holm eingelassenen Nuten zur Aufnahme der Schaltbügel. Dies ist besonders beim Milwaukee M18 F2LM53-122 sehr gelungen ausgeführt worden. Besonders die Art der Gummierung sowie die Anpassung der Fahrgeschwindigkeit per Wipphebel sind sehr innovativ. Diese beiden Merkmale sollten zum Standard bei Rasenmähern werden.
Ganz wichtig im Profialltag ist die Holmaufnahme und dessen Verbindung zum Mähergehäuse. Aufgrund des Gewichts, der Hebelkräfte und der intensiven Nutzung ist diese Konstruktion besonders stabil auszuführen. Die massiven, austauschbaren Guss- oder Stahlkulissen müssen dabei mehrfach fest mit dem Gehäuse verschraubt werden. Besonders gut gelungen sind dabei die Lösungen von Alko und Cramer.
Die großzügige Dimensionierung der Schaltknöpfe, Hebel und Taster dient ebenfalls dem Bedienkomfort. Wenn dann noch ein Display mit Anzeigen für die Akkurestkapazität, Messer- und Fahrgeschwindigkeit vorhanden sind, ist der Bediener immer im Bilde. Sehr gelungen sind die Displays von Alko, EGO und Stihl.
7Kabelführung: Einfach die Kabel mittels Kabelbinder zu fixieren, ist für den Profialltag nicht die erste Wahl. Besonders an den Knickpunkten und am Schaltereingang kann es dann zu Problemen führen. Bei eng anliegenden Kabeln, Schaltzügen und stabilen Kabelführungen oder in den Holm verlegt (zum Beispiel EGO), haben Äste und Zweige weniger Chancen, Schäden anzurichten.
Schnitthöheneinstellung: Je komfortabler und stabiler die Schnitthöheneinstellung ist (zum Beispiel Cramer 82LM51SX), desto intensiver wird von ihr Gebrauch gemacht. Das schlägt sich nicht nur im Mähergebnis, sondern auch in der Flächenleistung nieder. Denn durch das korrekte Einstellen kann die Kapazität des Akkus besser genutzt werden. Das sollte natürlich stabil und langlebig sein.
Einrastmechanismen (Cramer 82LM51SX, EGO LM2230E-SP, Stihl RMA 453 PV) und massive Klapphebel (Alko RSM 5272Li VS-W, Kress KC711.9, Milwaukee M18 F2LM53-122) sind dann die sinnvollsten Varianten. Dabei sollten Hebel und Einrastkulisse in puncto Material, Robustheit und Passgenauigkeit gleichermaßen konstruiert sein. Ansonsten schlagen die Paarungen aus und die Schnitthöheneinstellung wird unbrauchbar.
8Gewicht: Dieses Merkmal ist besonders für Transport und Umschlag von Bedeutung. So eine 40-kg-Maschine hebt man nicht so einfach allein auf die Transporterpritsche. Außerdem belasten hohes Eigengewicht und voller Fangkorb Motor und Akku bei den Antriebsmähern. Andererseits sind Robustheit und Stabilität auch unter grobschlächtigen Bedingungen gefragt. Deshalb sollte bei zukünftigen Entwicklungen die Dimensionierung überdacht und eine Symbiose gefunden werden. Einfach die vorhandenen Konstruktionen der Benziner zu übernehmen, ist zwar problemlos machbar, schöpft aber nicht die Möglichkeiten der Akkutechnik aus.
Reparaturfreundlichkeit: Akkurasenmäher sind im Gegensatz zu anderen Akkumaschinen notwendigerweise stark eingehaust. Den Konstrukteuren lag der Schutz des Motors, der Akkus und der Steuereinheit vor Fremdkörpern sehr am Herzen. Dementsprechend kommt man als Servicetechniker nur nach viel Demontagearbeiten an die Bauteile.
9Andererseits kann nicht so viel kaputtgehen wie beim Benziner. Die Anzahl der Baugruppen und Komponenten ist sehr überschaubar. Der andere Aufbau von Akkumähern verlangt eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Reparaturanleitung (zum Beispiel EGO). Das ist besonders wichtig, wenn Modifizierungen oder Umbausätze vorgenommen werden müssen.
Praxiseinsatz und Fazit
Gemäht wurde auf holpriger Wiese, gepflegten Rasenflächen und auch im Langgras. Die Mäher Cramer 82LM51SX, EGO LM2230E-SP, Kress KC711.9 und Milwaukee M18 F2LM53-122 sind durchweg profitauglich. Der Mäher Cramer 82LM51SX hat eindeutig sein Haupteinsatzgebiet im robusten Gelände. Die massiven Ausführungen der Achsen, Holmbefestigung und Schnitthöheneinstellung vertragen so manchen Schlag. Deshalb ist das Modell für den kommunalen Einsatz sehr gut geeignet.
Der EGO-Mäher LM2230E-SP glänzt durch Universalität und enormer Mähleistung. Er ging selbst durch dickstes Gras anstandslos durch. Der Bedienkomfort ist sehr gut. Das Gerät kann schnell und problemlos auf alle Körperlängen eingestellt werden und ist deshalb besonders für Hausmeisterdienste und kommunale Einsatzzwecke geeignet. Er ist mit allen EGO-Einsteckakkus von 2 bis 12 Ah nutzbar. Highlights sind die variable Mulchklappe und der teleskopierbare Holm.
Der KC711.9 von Kress ist sehr stabil gebaut und hat einen sehr markanten Frontschutzbügel. Er kann wahlweise mit Einsteck- oder Kofferakku betrieben werden. Letzteres ist bei dem großen Kapazitätsbedarf zu bevorzugen. Auch er kommt mit höherem Gras sehr gut zurecht. Sogar Brombeergestrüpp meistert er anstandslos. Der Antrieb ist feinfühlig dosierbar und bedienbar.
Der Milwaukee M18 F2LM53-122 mit zwei Akkuschächten hat besonders bei der Holmgestaltung gepunktet. Die doppelte Dosierbarkeit des Fahrantriebs plus Gummierung plus Bügelmulden sind sehr gut durchdacht. Stabilität und Durchzugskraft sind professionell ausgelegt. Der heckseitig einsteckbare Auswurfkanal macht sich bei der Langgrasmahd sehr gut.
Die Mäher Alko RSM 5272Li VS-W und Stihl RMA 453 PV sind für den semiprofessionellen Bereich ausgelegt. Sie mähen ebenfalls sehr gut, sind aber bei unebenem Gelände und höherem, dichteren Bewuchs nicht ganz so durchzugskräftig. Aber für Hausmeisterdienste, die schon die Bosch- oder Stihl-Akkusysteme nutzen, sind sie eine sinnvolle Ergänzung. Denn der Monoholm bei Stihl und die Holmhöheneinstellung bei Alko sind sehr gelungen. Außerdem sind sie in puncto Gewicht und Bedienung sehr gut zu beurteilen.
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