
Mentoring soll den NRW-GaLaBau in die Zukunft führen
Die Landwirtschaftkammer NRW hat ein Projekt initiiert, das Weiternildungsmentoren für den Einsatz in Betrieben schult. Das vom BiBB finanzierte Pilotprojekt soll bis 2028 laufen und die Weiterbildung in Gartenbau und GaLaBau voranbringen.
von Martin Bietenbeck, LWK NRW erschienen am 11.12.2025Im gärtnerischen Berufsstand wird zunehmend die Frage formuliert: Steht der Gartenbau an einem Wendepunkt? Klimawandel, Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und eine zunehmende Digitalisierung verändern die Branche tiefgreifend. Während Maschinen bis hin zur Selbststeuerung immer moderner werden und Software Einzug auf nahezu alle Baustellen hält, bleibt ein entscheidender Faktor oft unterschätzt: Das Erfahrungswissen der Menschen, die täglich im Gartenbau arbeiten. Genau hier setzt das Projekt MentoGaLand an – und etabliert Mentoring als strategisches Werkzeug für die Weiterbildung im Gartenbau. Finanziert wird das Projekt vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BBIB) bis Ende 2028.
Eine Branche, die viel weiß – und viel Wissen verliert
Der Gartenbau ist ein Erfahrungsberuf. Viele Kompetenzen entstehen nicht im Seminarraum, sondern auf Baustellen, in Baumschulen oder im Gewächshaus. Doch dieses Wissen ist gefährdet:
- ein großer Teil der Fachkräfte erreicht in den kommenden Jahren das Rentenalter
- viele Beschäftigte im Gartenbau haben keinen formalen Berufsabschluss
- nicht dokumentiertes Wissen und nicht weitergegebene Fertigkeiten gehen beim Personalwechsel oft verloren
Für viele Betriebe bedeutet das: Sie arbeiten fachlich auf hohem Niveau, aber bildungsorganisatorisch im Blindflug. Weiterbildung findet selten strukturiert statt, und gerade kleine Unternehmen haben kaum Kapazitäten, sich darum zu kümmern.
MentoGaLand: Mentoring als Zukunftsstrategie
Hier setzt das Projekt der LWK an. Das Ziel von MentoGaLand besteht darin, Arbeitskräfte durch die Begleitung von Mentoren/-innen auf der Suche und Durchführung individueller und passgenauer Weiterbildungen zu unterstützen und die Betriebsleitungen in dieser Hinsicht zu entlasten. Das Konzept umfasst die Etablierung von Weiterbildungsmentoren/-innen (WBM) auf betrieblicher und auf über-/außerbetrieblicher Ebene. Etabliert und gesteuert wird das Vorhaben durch den Einsatz von drei Projektkoordinatoren/-innen (PK) an den Standorten Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und DEULA Westfalen-Lippe.
Das Projekt MentoGaLand schließt eine Lücke. Es bringt erfahrene Mitarbeitende als Mentor/-innen und Lernende in Tandems zusammen – persönlich, praxisnah und über einen langen Zeitraum hinweg. Dabei geht es nicht um klassische Schulung, sondern um individuelle Begleitung und Beratung zur Weiterbildung. Die zentralen Bausteine:
- Überbetriebliche Weiterbildungsmentoren für kleine GaLaBau-Betriebe
- Betriebliche Mentoren für mittlere und große Unternehmen
- Unterstützung und Schulung der Mentoren durch die Koordinatoren/-innen der LWK und DEULA
Weshalb Mentoring im Gartenbau besonders wirksam ist
Ein Beispiel aus der Praxis: In einem Betrieb mit 16 Mitarbeitenden entscheidet der Inhaber in der Regel selbst, wer welche Aufgaben übernimmt. Auch die Vermittlung handwerklicher Fertigkeiten liegt in seiner Verantwortung. Doch für gezielte Übungen oder ausführliche Einweisungen fehlt im Arbeitsalltag die Zeit, und alle Baustellenleitenden sind bereits stark ausgelastet.
Durch das Projekt MentoGaLand wird im Unternehmen eine Person identifiziert, die sich bereit erklärt, als Weiterbildungsmentor/in tätig zu werden. Sie erhält eine entsprechende Schulung und nimmt regelmäßig an Veranstaltungen rund um das Thema Weiterbildung im Gartenbau teil. Fortbildung ist ihr nicht fremd – sie hat bereits zahlreiche Seminare besucht und bildet sich kontinuierlich weiter. Sie ist mit der Bildungslandschaft im Gartenbau gut vertraut.
Ein Kollege (Mentee) aus dem Team möchte sich im Bereich Bautechnik weiterentwickeln. Aufgrund fehlender theoretischer Vorkenntnisse und Sprachbarrieren zögert er jedoch, ein fachlich anspruchsvolles Seminar zu besuchen – etwa eine der neuen Teilqualifizierungen. Hier kommt der Mentor ins Spiel: Er unterstützt seinen Kollegen, recherchiert ein passendes Seminar und geht die Inhalte gemeinsam mit ihm durch. Sie besprechen, was ihn erwartet und wie er sich gut vorbereiten kann.
Der erste Schritt ist getan. Nach dem Seminar kann der Teilnehmer das neu erworbene Wissen direkt auf der Baustelle anwenden. Die positive Erfahrung weckt den Wunsch, sich weiter zu qualifizieren – der Weg der beruflichen Entwicklung hat begonnen.
Der schwer erreichbare Gartenbau – und wie MentoGaLand ihn erreicht
Besonders innovativ ist der Ansatz, gezielt jene Betriebe anzusprechen, die bisher kaum Zugang zu Weiterbildung hatten: Kleine Unternehmen, die nicht berufsständisch organisiert sind und wenig Zeit für Personalentwicklung haben. Überbetriebliche Weiterbildungsmentoren besuchen diese Betriebe direkt, beraten Beschäftigte individuell und begleiten sie durch den gesamten Weiterbildungsprozess – niedrigschwellig, persönlich und ohne bürokratische Hürden.
Fachkräftemangel, saisonale Schwankungen, steigende Anforderungen an Qualifikation und Nachhaltigkeit sind die zu bewältigenden Herausforderungen. Gleichzeitig arbeiten in vielen Betrieben Menschen, die bislang nur schwer Zugang zu Weiterbildung finden – etwa Helferinnen und Helfer ohne formale Abschlüsse, Saisonbeschäftigte oder Mitarbeitende mit Migrationshintergrund.
Warum ein Matchingprozess entscheidend ist
Damit Mentoring wirkt, braucht es passende Tandems: Mentorinnen und Mentoren, die fachlich kompetent sind, Vertrauen schaffen und die Lebens- und Arbeitsrealität der Beschäftigten verstehen. Der Matchingprozess (Zuordnung der geeigneten Personen) bildet daher das Herzstück des Projekts. Er sorgt dafür, dass Mentor/-in und Mentee (betreute Person) zueinander passen – fachlich, persönlich und organisatorisch. Nur so kann Weiterbildungsinteresse geweckt, Motivation aufgebaut und eine nachhaltige Teilnahme ermöglicht werden. Wesentliche Voraussetzungen sind:
- Bekanntheit des Programms in den Betrieben
- Transparente Kommunikation regionaler Weiterbildungsangebote
- Unterstützung durch Betriebsinhaber, die ihren Mitarbeitenden zeitliche Freiräume ermöglichen und den Mehrwert für das eigene Unternehmen sehen
Matchingkriterien
Für eine passgenaue Zuordnung von Mentor/-in und Mentee (betreute Person) werden drei Bereiche berücksichtigt:
- Fachlich: Erfahrung im Gartenbau, Kenntnis relevanter Weiterbildungsangebote, Umgang mit Saisonkräften und Quereinsteiger/-innen, eigene Weiterbildungserfahrung (DEULA, LWK NRW).
- Persönlich: Sprachkenntnisse, interkulturelle Kompetenz, wertschätzende Kommunikation, Fähigkeit zu niedrigschwelliger Unterstützung.
- Organisatorisch: Regionale Nähe, zeitliche Verfügbarkeit, geeignete Einsatzorte im Betrieb, bei Bildungsträgern oder digital.
Der strukturierte Matchingprozess von MentoGaLand erleichtert den Zugang zu Weiterbildung und stärkt Beschäftigte mit bisher geringen Bildungschancen – ein wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung im Gartenbau und künftig auch in der Landwirtschaft.
Ein Netzwerk, das bleibt
MentoGaLand ist mehr als ein Projekt. Es schafft Strukturen, die langfristig wirken sollen:
- regionale Weiterbildungsnetzwerke
- geschulte Mentoren, die als Multiplikatoren weiterarbeiten
- Best-Practice-Beispiele für die Branche
- Integration in bestehende Bildungslandschaften wie DEULA, LWK und Verbände Ein Bonusprogramm – etwa das Zertifikat „Bildungsaktiver Gartenbau-Betrieb“ – sorgt zusätzlich für Sichtbarkeit und Anerkennung.
MentoGaLand zeigt, wie Weiterbildung in Gartenbau und GaLaBau aussehen können, wenn Menschen im Mittelpunkt stehen. Mentoring sichert Wissen, stärkt Kompetenzen und schafft Zugänge für Beschäftigte, die bisher kaum erreicht wurden. Dieser Ansatz wird zunächst im Gartenbau erprobt und kann anschließend auch auf landwirtschaftliche Betriebe übertragen werden, die im Wesentlichen noch kleinteiliger strukturiert sind. Der Transfer erfolgt über die gesamte dreijährige Projektlaufzeit hinweg – ein wichtiger Schritt, um nachhaltige Strukturen zu schaffen. In einer Branche, die vor großen Herausforderungen steht, wird Mentoring damit zu einem strategischen Baustein, als modernes, wirksames Instrument für eine nachhaltige und lernfähige Zukunft.
Zu guter Letzt: Wie ist die Situation in Ihrem Unternehmen?
Das ist ein guter Moment, die Situation im eigenen Unternehmen zu bewerten: Gibt es bereits einen strukturierten Prozess zur Sicherung von Wissen? Haben Sie identifiziert, welches Know-how für Ihren Betrieb besonders kritisch ist? Dazu gehören unter anderem Überlegungen wie:
- Welche Tätigkeiten hängen stark von einzelnen Personen ab?
- Welche Projekte erfordern spezielles Fachwissen?
- Welche Maschinen, Pflanzen oder Bauweisen stellen besondere Anforderungen?
- Existieren klare Vertretungsregelungen?
- Sind Ihnen die beruflichen Wünsche und Entwicklungsziele Ihrer Mitarbeitenden bekannt?
Ebenso wichtig ist die Frage, ob ein geregelter Wissenstransfer stattfindet – mit dem Ziel, Wissen systematisch von erfahrenen an neue Mitarbeitende weiterzugeben. Dazu zählen:
- gezielte Einarbeitung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen,
- regelmäßige interne Schulungen,
- ein kontinuierlicher Austausch darüber, was gut läuft und wo Verbesserungsbedarf besteht.
Das Projekt MentoGaLand kann hierbei ein entscheidender Baustein sein. Begleiten Sie uns auf diesem Weg und werden Sie Teil dieses Vorhabens. In DEGA GALABAU stellen wir Ihnen praxisnahe Beispiele vor und lassen Beteiligte selbst zu Wort kommen. Bleiben Sie gespannt!

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