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Nachhaltiger Naturstein

Hält nach, wenn man ihn lässt

Einheimischer Naturstein ist an sich schon ein nachhaltiges Material. Doch das allein reicht der Steinbranche noch lange nicht aus. Michael Senn berichtet von nachhaltigen Aspekten rund um den einzigartigen Naturbaustoff, seine Entstehung, Verarbeitung, Anwendung und welche Rolle die ständige Optimierung von Prozessen spielt.

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Im Dietfurter Werk von Franken Schotter wird heimischer Naturstein konkurrenzfähig gebrochen.
Im Dietfurter Werk von Franken Schotter wird heimischer Naturstein konkurrenzfähig gebrochen.Oliver Heinl
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Der Begriff Nachhaltigkeit beschreibt nach Definition des Duden ein Prinzip, nach dem nicht mehr Ressourcen verbraucht werden dürfen als nachwachsen, sich regenerieren respektive künftig wieder bereitgestellt werden können. Im Vergleich zum Holz als Baustoff, von dessen Nutzung der Begriff ursprünglich stammt und dort besagt, dass nicht mehr Holz geschlagen werden darf als nachwachsen kann, ist es beim Naturstein komplexer. Folglich fällt es bei der Verwertung von Naturstein auf den ersten Blick schwerer, diesem Handlungsprinzip zu folgen. Beim zweiten Blick bestätigt sich dies allerdings nicht.

Nachhaltigkeit ist ein komplexer Begriff, der so ziemlich alles beinhalten kann, was unser Leben betrifft. So auch beim Naturstein. Es gibt Aspekte der Nachhaltigkeit, die offensichtlich, schnell herzuleiten und einleuchtend sind. Sie sind dennoch oftmals nicht einfach zu erklären. Es gibt aber auch Zusammenhänge, die erst viel später ersichtlich werden, für die man zunächst ein bisschen überlegen muss und die noch schwieriger zu kommunizieren sind. Dabei fügt sich bei genauerer Betrachtung im Grunde genommen vieles wunderbar zusammen, angefangen bei der Entstehung.

Der Schlüssel zur Nachhaltigkeit liegt beim Naturstein im Prinzip des Kreislaufs. Denn auch Gestein entsteht im Kreisläufen. Es dauert nur ein paar Millionen Jahre länger als beim Holz. Dafür steht es, zumindest theoretisch, in einer immensen Menge zur Verfügung, da ja die Erdkruste annähernd komplett aus Naturstein besteht. Die Energie, die zu seiner Herstellung benötigt wird, sei es für Hitze, Druck oder auch chemische Abläufe, wird vom Planeten selbst aufgebracht im Rahmen eines natürlichen Prozesses. Im Ergebnis ist dann ein Naturstein als ein einzigartiges Stück Erdgeschichte bereit zur Verwertung als Baustoff.

Diese betörend simple Feststellung zeigt in bestechender Klarheit das unvergleichliche Potenzial dieses Naturbaustoffs: Er ist einer der ganz wenigen mineralischen Baustoffe, der ohne immensen Energieaufwand für einen menschengemachten industriellen Prozess verfügbar ist. Es muss kein Ton, keine Keramik, kein Zement gebrannt werden. Der Mensch muss den Naturstein nur noch aus dem Berg holen und in Form bringen. Das macht zwar viel Arbeit, was jeder bestätigen kann, der mal in einem Steinbruch gearbeitet hat, schlägt sich jedoch in seiner Ökobilanz nur marginal nieder, insbesondere im Vergleich mit Feinsteinzeug und Betonwerkstein als Wettbewerbsprodukte im Freiraum.

Die Entstehung von Gestein steht jedoch lediglich am Anfang einer Kette von Prozessen, die für das Material sprechen.

Der Steinbruch als biodiverses Lager

Ein Steinbruch ist in erster Linie eine Rohstoffquelle und dient als solche der Gewinnung benötigter Baustoffe. Darüber hinaus prägt das aus dem Steinbruch gewonnene Material seine Umgebung und spielt so auch eine wichtige Rolle bei der Definition des Umfelds. Dieser klare regionale Bezug hilft dem Menschen dabei, sich in seiner Gegend wiederzufinden, sich mit seiner Umgebung zu identifizieren. So hilft der Naturstein weiten Teilen der Gesellschaft dabei, zu unterscheiden, ob sie sich im Weserbergland, im Elbtal oder in Mittelfranken befinden. Gebäude aus allen Epochen spiegeln diese regionalen Besonderheiten wider, die Gestaltung des öffentlichen Raums komplettiert den Gesamteindruck. Der Naturstein wird Teil der Identität. Dieser Aspekt ist zweifellos nachhaltig, da er im Menschen ein Wohlgefühl hervorruft. Wenig verwunderlich wirkt in traditionellen Steingegenden ein ortsfremdes Material schnell störend, wenn es nicht mit sehr viel Bedacht verwendet wird.

Doch noch mehr spricht für den ortsansässigen Bruch, wenn man ihn zusätzlich als Lagerstätte definiert: Dem Boden wird entnommen, was gerade benötigt wird und zurückgegeben, was ausgedient hat. Der Bruch als Deponie kann beziehungsweise muss nach den hohen hierzulande vorgeschriebenen Anforderungen entsprechend rekultiviert wieder an die Natur zurückgegeben werden, sei es im Ruhrsandsteinbruch der Firma Grandi in Herdecke oder der Abbaustätte des Thüster Kalksteins, wo sich laut Auskunft der Firma Stichweh Gelbbauchunken und Geburtshelferkröten wieder angesiedelt haben.

Oder in Mendig. Uwe Ammel, Verkaufsleiter Werkstein der Mendiger Basalt Schmitz Naturstein GmbH & Co.KG, resümiert: „Speziell beim Natursteinabbau gilt es, die Belange des Natur- und Artenschutzes zu berücksichtigen. So werden beispielsweise in unseren Gruben in Weibern und Mayen spezielle Bereiche vom Abbau ausgeschlossen, in denen der Uhu nistet und brütet. In unserem Basaltlavatagebau in Mendig gilt es, strenge Maßgaben zum Schutz der größten europäischen Brut- und Überwinterungsquartiere für Fledermäuse zu berücksichtigen. Hier wurden zudem Bienenvölker angesiedelt, die einen qualitativ sehr hochwertigen Steinbruchhonig erzeugen.”

Zudem wird Naturstein, gerade wenn er zu Massivformaten wie Werksteine verarbeitet wird, verhältnismäßig schonend abgebaut. Während insbesondere in Schotterbrüchen mit Flüssigsprengstoff alles möglichst effizient zerschossen wird, kommen in Werksteinbrüchen neben Schrämm- oder Seilsägen allerhöchstens Schwarzpulver oder Sprengschnüre als Treibmittel zum Einsatz. Dahinter steht ein nicht minder effizientes Ziel, welches Johannes Roßrucker, Geschäftsführer der sächsischen Sandsteinwerke in Pirna, so beschreibt: „Wir möchten ja, dass das Material möglichst intakt rauskommt.”

Schonendere Abbaumethoden lassen nicht nur größere Formate zu, sondern ermöglichen bereits während des aktiven Betriebs eine ökologische Nutzung in Form von Lebensräumen und nicht erst nach Beendigung des Abbaus. Christian Bärlocher von der Schweizer Bärlocher Steinbruch und Steinhauerei AG berichtet: „Unser Betriebsgelände ist zertifiziert durch die Stiftung Natur und Wirtschaft. Das bedeutet, dass wir unsere Lebensräume im Steinbruch nicht nur schützen, sondern durch aktive Pflege auch neue Lebensräume schaffen.” Auf diese Weise stellt das Unternehmen aus Rorschach am Bodensee beispielsweise Kleinstrukturen her, die für unzählige Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum bilden. „So ist der Abbau im eigentlichen Sinne nachhaltig und wird auch für zukünftige Generationen den Abbau von Rorschacher Sandstein ermöglichen,” fährt Bärlocher fort.

Und das passiert im Gegensatz zu einem Schotterbruch oder einer Kiesgrube, ohne die es keinen Beton gäbe, auf relativ kleiner Fläche. „Der Landverbrauch ist bei einem Werksteinbruch verhältnismäßig gering", gibt Ulrich Klösser, Geschäftsführer der thüringischen Firma Traco, zu bedenken.

Bei Natursteingewinnung, die so nachhaltig praktiziert wird, hat sich der Mensch das Stück Erde nur ausgeliehen, der Kreislauf wird am Ende wieder geschlossen.

Hinsichtlich der Produktionsmittel denkt die Steinbranche ebenfalls in möglichst vielen Kreisläufen, um Ressourcen wie beispielsweise Frischwasser einzusparen. Sämtliche Sägen, vom Gatter über die Blocksägen bis hin zu ganzen Produktionsstraßen, in denen die Oberflächenbearbeitungen erfolgen, werden mit Brauchwasser gespeist. Anschließend wird das durch Schleifschlamm verschmutzte Wasser in Absetzbecken gesammelt und, wenn die Schwebstoffe sich abgesetzt haben, wiederverwendet. Das Wasser in den Absetzbecken ist selbst bei voller Auslastung der Produktion immer noch so sauber, dass sich mitunter Karpfen darin wohlfühlen.

Naturstein ist ein Stück pure Natur

Unter dem Aspekt des Kreislaufs entspricht der Naturstein einem weiteren Punkt, der äußerst wichtig ist, aber schnell vergessen wird: Er ist ein Naturprodukt, wird als solches gewonnen, verwendet und kann nach sehr langer Nutzungsdauer als solches wieder deponiert werden. Vorausgesetzt die Chemie bleibt außen vor, was bei einer Verwendung als Gartenbaumaterial im überwiegenden Teil der Fälle gewährleistet sein dürfte. Das Material wird in der Regel weder chemisch behandelt, noch resiniert oder gespachtelt. Es bleibt ein Stück Natur. Der eigentliche Produktionsprozess reduziert sich im Grunde genommen nur darauf, den bereits fertigen Rohstoff in die Formate zu bringen, die gewünscht werden und die das Material zulässt.

Die Bandbreite der Produkte, die aus Naturstein hergestellt werden können, bietet bei entsprechender Beschaffenheit des Vorkommens und des gewonnenen Materials alle Möglichkeiten: Vom Bildhauerstück in bester Werksteinqualität über Massivstücke wie Blockstufen, Wasserbau- und Mauersteine, Plattenware. Von Pflasterformaten bis zum Schotter und Splitt ist für den Landschaftgärtner alles dabei, was das Herz seiner Bauherrenschaft begehrt.

Auch bei der Produktion stehen Aspekte der Nachhaltigkeit auf der Prioritätenliste ganz oben. Uwe Ammel konstatiert für die Mendiger Basalt: „In den Stoffkreisläufen in unseren Unternehmen vom Steinbruch bis zum fertigen Produkt entstehen keinerlei Abfälle. Der abgebaute Naturstein wird restlos einer weiteren Verwertung zugeführt. Die aus der Natur entnommenen Mengen Naturstein, beispielsweise als Plattenware, als Pflastersteine, als Gestaltungssteine oder als Schotter und Splitte werden der Natur in anderer Form wieder zugeführt.”

Josef Rumpel vom Muschelkalkproduzenten Borst aus Kirchheim hat hinsichtlich der optimalen Ausbeutung eines Natursteinbruchs eine klare Meinung: „Ich warte doch keine 240 Millionen Jahre, um dann die Hälfte wegzuschmeißen.”

Beispielhaft für die maximal effiziente Ausnutzung des Rohstoffs Muschelkalk steht die Verwertung des Vorkommens von Borst in ihrem Bruch in Kirchheim: Die Deckschicht aus Humus wird zwischendeponiert. Die darunter liegende Schicht, die Rumpel „steinfreien Boden" nennt, dient dazu, bereits bebaute Bereiche des Wanderbruchs wieder zu verfüllen. Darunter befindet sich eine Lage, die Zugsteine enthält. „Dieses Material wurde früher nicht verwertet, mittlerweile fertigen wir zum Beispiel Quader- und Wasserbausteine daraus”, erläutert Geschäftsführer Rumpel. Unter einer weiteren Schicht, die unter anderem aus Lehm besteht, kommen dann die charakteristischen Werksteinschichten: Oben die sogenannte Oberbank, aus der die Firma Borst Quader- und Mauersteine produziert, darunter der Kernstein, der die beste Werksteinqualität liefert. Unter dem Kernstein liegen dann noch die Blaubank und die Goldbank, die sehr dichtes Material fördern. „Das ist jedoch nur eingeschränkt für den Außenbereich geeignet, da es nicht im Wasser liegen darf”, so Rumpel. Was jedoch keinesfalls bedeutet, dass das Material nichts taugt, es eignet sich lediglich besser für Innenbereiche oder vertikale Bauteile wie beispielsweise Architekturelemente. Dazu muss das Rohmaterial genau ausgesucht werden, was für das Kirchheimer Unternehmen kein Problem darstellt. Josef Rumpel: „Wir machen alles aus einer Hand und wissen so genau, was zur Verfügung steht. Zudem versuchen wir alles zu verarbeiten.” Wenn gar nichts mehr daraus gemacht werden kann, wird das Material zu Schotter gebrochen.

Eine solche Bandbreite an Produkten und Formaten funktioniert bei einem Natursteinproduzenten jedoch nur, wenn die Kundenstruktur stimmt. Zudem können diese Möglichkeiten nur ausgeschöpft werden, wenn sich die Produkte verkaufen lassen. Borst ist gut aufgestellt: „Wir haben für alle was, vom Bildhauer bis zum Häuslebauer.” Dennoch: Wenn GaLaBau-Formate oder Werkstein nicht mehr gehen, lohnt es sich nicht, diese weiter anzubieten. Folglich gibt es nur dann eine Garantie auf die dauerhafte Verfügbarkeit von heimischen Gesteinen in diversen Formaten, wenn er gekauft wird.

Dauerhafte Verfügbarkeit?

Prinzipiell erfüllt der Naturstein die Voraussetzung, fast ewig zu halten, wovon unzählige historische Bauwerke zeugen. Auch hier zeigt sich ein gewichtiger Aspekt von Nachhaltigkeit: Wenn es dann doch einmal Zeit für ihn geworden ist, kann er im Gegensatz zu vielen „modernen" Baustoffen, für die oftmals nur noch die Sondermülldeponie infrage kommt, problemlos entsorgt werden. Oder er zerfällt wieder in seine Bestandteile; auch das ein Aspekt des Kreislaufs.

Wenn diesem Zerfall Einhalt geboten werden soll, zum Beispiel in der Denkmalpflege, kommt im Idealfall ein weiterer Nachhaltigkeitsaspekt speziell des ortsnahen Natursteins ins Spiel: Die langfristige Verfügbarkeit. Tim Wesling, Prokurist der Wesling Obernkirchener Sandstein GmbH, baut beispielsweise ein Material ab, welches auf eine über 1.000-jährige Abbauhistorie zurückblickt. So kann der Obernkirchener Sandstein seine Beständigkeit zum einen klar belegen und zum anderen zeigt er, dass diese Verfügbarkeit von zentraler Bedeutung ist, insbesondere in einer Gegend, die seit Jahrhunderten von Naturstein als wichtiges Baumaterial geprägt wird.

Die dauerhafte Erhaltung von Kulturgütern lässt sich erheblich einfacher bewerkstelligen, wenn notwendige Reparaturen in möglichst dem gleichen Natursteinmaterial erfolgen können. Dies betrifft bei genauerer Betrachtung zwar in erster Linie die Gebäudedenkmalpflege, spielt aber auch der Gartendenkmalpflege und bei Reparaturen respektive Ergänzungen eine immer wichtigere Rolle. Insbesondere bei speziellen Formaten wie beispielsweise gesteinsabhängigen Pflasterungen hängt ein Projekt schnell an der Verfügbarkeit eines Materials.

So ein Beispiel ist in Niederntudorf bei Paderborn zu finden. Der dort verfügbare Plänerkalkstein lässt eine Verarbeitung zu Kleinpflastersteinen zu, die in einem charakteristischen Zickzackmuster verlegt werden. Wenn es nun für die Erhaltung eines markanten Ortsbilds notwendig wird, besagtes Zickzackmuster zu ergänzen oder um Bereiche zu erweitern, wird dies nur möglich sein, wenn die Kleinpflastersteine aus Plänerkalk verfügbar sind.

Doch gerade bei solcherlei Vorhaben kann das Vergaberecht ambitionierten Planern schnell einen nachhaltigen Strich durch die Rechnung machen. Johannes Roßrucker stellt zwar fest, dass zunehmend auch sogenannte vergabefremde Aspekte ihren Niederschlag in den verschiedenen Vergabegesetzgebungen finden, gibt jedoch weiter zu bedenken: „Diesen Trend könnte und sollte sich auch auf den Naturstein erstrecken. Wieso sollen zum Beispiel in der Kantine regionale Produkte Verwendung finden und dies auch so ausgeschrieben werden können, aber beim Naturstein nicht?” Hier gilt es seiner Meinung nach, verstärkt darauf hinzuarbeiten, da sich dieser Gedanke im Bausektor noch nicht so im Sinne eines „common sense” durchgesetzt hat.

Roßrucker ist überzeugt: „Vor diesem Hintergrund könnten nunmehr auch rechtlich einwandfrei, in Ausschreibungen, die oftmals durch Ingenieurbüros erstellt werden, die Verwendung regionalen Natursteins vorgeschrieben werden und dies auch ohne die Verwendung des Begriffs „oder gleichwertig". Er ist sich sicher, dass es nur etwas wenig mehr Begründung im Vergabevermerk bedarf und fährt fort: „Das ist einfach. Dies wird oftmals gescheut mit der fälschlichen Begründung, dass die Förderfähigkeit verloren beziehungsweise gefährdet würde, wenn man nicht auch billigste Lösungen zuließe.”

Es kommt darauf an, was man daraus macht

Die Formate selbst spielen im Sinne einer nachhaltigen Verwendung eine nicht minder wichtige Rolle. Damit Naturstein seinen Vorteil einer mitunter sehr langen Lebensdauer voll ausspielen kann, sollte er unbedingt in materialgerechten Formaten verwendet werden. Ein sehr gutes Beispiel ist hier die Treppe: Naturstein ist dann besonders langlebig, wenn er massiv bleibt und nicht dauerhaft im Wasser liegt. Das konstruktive Prinzip der mit Platten belegten Betonkerntreppe, welches leider von vielen Architekten nach wie vor favorisiert wird, hat sich im Freiraum nicht bewährt, da es genau diese Aspekte zur Folge hat.

Wohingegen eine Blockstufentreppe, die idealerweise auf Wangen ruht, konstruktiv auf die positiven Materialeigenschaften eingeht. Selbst wenn die Blockstufentreppe irgendwann sanierungsbedürftig werden sollte, kann diese rückgebaut und die Bestandsstufen auf neu aufgemauerten Wangen wieder versetzt werden. Wenn dann für die Blockstufe noch ein Material gewählt wurde mit einem geringen Abrieb, werden die Urenkelinnen der Erbauer selbst eine stark frequentierte Treppe noch sicher und erfreut begehen können.

Dasselbe gilt für Plattenformate. Auch hier ist gut beraten, wer Naturstein möglichst massiv verwendet. Das kostet im Moment der Erstellung zwar mehr, hält aber ungemein länger. Und auch hier kann bei einer ungebundenen Unterkonstruktion zum Beispiel im Splittbett jederzeit die Platte schadensfrei aufgenommen, neu gebettet und wieder verlegt werden. Dasselbe gilt für sämtliche Pflasterformate, insbesondere wenn das Fugenmaterial ebenfalls ungebunden bleibt.

Besonders interessant wird es bei komplexeren Konstruktionen wie Mauern. Wer nachhaltig konstruieren möchte, sollte unbedingt auf eine sinnvolle Fügung von eher kleineren, in sich langlebigen Bauteilen in einer tektonisch nachvollziehbaren Abfolge achten. Als Folge wird Dauerhaftigkeit ermöglicht: Eine sauber aufgeschichtete Trockenmauer besteht aus einzelnen Elementen, die in sich stabil sind und in einer sinnvollen Gesamtkonstruktion ihren Zweck lange erfüllen. Wenn jedoch die heutzutage offensichtlich unvermeidliche Betonwand lediglich verkleidet werden soll, hat man nach einer mitunter überraschend kurzen Zeit eine verkleidende Vorsatzschale, die sich zum Beispiel aufgrund von Feuchtigkeitsproblemen abgelöst hat und vor einer stark angegriffenen Betonwand liegt.

Im Gegensatz zur Trockenmauer, die nur wieder neu aufgeschichtet werden muss, sind bei sanierungsbedürftigen und verkleideten Betonmauern erheblich schwerwiegendere Maßnahmen notwendig. Selbst wenn kein Abbruch notwendig ist, kann nur schwer irgendetwas vom Ausgangsmaterial wieder verwendet werden, da es oftmals in seiner Substanz geschädigt, vom Format her zu schwach und zudem bisweilen mit Mörtelresten versaut sein kann. Das alles ist dann zusammen genommen ziemlich genau das Gegenteil von nachhaltig und führt normalerweise zu Diskussionen, in denen darauf hinweisen wird, dass man heutzutage ja so nicht mehr bauen kann. Doch mit genau solchen Bauweisen hat sich der Bund deutscher Architekten auseinandergesetzt und 2019 das Positionspapier „Das Haus der Erde" veröffentlicht. Darin wird zu Aspekten klimagerechter Architektur in Stadt und Land Stellung genommen. Neben anderen Punkten fordern die Verfasser der Publikation die völlige Entkarbonatisierung, was für einen Paradigmenwechsel im Material- und Energieeinsatz steht und den Verzicht auf energieintensiv erzeugte Materialien wie Stahl oder Zement einfordert.

Stattdessen sollte der Schwerpunkt bei der Gestaltung auf natürliche Materialien wie Stein, Holz und Lehm verlagert werden. Ungleich einfacher sollten sich diese Forderungen in der Gestaltung von Gärten oder Freiräumen umsetzen lassen, wo zunehmend komplizierter werdende Architekturthemen wie thermische Trennschichten, smarte Belüftungsanlagen oder komplexe statische Aufgaben für gewöhnlich nicht planungs- beziehungsweise erstellungsrelevant sind.

Darauf verweist auch Albrecht Lauster, Geschäftsführer der Lauster Steinbau GmbH in Stuttgart, mit seiner Überlegung: „Beton sollte nur noch dort verwendet werden, wo es konstruktiv nicht zu vermeiden ist.” Plattenbeläge oder Sitzsteine aus Betonwerkstein haben in Regel keine konstruktiv-statische Funktion. Ihre Herstellung benötigt jedoch Zement und Zuschlagsstoffe wie Kies. Kies wird in manchen Gegenden langsam knapp, wie eine Kurzstudie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe im April diesen Jahres vermeldete. Und Zement ist je nach Quelle und Berechnungsmethode für bis zu 8 % des weltweiten CO 2 -Ausstoßes verantwortlich und wird von manchem Zeitgenossen deshalb auch zurecht als Klimakiller bezeichnet.

Wissen statt Vermutungen

Der deutsche Naturwerksteinverband DNV sieht seit Langem die Potenziale des Natursteins was seine klaren Vorteile, was Nachhaltigkeit angeht. Er ließ diverse Studien anfertigen, die genau diese Aspekte wissenschaftlich belegen. Nach einer ersten Studie zum Thema Nachhaltigkeit von Natursteinfassaden im Vergleich zu Fassaden aus Glas folgte im Jahr 2018 eine Nachhaltigkeitsstudie zur Ökobilanz von Bodenbelägen.

Gegenstand dieser Studie war die Ermittlung der ökologischen Performance verschiedener Bodenbeläge, die für unterschiedliche Anwendungen im öffentlichen und gewerblichen Bereich verwendet werden. Die ökologischen Auswirkungen der Tragkonstruktion mit Betondecke, Dämmschichten, Estrich sowie der unterschiedlichen Bodenbeläge einschließlich deren Verlegemörtel wurden in einem Screening-Verfahren ebenfalls über den gesamten Lebenszyklus betrachtet. Grundlage der Datenerhebung sind vorhandene Umweltprodukterklärungen (EPD) der verschiedenen Baustoffhersteller.

Wie aufgrund des geringen Primärenergiebedarfs von Naturwerkstein zu erwarten war, erzielten Bodenbeläge aus Naturwerkstein in der Ökobilanz sehr gute Ergebnisse. Nach Angaben des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden liegen die Kosten des Energieverbrauchs zur Be- und Verarbeitung von Naturwerkstein bei lediglich 3,3 % des Produktionswerts.

In der besonders wichtigen Wirkungskategorie Treibhauspotenzial (GWP) weisen die Herstellung und Nutzung der Bodenbeläge mit Naturwerksteinfliesen deutlich niedrigere CO 2 -Äquivalente auf, als bei der Herstellung und Nutzung der anderen Belagsmaterialien anfallen. Für den Gartenbau interessant dürfte in diesem Zusammenhang sein, dass sich im Vergleich zur Betonwerksteinplatte für die Naturwerksteinplatte in allen Wirkungskategorien niedrigere Äquivalenzwerte ergeben. So ist der GWP einer Naturwerksteinplatte um zirka 27 % geringer als der einer Betonwerksteinplatte und circa 74 % geringer als der einer Großkeramik (Grafik 2, Seite 19).

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Verwendung von Naturstein ist der Einfluss der Transporte. Während bei der Verwendung lokaler Naturwerksteine (100 km Lkw-Transport) nur 0,16 kg CO 2 -Äqv. entstehen, sind es bei einem Transport innerhalb Europas (2.000 km Lkw-Transport) 3,2 kg CO 2 -Äqv. und bei Naturwerksteinen aus China (18.600 km Schiff-, 150 km Lkw- und 200 km Zug-Transport) 7,9 kg CO 2 -Äqv. je Quadratmeter Bodenbelag (Grafik Transport, S. 16).

Wenn auch der Fokus dieser Studie auf Bodenbelägen im Innenraum lag, so können laut Reiner Krug, Geschäftsführer des DNV, die wichtigsten Erkenntnisse der Studie auf Bodenbeläge im Außenbereich adaptiert werden. Wenn nicht sogar auf alle Anwendungsmöglichkeiten von Naturstein generell. Vor diesem Hintergrund arbeitet der DNV momentan an einer Studie, die Bodenbeläge im Außenraum untersucht. Laut Reiner Krug rechnet der Verband mit ähnlichen Ergebnissen, die gerade dem heimischen Naturstein eine beispiellose Nachhaltigkeit bescheinigen dürften.

Die Studie fällt momentan auch deshalb auf fruchtbaren Boden, weil es eine eindeutige Sensibilisierung der Gesellschaft für ökologische Aspekte gegeben hat. Davon zumindest können viele Natursteinproduzenten im deutschsprachigen Raum berichten. Ulrich Klösser drückt es so aus: „Das Bewusstsein hat sich geändert. Auch wenn uns das nicht gesagt wird, spüren wir, dass es diskutiert wurde.” Seiner Beobachtung nach ist die Diskussion auch bei Planern spürbar. Die anfängliche Freude darüber, ökologisch nachhaltig zu handeln, weicht allerdings spätestens dann, wenn über Preise gesprochen wird.

Das alles und noch viel mehr

Naturstein und seine Produktion sind mannigfaltig zertifiziert und weisen bereits jetzt beste Ökobilanzen und eine beispiellose Nachhaltigkeit aus. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das weltweit agierende Unternehmen Franken-Schotter aus Treuchtlingen hat diverse Umwelt-Produktdeklarationen für Fassaden- und Wandplatten respektive Fliesen und Bodenplatten aus Jura-Kalkstein, ausgestellt vom Institut Bauen und Umwelt. Die Firma selbst hat laut Urkunde ein geprüftes Umweltmanagement. Das bedeutet, dass der Betrieb an sämtlichen Produktionsstandorten zur kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung unter anderem ein Umweltmanagementsystem nach der Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 und EN ISO 14001:2015 Abschnitte 4 bis 10 anwendet.

Doch das reicht Natursteinbranche noch nicht aus. So strebt beispielsweise die Firma Traco im Jahr 2021 laut Geschäftsführer Ulrich Klösser eine CO 2 -neutrale Fertigung an. Auch das Unternehmen Grandi aus Herdecke ist bestrebt, sich ständig zu verbessern. Kati Grandi berichtet von einem besonderen Weg der Realisierung: „Wir sind Mitglied im Verein ’Handwerk mit Verantwortung” (www.handwerk-mit-verantwortung.de).

Der von Steinbildhauer Timothy C. Vincent initiierte und Ende 2015 gegründete Verein setzt sich für nachhaltiges Wirtschaften im Handwerk und Transparenz in der Wertschöpfungskette ein. Die Betriebe unter den Mitgliedern, die sich hier zusammengeschlossen haben, wirtschaften in ihren Möglichkeiten mit Bedacht. Sie beziehen ihre Materialien und Betriebsmittel verantwortungsvoll, das heißt unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Gesichtspunkte. Grandi fährt fort: „In diesem Rahmen suchen wir ständig nach Möglichkeiten, noch nachhaltiger zu werden.” Laut Grandi sind viele unterschiedliche Gewerke dort vertreten – bisher aber noch keine Landschaftsgärtner.

Michael Senn ist Steinmetz-/Steinbildhauermeister, staatlich geprüfter Steintechniker und hat ein abgeschlossenes Architekturstudium. Seit dem Jahr 2000 arbeitet er als freischaffender Bildhauer im In- und Ausland. Zudem ist er als Fachautor für Natursteinthemen tätig und hält Vorträge und Seminare rund um dieses einzigartige Material. Kontakt: sennmichael@me.com
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